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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 50 (1861) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
50 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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199 Gesicht. Sie warf einen Blick auf ihren Retter, der schön und schlank gewachten vor ihr stand, ihr Erquickungen, die er aus feinen Reisebünbet geholt, dardielend. In den zärtlichsten Worten redete er ihr zu ihre Kräfte zu starken, sich zu laben an dem was er ihr darbot. Sie genoß etwas, und sichtdarlich erholte sie sich von ihrer Schwäche. Der junge Mann gewann unterdeß Zeit, sie zu betrachten. Ein namenloses Etwas regte sich in seinem Herzen, indem er diese herrlichen Formen deS -Leides, diese feinen Auge des Gesichts dieser Jungfrau betrachtet«; er wußte sich keine Rechnung von diesem Gefühle zu geben, aber er wußte, daß er noch nie etwas LehnlicheS empfunden. Aber auch in das Innere des Mädchendrang tief der Wohlklang seiner Stimme, rief prägten sich die edlen Züge seines männlich schonen gebräunten Antlitzes in ihr empfängliches Gemürh. Empfindungen, die lange, von ihr selbst unbewußt, in ihrem Busen schliefen, wurden jetzt wach. Endlich brach das Mädchen daS Schweigen. Sie hatte in ihrer ersten Verwirrung vergessen, wir sehr sie ihrem Reiter;u Danke verpflichtet sei, — jetzt, nachdem sie sich gesammelt und erholt, thar sie es mit doppelt innigem Ausdrucke: Nachdem sie auf dw Knie gefunken und die Hand des jungen Mannes erfaßt harre, sagte sie: „Edler Züngling, den Gort zu meinem Schutzengel erkoren, ohne den ich elendiglich verschmachtet wäre, wie soll ich Die banken für Deine edle Thar? O! ich fühle es sehr gut, daS Leben, das ich athme, ich bin es Dir schuldig." Wunderreizenb war daS schöne Kind in biesim Momente, malerisch hingegossen, das Gesicht 'umrahmt von der braunen LockenfüUe, zum Züngling erhoben, glühte von der innigsten Empfindung der Dankbarkeit. Der Züngling fühlte zwei warme Tropfen, die von den Augen des Mädchens auf seine Hand niederfielen, und wunderbar ergriffen stand er wortlos da; — er fühlte, daß dieser Moment ein für sein-ganze- Leben entscheidender sei; er wurde sich bewußt, daß hier unter dem Gelispel der Palmen in der Einöde sich zwei Herzen gefunden , die vom Vater der Liebe geschaffen waren, in den einzigen Accord ewiger Liebe;u erküngen. Unendliche Wonne zog ein in sein empfindsames Gemüth bei diesem Gedanken, und indem er bas Mädchen aufrichlere und an sich zog, sagte ec mit aufgeregter Stimme: „Nicht mir gebührt Dank, sondern Zhm all. in, dem Lenker unserer Geschicke, der unsere Schritte hieher geleitet, der mich »a? koren, Dein kostbares Leben heute einem schrecklichen Tode zu entreißen, Zhm gebührt Dank und Preis." Zn stummer Verwirrung lauschte Sulamirh auf die Worte des ZünglingS, wollüstig verschlang die Muschel ihres Ohres die Huldigungen der ersten Liede, di« ihre Seele, berührten. Umklungen von der berauschenden Musik seiner LiebeSworte, wurde sie sich ihrer eigenen Lied« bewußt, und wortlos stand sie da, ihr Auge in das des Jünglings versenkend. Die Sonne senkte sich zum westlichen Rande des Himmels, und ihre abendlichen Streiflichter, sich durch daS grüne Laubwerk brechend, verklärten mir ihrem Scheidegrüße den Bund zweier Herzen, die sich in der Wüste durch die wunderbaren Fügungen Gottes gefunden. „Ader" sagte jener nach einer Pause, „erzähle mir, Holde, wie ist es »denn gekommen, daß Du Dich hieher verirrt, woher bist Du?" „Ich bin" sagte. Sulamith, „die Tochter de» Priesters Zedidjah, der im Thal« Saron wohnt; vorgestern war der freudige Tag der Wallfahrt nach Jerusalem, und ich dar mir beim Barer die Erlaubnis aus, blS nach Berh« El mirztehea zu dürfen, um eine Freundin zu besuchen. Nachdem ich übernachtet, nahm ich von ihr Abschied, machte mich auf und kehrte frohen Herzen» heim. — Da wollte es mein Unstern, baß ich mich, verirrte, und in diese schreckliche Wüste geriekh. — Keine menschliche Aunge vermag die Schnecken, die Aengste einer solchen Nacht in der Wüste ^zu schildern; als endlich der Morgen grdure, und die Soniie nach und nach ihr Feuermeer über m«n Haupt ergoß, glaubte ich vor Durst und Mattigkeit vergehen zu muffen. Päch vielem Herumirren öffnete mir j der Allbarmherzige die Augen und ich erblickte die Zisterne. Von den Qualen des Durstegetrieben, ließ ich mich hinunter; das Uebrige ist Dir bekannt." > sagte der Jüngling, dessen Her; freudib erbebte,, „wie unendlich danke ich eS Deinem Unstern, der Dich-chieher geleitet? AuS der Macht Deiner Leiden ist fstx mich ein neuer schöner Morgen hervorgebrochen, ein Margen, der über meinen LebenShimmel daS Rosenlicht der ekssien Liebe breitet." ’ lFcrrsttzuu. Die Juden in Italien. soigr.) (AuS dem Magazin für die Literatur des Au-lanres.) iEchlliß.) UedrigenS ist in Ztalien die lnts terra mehr theoretisch, alS in der Praxis, mehr in den RegierunaS-Maßrigeln, al» im ^VolkS-Bewußrsein. In dem Rorhfchild'schid Hause war ein Zimmer zur Synagoge bestimmt, in welchem alljährlich die großen jüdischen Feste gefeiert wurden. Da trat einmal ein neapolitanischer Offizier zu Aller Erstaunen herein, mit der Bitte, Theii nehmen zu dürfen, indem er desselben Glaubens fei. Der Beweis war bald geliefert. Ec erhielt als Gast daS heilige Buch, um daraus vorzulesen, und er entledigte sich diese- Ehren-AmttS als wahrhafter Gelehrter. Zn Mailand wählte die Har delSkammer, alS Kaiser Franz k. seinen Einzug hielt, der Protestanten M-liuS und einen israelitischen Kaufherrn als Abgeordnete zum Empfange deapostolischen Landesherren. Zn Padua besitzt das Rabbiner-Seminar, unke Leitung degelehrten Luzatto, einen großartigen Palast. In Vercelli besteht Ebenfalls eine solche höhere Lehr-Anstalt, welche eine sehr pachtete Zeitschrift: l’educaiore Israelita heraus- Siebt; ein bo'tt angestellter jüdischer Gelehrter siebt an dem katholischen Collegium Unterricht m der italienischen Sprache. Ja der Stadt Novarra hält ein jübi cher Gelehrter in der Stadt-Bibliothek Vorlesungen übeir Dante und die Geschichte de- Mittelalter-; unter den > au- Erwachsenen bestehenden, sehr zahlreichen Zuhörern ttgfen denn, sich auch katholische Geistliche. Zn Venedig ist! der berühmte Arzt vr. NomiaS beständiger Secretair dewissenschaftlichen Institut-, alS Mitglied desselben, von^ Staate besoldet, mit dem Range eine- Obristen und dessen Uni» formS-Abzeichen, nebst der Hof-Fähigkeit.. Diei»ürde in anderen Staaten, die an der Spitze der Civilis irfa« zu steh«n glauben, nicht möglich fein. Im österr sichifchea Heere sind die zahlreichen, bei allen Waffen »G Münzen dienenden Offiziere masakschen Glaubensehr gut Kameraden mit italienischen Mobilen und Grafen,;$ti dem constitutionellen Königreiche Italien versteht sich diejetzt

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