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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 50 (1861) · p. Seite 200

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
50 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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natürlich von selbst; so wie eauch in diesem Heere gegenwärtig viel waldeckische Offiziere giedt, und dergleichen Abgeordnete neben israelitische«. Auf den Bällen, die der Minister-Präsident in Turin giedt, erscheinen «eben der Herzogin von Genua die Frauen ausgezeichneter Israeliten. Wie gesagt, im g«r , wohnlichen Leben wirb man den Unterschied nicht gewahr, , der in andern christlichen Staaten sehr fühlbar ist. N f Andre Länder, andre Sitten. (Rach den Lrch. isr.) In Konstantinopel wird der neunte Ad in etwas andrer Weise alS bei un< gefeiert.-.'Die Nahrungsmittel für die neun ersten Tage d,S Monat Ab müssen bei uns mager sein, in Koastanrinopel ist nur das Essen von Riad * und Kuhfleisch verboten; aber man darf Gänse. Hühner. Enten, überhaupt alle Arten Geflügel essen, und anstatt d«< Bieretrinkt man ausgezeichneten Eyprr-Wein. Die strengsten Chafsidim erquick« sich nach, dem Fasten durch eine vortreffliche Hühnersupp,. Die Feier de- Gottesdienste.» am Vorabend des neunten Ab ist höchst rührend und feierlich in der türkischen Synagoge. Nach den und den ma*p, werden a ll« Lichter auSgelöfcht, und in der tiefsten Dunkelheit er-! hebt sich beL^Gelstlich« und - sagt hebräisch und spanisch ' mir ftarf« Stimme: „Meine Brüder auS dem Haufe Israel! Heute sind eS 1783 Jahre, daß unser heiliger Tempel von den Ungläubigen zerstört und in Asche gelegt! ward^ woraus er noch nicht wieder erstanden ist." Die I Zuhörer, deren gewöhnliche Umgangssprache die spanische! ist. rufen zusammen, indem sie heiße Thränen vergießen und schluchzen (ein Geschrei, welcheim wahren Sinn«! de- Worte« das Gewölbe erschüttert)^ O, Unglück, Unj glück! Der Tempel ist zerstört; Unglück, Unglück, wir haben | gesündigt.! Der Geistliche sagt dann einen Trauergesang, ein Klage-; lieh, welche« oft durch denselben Refrain der Gläubigen! unterbrochen wird. Dieser RituS, jedoch etwa« verändert, könnte sich auch in iznserer Synagoge heimisch, machen, aber die meisten unserer Rabbiner, und wir können ihnen nur Glück dazu wünschen, ersetzen einen großen Theil der Klagelieder durch eine den Umständen angemessene Predigt! V- Dasselbe Blatt meldet au« K^nstantinopel vom 15. Oclober: Der Herr Rabbiner Samson Levy, Director der französisch-israelitischen Schule dieser Stadt, hat in den letzten Festtagen in der neuen deutschen Synagoge Galara gepredigt. Da er sich in Folge de« Feste« nicht zu Schiffe dahin begeben konnte, mußte er zu Fuß, ganz früh Morgen« dorthin gehen, ungefähr «ine Meile von seiner Wohnung. Et warriae große Anzahl der 'feinsten Damen in der für-ihr Geschlecht bestimmten Gallerieversammelt. AlS di« Predigt de« Herrn Samson Levy zu Ende war, fielen prachtvolle Bouquet« zu seinen Füßen nieder, welch« von einigen Damen kamen, die diese Gewohnheit in dem Theater zu Pera, welche« sie besuchen, angenommen haben: ein ungewöhnlicheaber rührende- Zeichen, welches zeigt, wie eine gut geleitete religiöse Unterweisung sich den Geistern einprägt. Der Prozeß z» Warschau. Rabbi Jitzchack au« L., ein tüchtiger Talmudist, kam nach Warschau, begab sich sogleich zum Schameß sSynagogendiener) und beauftragte diesen, ihm das Betb-Din (GerichrS-CoUegium, bestehend aus dem Rabbiner und zwei Beisitzenden, Dajanim) zusammmzurufrn. Die'"«« geschah, und al« Rabbi Jitzchack vorgelassen und befragt wurde, „wo und wer fein Bal Din (Angeklagter) sei?" antwortete er: „Mein Bal Din ist oben, ich habe mit Gott ein Mischpar (Prozeß). Rabbiner: ..Nun so redet, wa« für eine Anforderung habt ihr an Gotti Rabbi Jitzchack begann: Ich hciralhcte eine Frau, die mir alS Nedan (Mikgade) 10000 Thlr. mildracht«; ich lebt« mit meiner Frau glücklich, doch in' meinem Geschäfte ging'« nicht gut; ich verlor die 10000^Thlr. und nachher nahm mir auch Gott meine Frau. Meine Klage gegen Gott ist eine sehr degrüridete: er HÄre mir erst meine Frau nehmen sollen und mir noch einstweilen die 10000 Thlr. lassen, so hätte ich wieder ein» grau mit 10000 Tklr. bekommen; nachher hätte ec mit die) 10000 Thlr. nehmen können: so häye ec eine Frau UIS 10000 Thlr. gehabt und auch ich nicht minder^ nun aber hat er Alles und ich Hab« gar Nicht«! Rabbiner: Warum kommt ihr aber, Rabbi Jitzchack, hierher mir eurem Mischpar § Rabbi Jitzchack: Weil ich gehört habe, baß man in Warschau nicht viel nach Gott fragt. I. Lobn in Äaldebberg. Curiosa. TheophkkuS Lessing, der Großvater de« großen Gotthold Ephraim Lefsing, der ein Jahr vor der Geburt seines berühmten Enkel«, achzig Jahre alt, als, Bürgermeister der Stadt Kamenz starb,'erwarb die Magisterwürde zu Leipzig im Jahre 1070. Seine Dissertation war de« Ahnherrn würdig, dessen Enkel Deutschland und der Menschheit den Nathan dichten sollte. Sie handelte nämlich, natürlich in lateinischer Sprache. „Don "der Toleranz der Religionen" und zwar nicht etwa blo« von der Duldung aller Religionen im römischen Reiche deutscher Nation, sondern von der allgemeinen Duldung aller Religionen überhaupt. In jener Zeit ist diese« Auftreten eine« Leipziger Candidalen der Philosophie und Jurisprudenz auch schon al« historisches Factum von Interesse, während e« zugleich ein Licht wirft auf den Geist, in welchem dieser Mann seinen Sohn, den' Barer Gotthold Ephraim'«, erzogen haben wird. Allgemein« Zeitung de- Iudenlhumr. No. 4ll. 1861. Leitende Artikel: Der Cbarakcer brr jüdischen Sabbalbfeier. — Die Israeliten in Ungarn. — Zerstreute Bemerkungen Zeitung».N schlichten: Preußen:jtonigdberg, Peckclsbeim, aus rem Poienschen. Naugarb. - audem ~ au»> der Mark. Oesterreichischer «ai,erstaal: Men, Men. au« Ungarn, Oedenburg. ' 14T Zu beziehen durch jeder Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Thalcr, vierteljährlich % THaler. Verantwortlicher Redakteur St. Näbe. Vertag Ms va»»girt»«r'« &n4b<wMung ib gcipjig.'— Xnut scn «. »retzkinia r«ip»tg.

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