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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 50 (1861) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
50 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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Straucher, endlich erbli Grupp« Palmen und; Schatten «ine Zisterne. — 198 — sie am Saume der Wüste ein« reffen, und in ihrem kühlenden Die Liebe untere Zeugen. > Mit welchem Gefühle Sukamith, denn diese war es, ' die sich auf dem Heimwege von Beth-El verirrt harre, sich dieser Oase nach so viel üderstandenen Aengsten näherte, kann nur der empffnven, der so was selbst erlebt hat. Sie eilte hinju; sank auf den spärlichen Rasen nieder, arhmere im kühlen Schatten der Baume lief auf, und warf einen Blick, voll innigen Dankes gen Himmel. Nach» d«m sie sich ein wenig erholt, mahnte sie der Durst an das Dasein der Zisterne. Sie näherte sich also derselben und erblickte auf decejn Grunde den glatten Spiegel reinen frischen WafferS. Wie aber zu diesem so einladend dufj tenden Naffe kommen { — Wohl hängt ein Seil Hernie».! der, aber der Eimer fehlt daran. WaS nun anfangen t I Hier der qualvolle Durst, vor dem ne schier vergehen mochte,; dort winkt ihr daS frische Naß, dessen Dünste allein ihr j so labend, so erquickend scheinen. Sie besinnt sich jedoch nicht lange, sie werde schon Mittelfinden heraufzuklim- : men, denkt sie, wenn sie nur erst ihren Durst gestillt und neue Kräfte gesammelt. Sie faßt sich ein Herz und windet sich Seile hinunter, und erquicket und labet sich nach Herzenslust. Nun aber versucht sie wieder heraufzuklimmen, aber hierzu fehlen ihr die Kräfte. — Nach langen vergeblichen Versuchen sieht sie sich gefangen in der Zisterne an diesem einsamen Orte; aber getrost dachte sie: lange kann ich hier doch nicht bleiben, wahrscheinlich" werben die Hirten hierher kommen, um ihre Herden jü tränken, und mich aus meiner mißlichen Lage reuen. Ver» trauungsvoll harrte sie auf die Hilfe Gottes, der sie so wunderbaclich biS bieher durch dis Wüste geleimt. — Ader. Stunde auf Stunde verrann und sie iah noch keinen Ret- - ter kommen. batte schon seit mehr als vierundzwanzig Stunden mchlS genossen,' halte so viele Angst ausstehen ' müssen, sie war daher sehr erschöpft, und mir jeder Stunde 'schwanden immer mehr ihre Kräfte. Auch die feuchte Kühle des Brunnens wirkte schädlich auf ihren todmüden Körper. Sie fühlte bald von Fieberfcost ihre Glieder geschüttelt. Da bemeiftcrte sich abermals namenlose Angst ihrer Seele, und ihre Phantasie, einmal aufgeschreckt von schauerlichen Bildern, malte ihr die Zukunft mir schreck» lichen Karden. Wie selten mag sich hieher der Fuß deS einsamen Wanderers verirren', sagte sie sich, wie lange * aber werden meine schwachen Kräfte' dem Andrange so vieler Nöthen widerstehen können? O! ich fühle es, mit mir ist eS aus! Meine Sinne umnebeln die Schatten des Todes. Doch noch einmal erfaßt? sie den Anker aller Hoffnungslosen, .noch einmal wandte sie sich zu Ihm, dem alleimq.'n Erretter in Noch und Drangsal. Da mir einem Male glaubte ihr Ohr, in dem es furchtbar fauste, wie den knisternden Gang eines Menschen auf den Kieseln zu vernehmen. — Noch einmal loderte die erlöschende Flamme des Lebens auf, sie raffte ihre noch glimmenden Lebensgeister zusammen, und mit schwacher Stimme flehte sie um Rettung, um schleunige Hilfe. Ihr schien eS als kamen die Schritte immer näher heran, und sie verdoppelte -ihre flehentlichen Rufe. Wirklich war es ein junger Mann, der deS Weges vocbeikam, und der Zistern« sich näherte, um seinen Durst zu stillcn. Als er die Stimme eines Menschen vom Grunde derselben zu sich herauflönen hörte — erschrak er ungemein; — denn befangen vom Wahne der damaligen Zeit, glaubte er, daß hier ein muthwilliger Kobold der Wüste sein arges Spiel mit ihm treiben wolle, um ihn in sein verderbliches Netz zu ziehen, aber bald sich von seinem ersten Schrecken"ermannend, sagte er: „Wohl kenne ich Dich, trügerisches Wesen, mit arger List die Stimme eines Menschen nachahmend, glaubst Du mich mit Deinen Schlingen umstricken zu können. Ich werde es wohl bleiben lassen. Dir zu Hilfe zu eilen." — Mie melodische Harfentöne klangen die Worte eines lebenden Wesens in den Ohren der neuauflebenden Jungfrau, aber zitternd beim Gedanken, daß eS von Schrecken befangen, sie ihrem Schicksale über lassen könnte, rief sie in der höchsten Angst ihrer Seele „Jst'S jetzt Zeit, da eS gilt, ein menschliches Leben vom Un tergange zu reiten, an das Wahngedilde oeS Aberglaubens zu denken i Ich bin so ein sterbliches Wesen wie Du, verirrt in der Wüste, glaubte ich vor Durst vergehen zu müssen,, als ich hier diese Zisterne erblickte; meinen brennenden Durst zu stillen, ließ ich mich am Seile herunter, wo ich mich jetzt gefangen sehe, und vor Hunger und Müdigkeit schier verschmachte. O! rette mein jugendliches L^- den! Rette einem greisen Baker seine einzige Tochter -7- und mein Lebelang soll mein Herz Dir dankbar geweiht sein." „So schwöre denn beim lebendigen Gotte, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, daß Du die Wahrheit gesprochen, und ich will Dir aus der Zisterne helfen." Das Mädchen schwur hoch und heilig, daß dem so fei wie sie gesprochen und der junge Mann befestigte an das Ende des Seiles ein Querholz, und wand das Mädchen vermittelst desselben an bas Licht des Tages. Leichenblaß und miö verstörten Zügen oben angelangl, sank die Jungfrau bewußtlos auf den spärlichen Rasen nieder. Dec> junge Mann wandte alle mögliche Mittel an, sie wieder ins Leben zu rufen, aber vergeblich, es schien auf immer von ihr gewichen — Todrendlässe hatte sich auf die fein geschnillnen Züge des Gesicht« gelagert, die Augen, drschaltel von den langen Wimpern, waren fest geschlossen. Von unsäglichem Schmerze ergriffen, ein so schönes junges Leben erlöschen zu sehen', stand der Jüngling mit dem Leibe über das Mädchen gebogen, ihre zarten kleinen Hände in jtfn seinigen pressend, und alle nur möglichen Mittel verschwendend, sie ins Leben zurückzurufen. Endlich nachlangem Harren und qualvoller Spannung schien eS ihm als bemerkte ec ein leises Zucken der GesichtSmuskeln, ein leiser Seufzer entfuhr dem schönen halbgeöffneten Munde des hingestreckr liegenden Mädchens. — Nach Minuten unsäglicher Pein, die ihm Ewigkeiten dunklen , fühlte er den warmen Hauch ihres Mundes auf seinem Gesichte, und bald hernach schlug sie die Augen auf und blickte wirr um sich. — „Wo bin ichi" stammelte sie mit schwacher Stimme? „Du bist gerettet" rief der Jüngling, dem di« Freude über das Aufleden des MädchenS^das Blut ins Gesicht trieb, und eS mit einer Röthe überzog. „Ermanne Dich, siehe um Dich her, nicht mehr die Finsterniß der Zisterne ist um Dich her gebreitet, sonern bas schöne Licht des Tages." Mit Hilfe des Jünglings richtete sich Sulamith .auf, und wie sie sich ihrer Lage bewußt wurde, stieg eine Purpurröthe in ihr blaffe-

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