Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 50 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolkSblatt Z-r Reteheung und AnterhaNung auf jüdischem geüiete. Hnausgegeben von Rabbiner vr. L»d»ig PhUistpfo» in Magdeburg. [9io. 50. 1881.] Bo» fcttict Zritsidritr ofctwlgt wSLrvNich eine ftammcr. Preide« Jahrgang« 1 Lhlr. Bierieljahrig 7 °Rgr. »Ue vuchdaarlusge», Post»oner und Arirung«ex»edtnone» ueh»e« BeftellLuge» an. [8. Jahrg. 4. Quartal] Die Zeugen der Siebe. Eine Erzählung n.ach dem Talmud von Leon Mendel-burg in Nowogrodwolin-k. (fforkseyunz.) Die Wüste. Südwärts Palästina'- zieht sich eine weite öde Landstrecke, hin, die man mit Recht den Vorposten der arabischen Wüste nennen könnte. Während an der nördlichen Seite dieser Einöde eine lange Kette zerklüfteter Granitdlöcke mit ihren bizarren Kämmen und grote-ken Spitzen gen Himmel empvrstrebt, gewahrt da- Äuge de- Wanderergen Süden wette gelbe Sandflächen — in denen kein grüne- Blatt, kein Gra-halm, kein wilde- Gestrüpp emportoinmen kann. Zu den Füßen der nördlichen GedirgSmassen ist der Boden von der Hand der . in ihren stillen Werkstätten mächtig waltenden Natur zerrissen und zerklüftet, und mit Geröll und allerlei Steinarten üdersäer. Ueber dies« Wildniß behauptet jetzt die Rächt ihre schauerliche Herrschaft, aber die fahlen Streifen am östlichen Himmel-- strich verkünden deutlich die Vorboten de- Frühlicht-. — Ueber dieser schauerlichen Landschaft lagerte jene lautlose Stille der Wüste, von keinem Tone einelebendigen Geschöpfeunterbrochen. Plötzlich aber vernimmt unfer aufhorchende- Ohr, dessen Gehörsinn von diesem Schweigen geschärft, in weiter Ferne den Fußtritt einelebendigen Wesen-. Unser Auge folgt jetzt der Leitung de- Ohre-, und wagewahrt es? Im fernen Norden'die Umrisse einer menschlichen Gestalt, aie im Labyrinth« der Felsenfchluchten und Höhlungen sich nicht zurecht zu finden scheint und ihren schwanken Fuß bald dahin bald dorthin sichtet. — Bald sahen wir sie auf einem Bergkamm« erscheinen, bald in einer Schlucht verschwinden; so irrt diese Gestalt lange umher, blsie auf einer runden Kuppel eine- Bergestehen bleibt, und ihre Blicke nach Osten richtend iw stumm« Betrachtung versinkt. Rach einem längem Verweilen richtet diese menschliche Gestalt ihre Schritte un< näher, und wabietet sich un< dar? Eine Jungfrau ist'-, deren zarter Fuß sich in Einöde verirrt hat. Sie hatte den weiten falte reichen Schleier zurückgeworfen, und auf ihrem blassen schönewAnrlitze malten sich alle Schrecken einer in der Wüst^zugebrachten schauervollea Rächt. Dadichte dunkelbraune Haar, um eine schön gewölbte Stirn gescheitelt, wallet fesselloüber Racken und Schul-. kern, die lilienweiß, hernieder. Dagroß«' blaue Auge späht angstvoll umher, ob sich ihr nicht irgend «in Ausgang audiesem Wirrfale eröffnen werde. Ader immer weiter gleitet ihr schwankender, nur mit einer leichten Sandale beschuheter Fuß auf den Kieseln der Wüste, die von den blendenden Strahlen der Sonne mosaikartig glanzen. Immer höher steigt dt« Sonne zum Zenith empor, immer blendender werden die Lichtstrahlen, — die sie au-strömt, lmmek senkrechter fallen die sengenden Gluthenauf den Scheitel dies,- matten, zarten Geschöpf-, dessen Kräfte auf die Neige zu gehen scheinen. Endlich kann sie nicht weirer, ihr müder erschöpfter Körper will zu, sammendrechen und sie. sinkt nieder und spähet .weit umajr her. ob sich nicht irgend «ine Spur von einem lebendige«^ Geschöpfe dardinen werde. Ader Nichtgewahrt ihr von . Tobe-schreckeu umnebelte- Auge, Nichtvernimmt ihr Ohr außer dem heiseren Gekrächze eine- Geier-, der "ferne Beute; witternd, hoch in der Luft auf seinen mächtigen Schwingen fl ihr Haupt umkreist. Bi-weilen entfährt seiner Kehle eia I schriller Ton, gleichsam seiner Beute zujauchzend. Dieser fl schrille Ton mitten in der öden Still« der Wüste — fl erfüllet die Seele de- Mädchenmit Grauen.- Sie ahnet, fl welche- Geschick ihrer wartet, und ein« ftrrchibare Angst W bemächtigt sich ihrer. » Zn Vieser furchtbaren Lage jedoch, als Verzweiflung j sich dieseschwachen Geschöpfs schon demeistert hat, raffe fl sie sich auf und richtet ihre schwankenden Schritte dem fl Westen zu. Lange bor sich ihren spähenden Blickm nicht« fl dar, daraus sie auf die Näh« der Menschen schließen könnte, fl Immer glühender ward die Luft, die ihr keuchender 1 Athem eiasog, immer matter wanken ihre Knie, plötzlich I aber bleibt sie stehen, und schaut unverwandten Blickes nach i einem schwarzen Fleck hin, den sie in weiter Ferne gewahtt. I — Sie glaubt die Umrisse eine- Menschen! zu erblicken. » „Ha!" sagt sie „endlich o, Himmel, hast Du mein Flehm fl erhört. Dir sei Dank und Preis," und die Hoffnung defl flügelr ihren schwanken Fuß, sie eilt, sie kommt heran, fl aber o Täuschung! eine verkrüppelte Sykomor« ist es. dle fl ihre dürren Wurzeln um das «Gestein geschlungen harre, fl und sie stand da mit ihren verdorrten Zweien uud ver, fl sengten»'Laub«, «in traurige- Zeichm der Wüstei Wie ver» fl steinen stand da- Mädchen vor diesem Bilde,' aber mdtich -fl ermannte sie sich doch, indem sie sprach: „Dieser Bau«, ifl so traurig er auch ist, er soll mir ein Finge^eng Gottes M fein, wohin ich meinen Weg zu richlm habe; fern kön« H nen nicht mehr die Behausungm der Menschen fein;" uilfl wirklich zeigten sich immer mehr wildes Gestrüpp ont W