Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 49 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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194 umspielte, konnte man eans,Ken, daß er auch in Aornesgluth kühn zucken und Donnerworte schleudern konnte, die dem Hörer Mark und Dein erschütterten. Wenn man sich noch dieses edle Haupt von einem starten Haarwuchs-, der in schneeweißen Ringeln über Nacken und Schultern herabfloß, diesefchöngeformte Kinn mit einem runden dichten Barr, der über die breite Brust herabhing, bedeckt«. denkt, so har man bas Bild des Mannes, der., ein Wittwer, jetzt zurückgezogen vom bewegten Schauplatz eines wechselvollen Lebens nur in Gesellschaft seines einzigen Töchterchens und einer fernen Verwandten den Rest seiner Tage in ländlicher Ruhe verlebte. Aber nicht immer stand er so einsam im Leben; ihm blühte einst eine geliebte Gattin und drei Söhne in ungeschwachter Jugendkraft. — Aber erster, wurde bald nach der Geburt der Tochter ein Raub des Todes, und letztere waren alle drei hinauSgezogen in den heiligen Kampf für Religion und Vaterland. — Wunder der Tapferkeit wurden durch ihren Arm vollbracht; an der Seite ihres muchigen greifen Vak,rS'kämpften sie kühn im heißen Schlachtengrkümmel, bis sie, einst die Engpässe des Libanons und Chermons vor einer Uebcr, zahl Feinde vertheidigend. ihr Gelübde: nicht-eher daS Schwert aus der Hand zu legen, bis kein einziger Feind mehr auf dem heiligen Boden des Vaterlandes geblieben, mir ihrem warmen Herzblute besiegelten. — Cie fielen. Der Vater iah sie mit blutendem Herzen hinstürzen und furchtbar rächte er ihren Tod an den Feinden. -7- Mit Lcwenwulh stürzte er sich in ihre dichten Reihen, metzelte Alles nieder, .was ihm enrgegenkam, suchte den Tod und fand ihn nicht. Erst als der Kampf beendigt war und der Siez die gerechte Sache gekrönt hatte, kehrte die Besinnung und Ergebung in den göttlichen Willen in sein gefoltertes väterliches Her; ein. — Er gab sie hin, ec opferte sie mit gottergebenem Herzen auf dem Altar des Vaterlands; er kämpfte seinen großen Schmerz nieder; aber er-stand nun vereinsamt im Leben, zwar noch ein mächtiger Stamm, aber seiner schönen Kronenzier beraubt; kaum-Haß sich noch ein schwaches Reis zu ihm emporrankte: das einzige Töchterchen, das ihm daheim blühte.— Zu ihr eilte ec nun nach beendigtem Kriege; ihr widmete er den Rest seines vielbewegten LebenS; ihr gehörte jetzt all. seine Sorgfalt; wie den Stern seines Auges bewachte er sie vor allem schädlichen Einflüsse; unterrichtete sie in allem Guten; und sie wuchs heran lieblich und in der Reize Füllender Stolz, die Freude des Vaters. Bald nach dem frühen Heimgange seiner Gattin hatte Jedidjah eine ferne Verwandte, eine betagte Frau inS Haus ausgenommen. Debora war eine von jenen hohen weiblichen Naturen, die mit einem zarten feinfühlenden Gemüthe eitlen eindringenden Verstand paaren, — die bei aller Feinheit ihres Seelenlebens eine unerschöpfliche Quelle von Energie und LebenSmuth in ihrem Busen tragen, und nur eine Frau wie diese war geeignet, bei der verwaisten seelenvollen Sulamith.(so hieß die einzige Tochter Jedibjah's) Mutterstelle zu vertreten. Sie hatte einst bessere Tage gesehen, aber der Sturm der Zeiten, hatte ihr häusliches Glück zerstört. Ihr Mann und der einzige Sohn wurden eine Beute des wüthenden Krieges. — Sie stand ganz allein im Leben, und ihr war eS sehr erwünscht, daß. die Einladung Jedidjah'S: zu ihm zu kommen, ihm Hülfe zu leisten bei der HauSfühnvg und Erziehung seiner Tochter, sie ihrer Vereinsamung entriß und zu einem geschäftigen Leben berief. Die Dallsahn. ES war wieder jener Monat erschienen, der für Israel ewig denkwürdig, besten hohe Bedeutung ihm ewig unvergeßlich bleiben wird. Der Monat Nlstan, der Monat seiner leiblichen und geistigen Befreiung, der eigentlichen Geburt Israels war exschienen, er zog wieder in das schöne Ländchcn ein, und mit ihm das ganze herrliche Geleite deS in seiner vollen Entfaltung bereits prangenden LenzeS. Ein tiefblauer Himmel, der sich über feine blühenden Fluren, waldumkränzten Gebirge und lachenden Thaler wölbte, allbelcbender Sonnenstrahl, die balsamische Würze der farbenreichen Blülhen, Wiesengrün, Blumenschmel; und Lecchenjubel gosten in die Herzen und Gemülher der glüAichrn Bewohner dieses LändchenS neues Leben, neue Freude und neues Hoffen. Von den äußersten Spitzen des Libanons und Eölesyriens bis zur arabischen Wüste und den Nilmünöungen, von den Ufern des Frats und den gepriesenen Gefilden und Triften Baschan's bis zu den blühenden Gestaden des MiltelmeereS lhat sich ein reges Leben kund; in den Herzen Aller regte sich verheiße Wunsch nach dem gebenedeieten Zion, dem ewigen Ziele ihres Sehnens, hiyaufzuwallen, nach Zion, wo das Banner des einig Einzigen hoch zum Himmel flatterte, wo der Himmel mir der Erde sich vermahlte und der Mensch in der unmittelbarsten Nahe Gottes stand, um das Peffachfest in feierlicher Weihe zu begehen. Alles traf Anstalten, Alles machte Vorkehrungen zur großen Wallfahrt dahin. ES war am fünften Niffan dieses Jahres, als es mit Tagesanbrüche auch auf unsere? Colonie sich zu regen ansing. Ern munteres geschäftiges Leben lhal sich kund, in allen ländlichen Behausungen, so weit sie auf den kleinen Hügelrcihen, in den dichten Nebelflor des andrechenden Morgens gehüllt, ausgebreiker lagen. — Die Männer trafen in ernster Geschäftigkeit Vorkehrungen zur Wallfahrt nach Jerusalem, dem Brennpunkte aller nationalen und religiösen Jnreresten. Von allen Enden der ländlichen Umgebung erschollen fröhliche Stimmen. Das Blöken der zum Pessachopfer geschmückten jungen Lämmer, das Gebrüll der schönen Opferlhiere ertönte weilumhec. Da trat auch der Priester Jedidjah zur Thür seiner etwas abgelegenen Behausung hinaus und warf einen Blick auf seine Umgebung. Der junge Morgen hatte sich so eben über den Horizont emporgeschwungen, ein prächtiges Morgenroth feine Purpursirahlen über den ganzen östlichen Gesichtskreis ergossen. Nach und nach leuchteten die violetten Glulhen desselben, in allmähliche Scharlirungen übergehend, über den lauteren Dom des Himmels, auf dessen dunklem Hintergründe noch der Morgenstern funkelte. — Auf den Spitzen der Hügel und Bäume ringsumher spielte rosiges magisches Licht, daS sich von den Reflexen des östlichen Morgencoths ergoß. — Westwärts zu schwangen sich vom Spiegel der See graue Nebelzum blauen Aekher empor, die in der Höhe zu leichten Wölkchen sich bildend und vom violetten Scheine sich verklärend an der Himmelswölbung umhersthwammcn. Feierliche Stille um ihn her, nur dann und wann unterbrochen vom geschäftigen Treiben der Nachbam, und