Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 49 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 vom Säuseln der Aeste und Blatter, die vom leichten Hauche der Morgenluft gewiegt, sich rauschend bewegten. Ein feierlicher Moment! Ec ftand lange im An» schauen dieser herrlichen Scenerie versunken; endlich erhob er sein von andächtigen Regungen widerstrahlende- Antlitz zum leuchtenden Himmel-dome empor und die Wort«:!^i nee -we: '212!-»wa nrna 'n'ree '1 ,NT2r mm nrr ,nars3 -ne« nar u. s. w., die seinem sich bewegten Lippen entglitten, gaben Kunde von dem, was in seinem Busen sich so tief regte. — So stand er noch eine WeileIw, als ihn in seiner stillen Anbetung und Huldigung des Schöpferin seiner Schöpfung der^ raschelnde Gang eine- Fußestörte; er wandte sich un/ und sein verklärtes Auge begegnete dem seiner geliebten Sulamith — in dessen Spiegelbilde sich ihm ein anderer Himmel mit allen seinen Reizen und Zaubern erschloß.— Auch sie harte der heutige Tag früh auihrer Schlaftammer gelockt, und als sie den Daker nicht mehr auf seiner Lagerstätte gewahrt, war sie ihm nachgeschlichen. — Der feingewobene faltenreiche Schleier floß zurückgeworfen über die entblößten Schultern und den Nacken des Mädchenhernieder; die schönen Glieder deim Ebenmaß und runden Formen reizenden Leibewaren in eine weiße faltenreiche Tunika gehüllt, der zarte nackte Fuß nur mit einer leichten Sandale beschuht. „Du bist schon, meine Liebe, so früh auf," sagte der Greis sein freudetrunkene- Auge auf die Tochter heftend, „Du bist so leicht gekleidet, und diese frische kühle Morgenluft könnte Dir schaden." „O, heute ist ja^ der freudige j Tag der Wallfahrt nach Zion," sagte hocherröthend das Mädchen, sich an den Vater anschmiegend, „die Freude ließ mich nicht ruhen, ich machte mich hurtig auf, und siehe, lieber Vater, welch schöner Lohn mir geworden! siehe, wie der junge Morgen seihe rosigen Fittiche über Berg und Thal breitet, gleichsam unsre heutige Freude zu erhöhen." Der Vater, im Vollgefühle der Seligkeit schloß da- Mädchrn in seine Arme, und feine Augen zum Himmel hebend, sagte er halblaut: „O, wie^Aanke ich Dir, himmlischer Vater, daß Du, nachdem Du mir so Dielege-, nommen, mir so Vieles wieder verliehen hast!" Eine große Thräne rann seinen Wangen entlang, und eine Weile herrschte zwischen Vater und Tochter bedeutungsvolles Schweigen. Endlich sagte der Vater: „Geh', meine Liebe, und hilf mir Vorbereitungen zur Reise machen. Du siehst, unsere Nachbam sind schon vollauf beschäftigt; sie werden bald aufbrechen." Die Jungfrau zögerte noch «in »venig, dem Befehle des Vaters Folge zu leisten. Diesem entging es nicht, daß sie etwas auf dem Herzen trage. Er errieth ihren Wunsch, daher hob er an: „Wie gern möchte ich Dich mit mir nach der Gottesstadt nehmen. Aber du würdest dich, liebe-. Kind, im großen , Gewühl« dieser dir ganz fremden Stadt mit ihren fremdartigen Gestalten ganz vereinsamt fühlen. — Ganz anderwäre eS, wenn deine gottselige Mutter noch lebte; ich würde dich getrost ihrer Hur überlassen, sie würde deine Führerkn, deine Beschützerin gewesen sein, aber so, da ich Debora daheim lassen und mich dem - Tempeldienste während der Feiertage widmen muß, wessen Schutze und Leitung soll ich dich anvertrauen? — Traue es deinem Vater jedoch,, der dich versichert, daß dieser von dir so heiß ersehnte ZeiDunkt nicht mehr fern sei; du wirst bald an der Seite eine- Andern diesen heiligen Boden betreten, und an seiner^Haad die wunderbaren Räume bewundern können; also noch ein wenig Geduld, meine Sulamich." Da- Mädchen senkte da- Auge zur Erde nieder, blieb aber eine Weile in ihrer vorigen Stellung. — Des Vater- Scharfblicke entging enicht, daß sie noch nicht befriedigt sei. „Nun," sagte er, „sind.Dir meine Gründe noch nicht einleuchtend genug! stellst Du Dich noch nicht zufrieden V „Ich füge mich gern. Deiner väterlicherr-brssern Einsicht; aber die Bitte wirst Du mir doch nicht abschlagen, mir Dir hinziehen zu dürfe» dis nach Beth-El; ich Hab« meiner Freundin Dina, die mich in den letzten Feiertagen b,stichle, versprochen, sie wieder zu besuchen, gönne mir also da- Vergnügen, ihr einm Besuch adstatlen zu dürfen." — „Diese bescheidene Bitte! kann ich Dir rso'hl gewähren," versetzte Jener „nur ditw ich Dich nicht länger als einen Tag bei ihr zu weilen, dann früh heimzukehren, damit Du noch vor Anbruch der Macht nach Hause gelangest." — „Sei getrost" war die Antwort des hocherfreuten-Mädchens, sich dankbar an den Later anschmiegend/„ich werde Deinen Befehl nicht außer Acht lassen," und mit einem Sprunge war sie schon in dem Flur de- Haufe-, Allezur Reise fertig zu machen. Nach und nach hatte die strahlende Scheibe der prächtigen Sonne, nachdem sie dadichte Gewölk, dasich am Beginne ihrer Laufbahn gelagert, zerstreut und dm Nedelflorder über Land und.Meer sich gebreitet, zerrissen, über den Horizont emporzeschwungen. , Bon den Hügeln hinunter zwischen den Balsamstaudm und lebendigen Einfriedigungen der Gärten hindurch wand sich der gelbe Streifen eine- Fahrweges; dieser wimmelte jetzt von mannigfaltigen Gestalten und Gruppen. Menschen in den faltenreichen maurischen Trachten de- Orient-, bepackte Kameele und Maülthiere standen reisefertig. — Endlich setzte sich der lang« Earawanenzug in Bewegung. Ewaren die Leute Sarons, an ihrer Spitze der greise Jedidjah, ihin zur Seite seine herrliche Tochter Sulamith, die nach Osten, gen Jerusalem jnlgerten. Fahre hin, goUbefrelte Schaar! Möge dich die waltende Hand Gottegeleiten, und möge all' dein Wünschen und Sehnen in Erfüllung 3«htN! seigr.) Die Juden in Italien. (Au» dem Magazin für die Literatur de» Ausländer.) Es ist wahr, daß Piu- IX. in der ersten Zeit seiner Regierung im Geiste de- Grafen Cesare Bald», der Priester Gioderti und Rosmini und anderer Vaterland-freunde, um Italien zur Einheit zu führen, den Aritbedürfntssen Rechnung tragend, die Ghetto-Schranken im Jahr 1847 niederreiAn ließ. Ganz Italien war einig in dem Rufe: „Elebe J’io nono!" ein Ruf, der damals von manchm Regierungen als revolutionär polizeilich gemaßregelt wurde. Man dachte an di« ErNchtung eineitalemischen Staaten» Bunde-, wie der deuksihe Bund. Der berühmte Kanzel» redner Pater Ventura, General de- Theotinee-Ordens, damalin großem Ansehen bei dem Papste, veröffeTtlichtr