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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 49 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
49 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. (No. 49. 1861.t Boa dieser Zeilschrist erscheint wöchentlich eine diummcr. Preis des Jahr» gang« 1 Tblr. BieöieljShrig 7 Rgr. AUe Buchdantlungc«, Postämter «ad Zeimagaexvediriooen nehme» Bestellungen an. ^8. IstKrg. 4. HusrtÄ.^ Die Zeugen der Liebe. Eine Erzählung nach dem Talmud von Leon Mendelsburg in Nowogrodwolinsk' Das Thal «aron. Der geneigte Leser versetze sich mit uns in jene glorreiche Zeit, da unsere Altvordern noch im gepriesenen Lande ihrer Vorfahren, jedweder unter seinem Weinstocke und Feigenbaum«, ein dem harmlosen Landbau und der religiösen Beschaulichkeit geweiheles Leben genossen. Er folge unS in jene Periode, da auf die harten blutigen Kampfe der heldenmürhigen Makkabäer für die Aufrechthaltung der Religion Israels eine Reihe glücklicher Jahre gefolgt war. Das jubelnde Volk sah wonnetrunken die Stirn seiner priesterlichen Herren mit dem Lorbeer beS Sieges und der Palme Hes Friedens umkränzt; — und als eS zur endgültigen Bestätigung seiner Befreiung vom syrischen Joche und nach erfolgter Selbstständigkeit da- Diadem der königlichen Majestät auf dem steggekcönten Haupte eines dieser gottdegeisterten Streiter prangen sah, stieg sein Triumph zum höchsten Gipfel: Noch hatte nicht die religiöse Spaltung Israels in zwei Lager, der Pharisäer und Sadducäer, der die blutige Parteinahme seines tyrannischen Monarchen Alerandek's Jannäus so vielen Vorschub geleistet, die schrecklichen Zerrüttungen über dasselbe herauf beschworen, die seine staatliche Auflösung zur Folge hatte. Die Satzungen der Väter also, die gottesdienstlichen Gebräuche des Tempelgottesdienstes, durch die es in unmittelbarer Beziehung zu seinem Gotte stand, so lange von der Tyrannei der syrischen Machthaber verhöhnt und verpönt, verjüngten sich jetzt in erneuerter Schöne. Die religiösen Nationalfeste, mit dem innigsten Leben des Volkes eng verwebt, gewannen jetzt nach der Reinigung und Erneuerung des Tempels neuen Ausschwung. Der Altar Gottes, so lange mit dem Blute unreiner Thiere und hingeschlachteter Menschenopfer besudelt, schmückt« sich von Neuem; — und das Volk, hochgetragen vom Gefühle der Gläubigkeit, strömte ihm von allen Enden de- DaterlandS zu, seine reichen Opfergaben freudig spendend. An der westlichen Seite des gelobten Landes, südwärts .vom Berze Carmel, der sich bis an das Mittelmeer hinzieht, ohnfern von den blühenden Gestaden, die von diestm Meere bespült werden, erstreckt sich ein mit allen Reizen einer reichen Natur geschmückter Landstrich, daS Thal Saron genannt. In diesem Thale blühte zur Zeit unserer Erzählung eine Colonie Land- und Weinbau betreibender Israeliten. Sie hatte sich da vor geraumer Zeit, als da» Land nach den verheerenden Kriegen entvölkert war, niedergelassen. Meistens waren cs alte kampsgestähkte Krieger, die nach einem sturmvoll bewegten Leben, Hier, wo ein üppig fruchtbarer Boden ergiebige Ernten versprach, ein friedliches Asyl gefunden. Auf den weithin sich dehnenden wellenförmigen Hügelrelhen konnte man von ferne kleine weißübertünchte Häuschen aus dem Halbdunkel der Palmen undanderer reichen Pflanzungen hervorschimmern sehey. — In der Mitte dieser friedlichen Landbauern hatte sich seit jeher eine Familie niedergelassen, die, vom priesterlichen Geschlechle der Ahroniden abstammend, sich zu jeder Zeit durch ihre Liebe zur väterlichen Religion, durch die Lauterkeit ihrer vaterländischen Gesinnungen wie durch einen makellosen Lebenswandel vor allen andern glänzend hervorthar . ^Dle ganze Bevölkerung des Sarons erkannte in den Häuptern dieses Familie ihre Lehrer und Leiter, da ohne dies der priesterliche Stamm al» der Träger der Religion und Verkünder de» Gotteswortes im ganzen Lande hoch in Ehren stand. — Zur Zeit unserer Erzählung lebte -box letzte Sproß dieser Familie, ein hochdetagter Greis, Namens Jedidjah. Wer ihn nur einmal im Leben gesehen, konnte den Eindruck, den dessen Erscheinung auf ihn gemacht, nie -wieder vergessen. Es war eine hohe stattliche Figur, die der Last der Jahre zu trotzen schien. Die ganze Haltung desselben war, wohl von der langen Theilnahme an den Kämpfen mit den Feinden des Vaterlandes, eine kriegerische. Die edeln Linien und Formen des schön gerundeten Noch, blühenden GesichtS kennzeichneten den clafsifchen Typus eines echten.Orientalen. Die breite gewölbte Stirn, die nur zwischen den buschigen Brauen gefurcht war, ließ einen klären Geist, gepaart mit Gedankenfülle, errathen. In den tiefblauen klaren Augen, um die sich in schönen malerischen Zügen zwei dichte Brauen spannten, lag so viel Treuherzigkeit und Liebe, wenn sie auf Jemand wohlwollend blickten, daß man sich unwillkürlich zu der ganzen ehrwürdigen Erscheinung hingezogen fühlte. — Man sah es aber diesen so anziehend blickenden Augen an, daß sie auch Blitze des ZomeS und des kühnsten Muthes schleudern konnten, und di«sem-schön geformten Mund, den beständig ein Lächeln de» Wohlwollen- und der Herzlichkeit

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