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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 47 (1861) · p. Seite 187

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
47 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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187 aufregke, seine alten Feinde auihren'.Schlupfwinkeln zog und wider ihn vereinigte. Aber sehet dort oben die starken Männer und Bollwerke, diese trotzen selbst einem Kaiser und seine Krieger können sich daran den Kopf zerschellen. Aber ich kenne einen Weg, auf welchem diese stolze Burg schnell einzunehmen ist. In der Dorfkirche, im rechten Winkel an der Südseite ist eine verdeckte Fallthür, die in einen unter» irdischen Gang führt, durch welchen man in' die Stdloßkapelle gelangt. Wenn Zbr nun in der nächsten Nacht einen Trupp kaiserlicher Soldaten auf diesem Wege einlasset, so ist die Eroberung der Burg gewiß und dem blutgierigen Tyrannen ein schmähliche- Ende bereitet." „Und einen solchen Lceubruch rakher Ihr, der Ehrist, mir. dem Juden, ans Diese- Dorf ist mir al- Pfandgut' übergeben, darum muß eneutral bleiben, und von hieraus darf kein Angriff auf die Burg geschehen. Ja. die Rache ist mein Losungswort, die Strafe soll den Mörder meine- Vater« vernichtend treffen, aber ich bin meine Wege ehr- > lich gegangen und Berrätherei soll sich nicht in die heilige | Vergeltung einmischen. .! „Ader vergesst Ihr denn, daß der Kaiser Euch gern bo-! Ken Lohn für die Anzeige und die Eröffnung deunterirdischen Gangewird zahlen wollen t Jcb setzte vorau-, daß ich die Hälfte diese- Lohneerhalte, da ich Euch da- Geheimniß mitgetheilt-habe." „Ihr wagt es, mir eine Gemeinschaft mit Euch zuzu- \ mutken. uitd wenn Ihr auch nur da- Werkzeug jenege- > walttbätiqen Mannewäret, da- Blut meine- Darerklebt an Euren Händen... Hinweg von mir, Berräther!..." Der Jüngling erhob den Knotenstock, den er in Händen hatte, aber der tückische Verwalter eilte schnell von dannen. David ging einige Mal im Zimmer umher, dier sich de-' ruhige barte. Dann sprach er zu sich selbst.- „Den unterirdischen Gang will ich verrammeln lassen, damit der Graf auf ikm nicht entwische, und dann zum Kaiser, um ihm den Pfad durch die Felsen nachzuweisen." " - (ftorticciuia folgt.) Die Königskröilung im jüdischen Alterthum. Von Dr. Tobias Lohn ii^ Potsdam- Der Gedanke. der König-krönung in seiner religiösen Bedeutung, wie politischen Tragweite ist jüdischen Ursprung». WaS davon auf die ägyptischen Dynastien zurückzufthren ist, scheint thatsächlich mehr au» der Prachtliebe de» Orient-, alauirgend einer ernsten, bedeutsamen Absicht geflossen zl» sein (Jalk. zu Erodu- 4, 29.). Wie konnte e< auch andersein bei einem Volke, dessen ganze Entwickelung dem monarchischen Princip zueilt«, und dessen nationale- Streben in dem bewußten Ziel de- Königrhumgipfelte (vvgl. Saalschutz in Frankel'» Zeitschrift, Märzheft 61.)! Wie auf eine vollendete Zukunft eröffnere schon Moscheh die leuchtende Prospective auf die monarchisch« Form de- Staate», upd nachdem da- Volk 'sich dafür reif glaubte, wußte es dieselbe durchzusetzen, ohne je wieder gege» sie anzukämpfen, so viel begründete Mißstimmung und Unzufriedenheit auch am Himmel der Nation lagektm. und oft genug in mächtig erschütterndem Wetterleuchten zuckend ihre schwerm, unheildringend« Massen geräuschvoll entluden. So schlug die staatliche Entwickelung de« jüdischen Volke» thatsächlich eine entgegengesetzte Richtung, im Vergleich zu allen andern Völkern de- Alterthumein; denn während diese zu Republiken übergingen, erkannte jenein der Einsetzung und dauernden Erhaltung der königlichen Würde und Gewalt die höchste Verwirklichungseiner politischen Ideale. Ausolchem Gefühle betaubildeten sich von selbst 9m religiösen Vorstellungen, welche den König alden Berufenen Gotteerscheinen ließen und an ihn alle, jene heiligenden Formen knüpften, durch welche ihm die Größe seine- Amte- und der Umfang feiner Pflichten, wie die Schwere seiner Verantwortung gleichsam vor die Seele trat- Eine solche heilig« Form ist die Krönung, deren ausschließliche Bezeichnungfreilich der modernen Auffassung entspricht, während das Judenthum den Begriff der Salbung in den Vvrtergrund trerm läßt, in welcher die Krönung nur daschwächere, untergeordnete Moment zu bezeichnen scheint. (Siehe Philippson'S Bibelwerk 2, zu SomueliS I., 10, 1.) Denn diese gelangte, wenigstens in den meisten Fällen, nur durch die Art und Weise, wie die Salbung vollzogen wurde, zur Anschauung. Jalk. zu Samuel I. 16: -n: jvaa D'S'Wn n» ypwo O'jrrerf. r«i •3;-?p ->2 yai: „die Salbung der Könige stellte da» Bild der Krone dar; diejenige der Priester, die Form de» griechischen Buchstaben Chi — XV. Daß jedoch auch dort der Gedanke an die Krone nicht gefehlt habe, beweist Levikitu» 20/12. In biesir vorwiegenden Handlung der Salbung mag immerhin die göttliche Weihe, deren Symbol sie in Israel von jeher war, au-gesprocheü'sein; dem thcokratischen Volk«, mag ,S innerlich widerstrebt haben, irgend welche Einrichtung nicht mik religiösen Idem zu durchdringen und heiligen Gedanken zu erfüllen: waS indessen dadei keineswegs übersehen werden sollte, .das ist-die politische Macht und«Reife des Volke-, welche« im Kampfe mit dem Priesterthum, oder mindesten« im Widerstreben desselben die königliche Gewalt schuf und sie neben jene als gleichberechtigt hinstellte. Dasselbige Salböl, da» den Priester heiligte, weihete auch den König, und' dieselbe göttliche Berufung, welche den Priester über di« Menge erhob, verlieh auch dem königlichen Herrscher die erhabene Bestimmung, das Volk zu regieren und zu würdigen Aeußerungea zu befähigen und anzuregen. In dem Maße aber 'alS die priesterliche Gewqlt durch die Königssalbung beeinträchtigt wurde, suchten ihre Inhaber diese selbst zu eipem wesen(» lichen Mittel ihres. Einflüsse« umzugestalten, und vollzogen oft in der Stille und mit dem Gefihl persönlicher Gewohnheit die Salbung-ceremonie, durch welche der Geweihete wie der Träger einer heiligen -Idee und mit der Ahnung einer großen Zukunft auf den politischen Schauplatz geführt wurde. Diese vorausgegangene Salbung war für die Wahl selbst schon entscheidend, und die feierliche Weihe, welche durch die nachfolgende öffentliche Salbung, bezüglich Huldigung begangen wurde, war in dem Grabe nebensächlich, aldie erster« dm Gedanken der göttlichen Beruftmg vertrat, welcher dann die Zustimmung de- Volke« nothwendlg folgm mußte. Gleichwohl verlor diese königliche Borweihean Bedeutung, aldie Herrscherwürd« an die Erfolge geknüpft wurde; durch diese Erscheinung geht der religiöse Eharaktrr der öffentlichen Salbung verlorm, und e< bleibt

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