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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 47 (1861) · p. Seite 188

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
47 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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188 der politische Werth allein für dieselbe bestimmend. In Uebereinstimmung damit fand die Salbung von nun ab nur dann statt, wenn durch dieselbe die Bestrebungen eines zweiten Bewerbers geschwächt, oder der Sieg über sie de» zeichnet werden sollte, ein Gesichtspunkt, welcher besonders für die Könige Juda'« festzuhalten ist, während er im Reiche Israel überhaupt nur durch einen einzigen praktischen Fall unterstützt wird (vergl. Tr. Horijokh 3, 11.). Ein interessanter Vorzug der Konig-salbungen in Juda vor denen in Israel scheint darin bestanden zu haben, daß hier die Krone, daS eigenthümliche Symbol der königlichen Gewalt, dem Herrscher auf« Haupt gesetzt wurde, die er wahrscheinlich jederzeit trug. Wir sieben dieselbe alS zu den Krönungsinsignien gehörig freilich nur das einzige Mal bei der Weihe Joafch'S zum Könige erwähnt sKönige II. 11, 12); allein die bestimmte Art der Erwähnung setzt die Anwendung und den Gebrauch dieses königlichen Abzeichens zweifelsohne voraus, daseine eigene Geschichte hat. Die Krone deersten König-, de- Saul, welche dieser selbst in der Schlacht mir sich führte,, gecieth in die Hände feine- Rachfolgers David (SamueliS ll. l, 10.), dessen Schmuck sie so lange zu sein scheint, bier in den Besitz der vielgex^hmten Krone de- Königs von Radbah gelangte (SamueliS II. 12, 30.). Diese wurde zum königlichen Ehrenschmuck hrrgestellt und spielte dem Anscheine nach in der davidischen Dynastie eine wesentliche Rolle, so daß daran sich , die Uederliefecung knüpft«, daß sie zu dem Kypfmaß Dessen jedeSmal gepaßt habe, der ein Nachfolger David« zu fein werth erachtet wurde, für jeden andern Unwürdigen hingegen nicht entsprechend befunden ward: Tr. Adodah Sar.44: iasj *ri rvas «'77 mn* marin i">« msbEr inarin msrob Don hoher Bedeutung endlich ist der Umstand, baß die Königssalbung an der Quelle stattfand; Tr. Hoeijvth 3, 12: j'yan xbs O'sran r« vergleiche Könige!. 1. — An die Quelle lehnt die Symbolik de« Heidenthum-, JudenrhumS und Ehristenihuna» so gern an; sie sprudelt in der frischen, muntern Poesie aller Völker und umipült in freien, reichverschlungenen Beziehungen da- Leben der Fürsten wie der Völker. Wenn der muntere, leichtbewegte Wassexfprudel in dem glänzenden Juwelenspiel seiner Strahlen mit dem durchsichtigen Licht seiner funkelnden Hell^ das Bild de« Beschauer« klar und rein wiedergiebt: dann wirb mit unwiderstehlicher Gewalt die Sehnsucht dereinen Steedens und Vollbringen« in der Seel« geweckt, daß sie überall den hellen Wiederschein klarer Ziele, einefleckenlosen Leben- und edeln Dasein« erzeugt. So vermag denn auch keine andere Erscheinung wie die Quelle die Schönheit, den Glanz und Ruhm der Eindrücke zu bezeichnen, welch« die reinen Tugenden de« Herrscher« im Volke hervorbringen, und dascharfgeschliffchre Gla« zu versinnbildlichen, in welchem oft genug die leisesten Schwächen in vergrößertem Maßstade sich zeigen, so daß wie jene Tugenden veredelnd«, so diese ihre verderbliche Nachahmung finden. Denn im Leben. und Weben de- Herrscher« bekunden sich die Neigungen und Anschauungen de« Volke-, feine Gedanken und Geiste-richtvngen offenbaren und bezeugen sich in den Denkweisen de« Monarchen. Au« dem tiefen Schacht der Erde dringt der lautere Quell hervor, und mit leisem Gemurmel der Heimath enteilenlt, wälzt er fernab in massenhaften Fluthen den tauschenden Wogen sich entgegen. So sollen die Empfindungen.un^ Gesinnungen de-. Herrscher« au« dem tiefen Grund de« reinen Herzens entspringen, das erwärmt von dem Gefühl unverfälschter Liebe und Gerechtigkeit nur in beseligende» Strömungen der Wahrheit und der Tugend seine lhätigea Pulse ver/ätd. So soll, wenn schon längst das Rauschen der Quelle ist verhallt, der Pul-fchlag de« Lebenist ver- , klungen, die veredelnd« Gewalt der königlichen Willensäußerung sich bewähren, und in lauten Ergießungen wie i ein ruhmreicher Factor in den großen Strom der-Welt»! -ereignisse münden, die da« höchste Ziel der Veredlung und i der sittlichen Vollkommenheit der Geschlechter vorbereiren. Um Hügel und Berge sich schlangelnd, an Klippen und j Felsen sich brechend, so erreicht erst nach tausend Ueber» I Windungen die Quelle zuletzt ihr,», ungehemmten Lauf, j Und wer möchte all' die Hindernisse und Hemmnisse überschauen, die ein König zu überwinden hat, bevor die reinen, edeln Absichten seine« «Herzens ihre endliche Verwirklichung zu erreichen vermögen! Das ewig rinnende Wasser erscheint als redende«, heilere« Symbol der stet« gleichen, nimmer rastenden Bewegung de« Element«. So ist sie denn auch thätsächlich da« Maß und der Inhalt der königlichen Wirksamkeit, die in ununterbrochenem Fluß zeitgemäßer Ideen und Gestaltungen nicht stockt, wenn der rauhe Hauch der Luft sie streicht; denn der Werth und die wahre Größe geschichtlicher Männer wird nur nach dem fördernden Antheil gemessen, den sie an dem Werke de« großen sittlichen F «schreiten« der Menschheit nehmen. Aber nicht die freie Entschließung zu dieser fördernden Thal allein bedingt die Größe de« Herrschers, nicht die Verkündigung erhabener Regierungsgedanken und Staatsgrundsätze, wenn sie al« Ausfluß der eigensten, selbstständigen Eckenntniß sich gellend machen wollen; sondern vielmehr da« Bekennrniß, mit der Aneignung und Verwerthung dieser StaatSrichtungen einfach da« .lautmahnende und überzeugende Pflichtgefühl zu bethätigen, dem man ungestraft sich nicht zu entziehen vermag: da« vorzugsweise gewährt die sicherste Bürgschaft für da« Vollbringen de« Begonnenen. Im Ausdruck dieser Wahrheit hat die Salbung oder Krönung der Könige i« Judenthum jederzeit ihren höchsten moralischen Wecrh gehabt, war sie die religiöse Handlung, in welcher Fürst und Volk die Grundlage un^ Bedingung de« Dauernden gegenseitigen Wohl« vereinbarten und befestigten. Allgemeine Zeitung de« Judenthum». Ro. 46. 1861. Leitende Artikel: Die Wahlen in da» preußische Abgeordnetenhaus. — Der Rabbiner und die Gemeinde. — Zer«; streute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. I Zeitung» -Nachrichten: Deutschland: DreSdtu. i Preußen: Landsberg a. d. Warthe. Oesterreichischer Kaifcrstaat: Gaya, Niederöfterreich, Wien, Wien, Pesth. KST Zu beziehen durch jede« Postamt uud jede. Buchhandlung- Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % LHaler. Verantwortlicher Rrdaeteur St. Nabe. B<tSag •*» Bl,»Air,»er » Bn6»a,Hmtg i» Leüyi». — Dr»a Mi •. »retzit»» to iüpiit-

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