Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 46 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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182 r «s d.m Grafen um ffr mehr, daß der einzige männliche Sproß feine- 'Haufefern pnd in Sicherheit weilte. . Wafand der Graf also bei seiner Rückkehr in Alr tenburg? Die Verbindung zwischen den einzelnen Ländern und Ortschaften war damals eine fo überaus schwache, daß der Vorgänge an'einem Platze wenige Meilen davon völlig unbekannt blieben, und nur Zufall war es, wenn Etwas ruchbar ward, waS nicht durch expreffe Boten und Briefschaften mitgetheilt worden.*—Darum mußte eS in der Thar eine besondere Bewändtniß haben, daß die Vorladung vor das kaiserliche Gericht nebst den Folgen, wenn der Graf sich -nicht unterwerfen würde, mit außerordentlicher Schnelligkeit durch die ganzen thüringischen Lande bekannt geworden war. Für uns ist die« kein Gegenstand der Verwunderung. Wir wissen, daß David Veit alsbald vielen hcrumreifenden Juden die Tharfache mitgetheilt, und sie besonders aufgefordert batte, diese Kunde überallhin zu verbreiten. Ec hätte die letztere Vorsicht kaum anzuwenden gebraucht, denn die Neuigkeiten war^n eich« Waare, um decerwillen die Juden überall nicht minder gern gesehen wurden, als um anderer größeren und kleineren Bedürfnisse und Kostbarkeire« willen, und fo sehr man diese Menschenrasse verachtete, so wurden sie dennoch bei ihrer Ankunft in den Burghöfen schnell in die Closets des Ritters und der Edelfrau gerufen, wo' dann die Neuigkeiten des Tages, die freilich solche oft nach Jahr und Tag noch waren, ausgekramr wurden. Besonders trug aber David Sorge, daß die Nachricht von des Grafen Anklage und zwar im größten Maßstabe an Heinrich von Franken, dessen Eltern und Sippschaft gelangte. Als der Graf nach Altenburg zurückkehrte, fand er daher den Erwählten seiner Tochter bei dieser. Aber es war nicht die Heiterkeit der Jugend und das Glück der Liebe bei dem Bravrpaar. Vielmehr erschien die Stirn des jungen RittcrS von schweren Wolken umdüstert, und in den Augen der Jungfrau glänzten die Reste einiger zerdrückten Thrakien.^ „Holla, ihr jungen Leute!" rief daher der Graf aus, als er, nachdem er es sich bequem gemacht, in die Halle getreten, wo das Brautpaar in einem Erker, aber getrennt durch einen Tisch saßen, und er die Verstimmung Beider rasch bemerkt hatte, „was ist euch? Habt ihr euch gezankt? Das kommt unter Liebesleuken wohl vor,. und der Sonnenschein nach kurzem Sommerrcgcn geht desto strahlender auf. Aber komm her, mein Täubchen, klage sollst Du mir nichts, aber einen herzigen Kuß Dem« ermüdeten Vater geben, dem unartigen BrArliqam zum Trotz." Clotildc, die, wahrscheinlich in ihren Gram versunken, von der Ankunf(^ihres Vaters nichts bemerkt hatte, war bei dem Erscheinen desselben aufgesprungen und warf sich mit einem Aufschrei freudiger Ueberraschung in seine Arme. „Es ist nicht so, theurer Vater", sagte sie endlich, „vielmehr hat Heinrich einen Kummer in stimm Herzen und will ihn mir nicht anverttauen. Ec wartet schmerzlich seit längerer Zeit auf Dich, und daß er dadurch zu weilen de! mir gezwungen war, hat ihn nicht im Mindesten erfreut." Des Grafen Blick schweifte auf des jungen Mannes Gesicht hinüber, und mochte ihm wohl eine Ahnung dessen geben, was den Ritter so bekümmert macht« und wa« er mir ihm zu verhandeln habe. „Nun", sprach er nach einer Pause zu seiner Tochter, „junge Mädchen müssen nicht Alles wissen, was zwischen Männern vergeht. Beruhige Dich und verlaß unS jetzt, ich werde mich mit Heinrich besprechen, und hoffe, daß die Schalten auf seiner Stim bald verflogen fein werden. Unlerdeß sorge für einen Abendimbiß." — Seine Hand streichelte den schönen Kopf des Mädchens, er küßte sie auf die Stirn und winkte ihr dann, das Zimmer zu verlassen. Als dies geschehen, wandte er sich an Heinrich von Franken und sprach: „Wohlan, Heinrich, was habt Ihr?" Der junge Mann seufzte und rang eine kurze Zeit nach Fassung. Dann trat er zu dem Grafen heran und sprach mit bewegter Stimme: „Ihr habt mich zu so hohem Glücke berufen, mich so in Eure nächste Nahe gestellt, daß eS Euch nicht verwundern wird, wenn ich Alles, was Euch betrifft, im tiefsten Herzen .empfinde und alle meine Gedanken davon erfüllt sind." „Nun ja, so saget doch heraus, was da drinnen ist. Wir sind Männer uttd ich bin bereit zu hören." „Es ist uns, wir wissen nicht wie, ich spreche von mir und meinem Vater, eine Abschrift der Anklage zugekommen, mit welcher Ihr vor dem Kaiser nach'Würzburg geladen worden, aber sie kam uns zu, als die Euch gestellte Frist schon verstrichen war) und Ihr haltet Euch nicht dem Kaisis gestellt. — " „DaS wollt' ich und werde ich nicht thun. —" „Dies ist daS Unglück. Mein Vater, der traurige Folgen von diesem Eurem Entschlüsse vorauSsah, machte sich sofort auf den Weg nach Würzburg, um wo möglich günstige Stimmung und Bedingungen für Euch zu erlangen und unsre Freunde und Standesgenossen für Euch zu gewinnen. Deyn da, was Ihr gethan, von den meisten Anderen auch geschehen, nur nicht so eelatant und nicht in so großem Umfange, so hätten vom strengen Regiment gar Diele zu fürchten. —" „Wozu aber das, Freund? Was scher' ich mich um den Kaiser und feine Redensarten, die doch nur leerer Schwall sind! Seit wann sollen wir uns denn vor ^em Gebote des Kaisers beugen und vor seinem Machtwort herausgeben, was unser gutes Eigenlhum geworden? . . . Wir sind hier im römischen Reiche, wo ein Reichsgraf wie ich, wenn er cs mit keinem Reichsfeinde hält, frei unL.-ßckkstständig ist. So war es, und so - soll es blei-!" Und der Graf stampfte mit dem Fuße, als ob alle Anklagen und Urtheile deS kaiserlichen Gerichtes zertreten wollte. „Ihr möchtet Euch diesmal dennoch irren", versetzte der Ritter. „Mein Vater fand den Kaiser in großem Zorne wider Euch. Man hatte ihm — wer dies gethan, konnte nicht ermittelt werden, denn in der Thar eine heimliche Hand scheint sich in Alles zu mischen, waS Euch jetzt betrifft, und zwar eine feindliche und starke Hand — man hatte ihm mitgetheilt, baß Ihr nicht allein seiner Aufforderung nicht genügen wollet, sondern eine größere Schar Söldner zusammenziehet, Eure Burgen befestigt, und Euch also ihm zum Trotze, zur. Abwehr rüstet." „Ja, daS thue ich — das braucht man nicht erst durch Kundschafter zu ergattern, man kann eS am lichten Tage sehen. Ich hoffe ja auch Freunde und Mitkämpfer