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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 46 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
46 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur' Jüdisches Volksblatt Nelehrung und Änlerhatlung auf jüdischem ^eüiele. Herausgegeben von - Rabbiner vr. Ludwig Phttippso» in Magdeburg. M. 46. 1861.] Wes fcidrt 3riii4rift «tofist »&*<utli4 dnt «ammcr. Prcit de« 3«&r* ro iw * h j n gang» 1 Thlr. kSirmljdferifl 7 Rgr. Alle ivochdandlnngc», Poftamrcr IO. -chtll17Ü. 4» E'U2l»2l.l und Zeilung«ekv«di»onk» »rh«rn LcftrLungea a». >- a *• -> Die Nekomoh. Erste Erzählung. (,7orkst<ung au« No. «0. 4L. 4t. 42- V. Kaum hatte der Graf von Altenburg einen festen Entschluß gefaßt, eine bestimmte Wahl getroffen, welchen Weg er einschlagen wolle, als auch die ganze Energie seine- Charakters erwachte, und er keine Mühewaltung, keine Opfer persönlicher Anstrengung scheute, um seine Pläne auszuführen und einen günstigen Erfolg sich zu sichern. Zunächst wandte er alle Aufmerksamkeit seiner Stamme-» veste zu und vermehrte und verstärkte ihre schon so mächtigen Bollwerke, besserte au-, wo irgend eine Schadhaftigkeit sich auffiaden ließ, vertiefte die Gräben und vermehrte die . Pallifaden. Al-dann eilte er von Burg zu Burg in sein« durch List und Gewalt so weit ausgedehnten Herrschaft. Sein Scharfblick unterschied leicht, wasich vertheidigea ließ, und wessen Vertheibigung nur eine unnütze Läst sein würde. AuS den Plätzen der letzteren Art zog er heimlich in der Stille einer dunklen Nacht die Besatzung und ließ nur zum Schein einige Invaliden dorr. Damit verstärkte er seine Scharen an den Orten, die er zu vertheidigen beschlossen Hane. Er entwarf einen Plan, um alle diese Burgen miteinander in Verbindung zu fetzen, sodaß die Einen-den Andern Hülfe leisten könnten, und diejenigen, welche noch nicht eingeschlossen wären, den Feinden durch Urberfalle, Abschneiden der Lebensmittel u. dergl. den möglichsten Schaden zufügten. Biele Wochen hindurch beschäftigten ihn diese Sorgen und Arbeiten. Hierbei unterließ er auch nicht, die Bewohner der Landstriche, die er von vornherein aufgab, aufäußerste aus» zupressen, wahrend er den Unterthanen in den zu vertheidizenden Besitzungen einige Wohlthaten gewährte und sich leutselig gegen sie ausließ, um sie günstig zu stimmen. Für da-, was er so gewann, häufte er in'den Burgen Waffen und Leben-mittel in ungeheuren Rassen auf, wozu er auch die ansehnliche Summe verwendete, die ihm vom Darleha de- Juden übrig geblieben. Als ep alles dies vollbracht und er dadurch mit murr Hoffnung sein stolzes Herz gefüllt hatte, kehrte er nach der Asteadurg zurück. WaS fand er da? Der Graf hatte feine Gemahlin vor Jahren verloren, nachdem sie ihm eia Töchterche» und einen Knaben geschenkt. Er war sehr jung, als er sie geheirathet, die schöne Else von Witten, die ihm außer ihre» Reizen und ihrer Liede ein sehr bedeutendes Brautgut mirgebracht.' Der Graf jagte einst, von seiner Frau, die eine kühn^ Reiterin gewesen, und einer kleinen Anzahl Gewaffnerer begleitet, als ein Ritter, den er schmählich auS feine« vä» - trrlichen Erbe geworfen, aus dem Dickicht hervordrach und ihn mit einer überlegenen Schar überfiel. Ader der >Graf war ein tapferer und entschlossener Mann. Schnell Ihatte er die Seinigen zusammengerafft, ln eine vorthesthaft« Stellung gebracht, wo sie," ein kleines, aber ehernes Viereck bildend, sich leicht und lange vertheidigen konnten, und dabei lieer mitten im Kampfe sein Hifthorn so gellend erschallen, daß Hülfe bald erscheinen mußt,. Der Feind ließ bald ad; aber als Preis des Sieges lag die sterbend« Gattin in den Armen de-.verzweifelnden Grafcp, usib ihr junge» Blut röthere unaufhaltsam den Rasen des Wülde». Ein Speer hatte sie getroffen, und nur als Leich« kehr» sie in die stolze Burg ihres Gatten* zurück. . . Wir haben gesehen, daß dieser nie ganz verschmerzt» Verlust 'da» Herz des Grafen nicht erweicht, sondern noch mehr verhärtet hatte. Seine Tochter Clotilde war sitzt siebzehn Jahrt alt. Sie war zu einer zatten^sthlanken. Gestalt herangiwach^ sen, mit einem, wenn auch nicht schönen, aber doch milden, und anmuthigen Angesicht. In ihren lichtblaue» Augen wohnten Glaube und Lieb«, und ihren Bate^, von dessen bösen Tharen sie keine Ahnung hatte, verebte sie nächst Gott mit unbegrenzter Liede. So jung sie war, hatten sich doch schon viele Bewerber um die Hand der einzigen Tochter des reichen und mächtigen Grafen einge» fundea, unter welchen sie bald dem jungen Ritter von Franken den Vorzugs gewährte. Da» Band der innigste» Zuneigung umschlang die beiden jugendüchen Herze», und bevor di« letzten Ereignisse eingetreten, hatte man bereits di« Verehelichung in nahe Aussicht genommen. Der^fitnf» zehnjährige Sohn de-Grafen wellt« aber gegenwärtigmcht im Schlosse des Vaters, er war von schwacher Gesundheit, und ein erfahrener -Arzt hatte dem Grafen das Schlimmste für den Knaben vorausgesagt, wenn dieser nicht den rauheck Winden mtzogen würde, die so oft um das hochgelegene Schloß stürmten. Deshalb, und um dem Jünaling ein« feinere Bildung zu verschaffen, als er selbst »hatten, hatte der Graf schon vor drei Jahren seinm Sohn an den Hof eines fürstlichen Bischofs gegeben, der weitläufig mit ihm verwandt war. Die Nachricht«» lau, teten gut, der Knabe erstarkte an Geist und Körper, und jetzt, wo «r von so große» Kämpfen hedrohr war^ gefiel

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