Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 45 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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179 lachte über seinen Witz und schzoang sich wieder auf sein Roß. Aber noch ein schnöderes Lächeln spielte aus dem Gesichte Davids, als er dem Grafen folgte. Bald schlug er einen Fußpfad ein, während der Graf den Reitweg verfolgte und fein Pferd zu größerer Eile spornte. — Als sie im Schlöffe anlangten, fand sich Alle-, wie David es berichtet hatte, in Wirklichkeit. Ja, die Landsknechte und die augräflichen Unterthanen gebildete Schaar standen sich bereits mit gezogenen Schwertern gegenüber, jeden Augenblick bereit, auf einander lo-zustürzen. Der Graf trat zwischen sie, gebot ihnen, die Waffen einzustecken und beschwichtigte die Söldlinge mit dem Versprechen, binnen vier und zwanzig Stunden den Sold ihnen auszuzahlen. Da sie den Juden hinter ihrem Gebieter sahen, glaubten sie ihm und begaben sich.nach ihren Zellen. David begleitete den Grafen nach seinem Gemach. Es war dasselbe, wo sein Vater zehn Jahre früher von dem grausamen Manne zum qualvollsten Tode deilimmt ward, von dem Manne, der ihn jetzt als seinen Helfer ansah. Doch hatte er keine Zeit, sich dem Sturme seiner Gefühle zu überlassen. Der Graf war sehr niedergebeugt, und kämpfte mit dem Entschlüsse, die Landsknechte zu entlassen, David wies ihm durch das Fenster alle die Burgthürme, welche man von da, in herrlicher Fernsicht auf den Höhen und Bergen zerstreut, erblickte. Er machte ihn darauf aufmerksam, daß er viel zu wenig sparsam mit dem „Menschenfleisch" auf seinen Besitzungen umgegangen, um jetzt von ihnen mehr als Knaben und Greise zu Kriegern nehmen zu können, und daß bei der Kunde, die Fähnlein Söldner, die oec Graf in jede dieser Burgen gelegt, seien abgezogen, die früheren Besitzer alSdald über die Vesten herfallen und sie wiedernehmen würden. Zuletzt ließ er dem Grafen von dessen Schloßpfaffen die kaiserliche Vorladung vorlesen, welche in so harten und verletzenden Ausdrücken abgefaßt war, daß der Angeklagte sich schon verurtheilt und auf's tiefste erniedrigt sehen konnte. Diewirkte; der alte Trotz, und die Zuversicht auf das bis jetzt ihm immer treue Glück erwachten in ihm von neuem, er sprang auf, schritt im Gemache in stolzer Haltung auf und nieder', blieb endlich vor David stehen, und sprach: „Wohlan, zum Geschäft!" Hier galt es noch einen Kampf. Der Graf wollte auf die Verpfändung des Dorfes Altenstein nicht eingehen. Ec bot David irgend einen fernen Forst, irgend ein entlegenes Dorf, dann eine Burg mit Zudchör an; ja, er demülhigte sich dis zum Bitten — David sah mit Befriedigung den Henker seines Vaters so vor ihm sich erniedrigen — aber er blieb unbeweglich, bis der Graf mit einem furchtbaren Fluche seine Einwilligung aussprach. „Und wie soll nun verfahren werden?" frug er mit schneidendem Tone. David verneigte sich und zog aus der Brusttasche ein schon fertige- Dokument, welches der Graf nur mir seinem Wappen zu untersiegeln brauche. „Wie?" rief der Graf au-, „bist Du ein Dämon? Mein böser Geist? Wie konntest Du wissen, daß ich darauf eingehen werde?" „Ich kannte die Verhältnisse und Umstände," lautete die Antwort, „und konnte so leicht ermessen, daß es so kommen würde. Habt Ihr Euer Wappen darunter gedrückt, so entferne ich mich mit Eurer Erlaubniß, und morgen um diese Zeit diu ich mit hem Geld« hier “ Am andem Tage zur selbigen Stunde war David wieder in Altenstein, und zahlte daH Geld aus. Aber zur selbigen Zeit zog ein Fähnlein Fußtruppen in den Farben de- Freiherrn von Leisten ih das Dorf, ein, und besetzte es. Lustig klangen die Fanfaren zum Schlosse hinauf, wo sie aber um so düsterere Gefühle in dem Herzen de- Grafen erweckten. David erließ sofort den ganz verarmten Bewohnern de- Dorfejede Abgabe auf drei Jahre, aldie Dauer der Pfändung-zut, dafür mußten sie den kleinen Friedhof von Unkraut reinigen, die Grabhügel, fo weit eS möglich war, wiederhersiellen, und eine Mauer darum aufführen, ebenso da» kleine Bethaurrpariren. Bald zogen auch einige Namensgenossen Daviddiesem, nach in bas Dorf, und wieder ertönten die Psalmen zum Preise des einigen Gottes in der, auS der Verwüstung wiedererstandenen Betstude. — (Acrlseyuag folgt.) _ Ein Genrebild aus dcui vorigen Jahrhundert. Voltaire, der damals von ganz Europa bewunderte Schriftsteller, welchen Friedrich, der Große nach Berlin berufen, zum Kammerherrn erhoben und mit Orden und Geschenken überhäuft hatte, scheute aus Habgier selbst Betrug und Fälschung nicht. Folgendes wird aetenmäßig vom neuesten Biographen des großen Lessing, Stahr, erzählt. König Friedrich der Zweite hatte in dem Friedensschlüsse von Dre-ven, welcher den zweiten schlesischen Krieg beendigre, durch einen besondecn Artikel für die Interessen derjenigen seiner Unterthanen zu sorgen gesucht,, welche sächsisches Papiergeld, sogenannte Steuerscheine, im Besitzhaben möchten. Jener Artikel.bestimmte nämlich, daß solch« Scheine von Sachsen zum voll^ Nennwerthe eingelöst werden sollten. Da nun in Sachsen selbst der Cours dieser' Papiere beträchtlich gesunken war, so konnte enicht fehlen, daß sich die Spekulation ^dieser Sache bemächtigte, und Friedrich der Große sah sich genöthigt, drei Jahre später ein ausdrückliches Verdot^gegen die Annahme von Sleue.rscheinen in Preußen zu erlassen. Aber der groß« König sollte durch seinen eigenen Freund und Liebling die Erfahrung machen, daß sich dergleichen Dinge des GeldvrrkehrS nicht auf dem Wege voo Regierungsmaßregeln ordnen lassen. Der Dichter der Henriade war nämlich kaum nach Berlin gekommen, als sein spekulativer Geist auch schon den großen Dorcheil herausfand, welchen er, unterstützt durch seine Stellung als persönlicher Freund und Günstling de» König-, aus einem Geldgeschäfte mit solchem sächsischen Papiergelde ziehen kpnnte, daman nur ln Sachs»» auffukaufen und heimlich nach Preußen einzuführrn brauchte, um es schließlich durch Wiederverkauf an die sächsischen Behörde« mit einem Gewinne von einigen dreißig Prozent zu verwerthen. Voltaire war habsüchtig. Von Jugend auf war fein Bestrebm, wie Göthe sich in seiner milden Weise ausdrückt, auf Erwerb im Großen, auf nahes Der» hältniß zu den Herren'der Erde und auf Bmutzung desselben zu seinen Zwecken gestellt gewesen, weil er selbst zu den Herren der Erde gehören wollte. Allein, wenn er auch das Geld .nur al» Mittel zur Freiheit liebte, — „ nicht leicht," sagt Göthe, „hat Jemand sich so abhängig gemacht, um unabhängig zu sein". — fr darf doch auch nicht