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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 45 (1861) · p. Seite 180

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
45 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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— 180 — verschwiegen werden, daß er zur Erlangung des Mittels, das ihm sein fücsiengleiches späteres Leben in Fcrney schaffen sdllre, auch Wege zu gehen sich nicht fcheure, die seinen Ruhm und seinen Charakter befleckten. Was er in Berlin chat. mar solcher Art. Er trat mit "tinem jüdischen Bankier Adchham Hirsch in Verbindung und bewog denselben, nach Dresden zu reisen, um daselbst auf seine Rechnung für eine große »Lumme sächsische Steuerfcheinr anzukaufen. Er wußte dem Hebräer, dem vor Entdeckung und Strafe change-avac, die Sache so vorzustellen, als ob er der stillschweigenden Einwilligung seines Gönners/ des Königs, sicher sei, was chm um so leichter wurde, als er damals in der Thal sich in Berlin einen großen Einfluß anmaßre und als erklärter Günstling des Königs Prinzen und Gesandte auswärtiger Machte in eigenen Audienzen empfing und. mir oemülyigendem Stolze behandelte. Abraham Hirsch verstand sich also endlich dazu, das Geschäft zu übernehmen. Er-empfing von Valraire theils in Wechseln auf Paris, rheUs in baacem Gelde di« zum Ankäufe der sächsischen Papiere nvthigrn beträchtlichen Summen, für die er seinerseits wieder, dun Dichter der Henriade ducch-Hinrerlegung werthvoller Diamanten Sicherheit leistete. Kaum aber war ec nach Dresden -abgcreist, als sein Glaubensgenosse 'und Geschätzsrival, der bekannte spätere Münzpächter Ephraim) sich bei Voltaire melden ließ, ihm dem Abraham Hirsch zu verdächtigen und' sich selbst als einen vortheilhäfteren Vermittler für jenes Geschäft darzustellen wußte, indem er sich erbot, ihm Steuerscheine zum doppelten Betrage der Summe aus Sachsen zu verschaffen, wofür er nichts verlangte als den Schutz und die Gunst des einflußreichen Günstlings. Voltaire war unvorsichtig genug, dies Anerbieten anzunehmen. Er schrieb nach Paris und' ließ dort seine eigenen Wechsel, auf die er den Hirsch angewiesen, proteilircn, ohne demselben auch nur davon Nachricht zu geben. Dieser, der dadurch in mannigfache Verlegenheit gerieth, kam unverrichteter Sache nach Berlin zurück und machte Herrn von Voltaire in aller UnrerthaNigkeir bittere Vorwürfe, verlangte Schadenersatz und drohte mit g.richklicker Klage. Indessen kam eS doch zu einer gütlichen Bereinigung, in Folge deren Voltaire versprach, seinen desavouirten Geschäftsfreund für die.gehabten Verluste durch einen Ankauf von Diaminen, die er zum Theil bereits in Händen hatte, zu entschädigen. Allein auch hierward Ephraim der döse Dämon Beider. Er. wußte Voltaire glauben zu machen, daß er von Hirsch mir den Diamanten übervortheilr sei', obschon Voltaire dieselben nach der Taxe des Hofjuweliers Reclam angenommen halle, während die Juweliere, durch welche Ephraim die Diamanten nachträglich abschätzen lief, Leute waren, welch, von diesem reichen Hebräer völlig abhingen. Voltaire verftlhr jetzt völlig gewaltthatig. Er ließ den Hirsch auf das Zimmer eines ihm befreundeten hohen Militairs kommen, mißhandelte ihn thätlich, behielt andere Pretiosen, die er sich von ihm ZUr Ansicht hatte dringen lassen, als Entschädigung wegen jener angeblichen Uebewocrheilung eigenmächtig zurück, und erwirkte gegen den armen Juden, al^ dieser mit einer Klage drohte, sogar durch seinen Einfluß einen Berhaftsbefehl, der den Vater des Verhafteten so erschreckte, daß ein Lchlagfluß dessen Tod hecbeifühcre; kur; Voltaire verfuhr in Berlin ganz nach der Manier, in welcher damals bei ihn, zu Hause üvermürhige Seigneurs mir Niedriggeborenen umzuspringen pflegten. Zugleich war er Taktiker genug, sich auch öffentlich den Voclheil des Angreifers zu sicherp. Er reichte eine Klage ein, in welcher er das ganze Sachvechättniß auf den Kopf stellte. Er lä'ugnere das ganze Geschäft, soweit es die Steuerscheine betraf, ab, und beging zu dem Ende sogar eine Fälschung an einer Handschrift. Ja, er erbot sich sogar, in einer Eingabe an das Gericht, zu beschwören, daß die Fälschung >keine solche sei! Das Gericht, welches von dem Gegentheile überzeugt war, ließ ihn zwar nicht zur Ableistung des Eioee zu unv bewahrte ihn dadurch vor dem körperlich vollzogenen 'Memrioe, ja, es vecurtheilke sogar den Gegner Voltaires um eines formalen Vergehen« wegen zu einer,kleinen Geldstrafe; allein damit war die Sache keineswegs zu Ende. Denn der so aufs Aeußerste gebrachte Jude trat jetzt mit der Behauptung vor: Herr von Voltaire habe stch sogar «ine betrügerische Austauschung der ihm übergebenen Juwelen zu Schulden kommen lassen, und erbot sich dafür den Beweis zu liefern. Dies Letztere ward ihm vom Gerichte dea'iUigl. Ader der Dichter der Henriade hielt es führ nützlich, diesen Beweis nicht abzuwarlen und beeilte sich, dem Juden einen Vergleich anzudietm, durch welchen der Letztere noch einen ansehnlichen Voclheil erhielt, während Voltarr. einen Verlust von tausend Thalem erlitt. Der Jude nahm den Vergleich an, da es ihm nicht um Rache, sondern um sein Geld zu rhun war. So kam Voltaire aus diesem sehr schmutzigen Handel noch mit einem blauen Auge davon. Ader die Achtung des großen Königs vor dem sittlichen Charakter des Mannes, den '« als den geistreichsten Schriftsteller seines Jahrhunderts bewunderte, -war für immer verscherzt. Voltaire hatte Anfangs auf die königliche Gunst getrotzt; aber er mußte nur zu bald erfahren, daß der große König in Sachen der Gerechtigkeit keinen Lpaß verstand. Sobald dieser von dem Handel Kennkniß erhielt, befahl er, denselben „mit unparteiischer Strenge zu untersuchen." Den verhafteten Juden ließ er sofort auf freien Fuß stellen. An Voltaire schrieb er: „Die Sache mit den sächsischen Steuerscheinen ist in Sachsen bekannt, und man har darüber große Klage bei mir geführt." Ec verhak sich sogar den Besuch des Dichters, der ihm nach Potsdam folgen wollte, mit den Worten: „Wenn Ihr Euch dem Ausbruche Eurer Leidenschaften überlaßt und mit aller Welt Streit anfangt, so werdet Ihr mir gar kein Vergnügen machen hierher zu kommen, und Ihr könnt ebenso zur in Berlin Zurückbleiben." Allgemeine Zeitung de- JudeulhumS. Po. 44, 1861. Leitende Artikel: Die Action im Judenthume. — Die Juden in Polen. — Zerstreute Bemerkungen. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover, aus Süd-Baden. Preußen: Schneidemühl. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien. Italien: Aus Oberitalien, aus Oberitalien. Zu beziehen durch jedes Postamt Und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vieneljährlich y* Thaler. Verantwortlicher Redakteur ft. CrcUiLcon Ba»m>äHner's vachdandlmig in Leipzig. — Druck Ml «. fttevfing in

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