Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 44 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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175 I So er aber einen Edelmann seines Eigenthums,- einen kaiserlichen Lehnsrräger seine- Lehnberaubte, fallt er der Vergeltung anheim. . . Also, Junker, seid Ihr bereit?" Der Junker dachte noch einige Augenblicke nach; und dann sprach er: „Wißt Ihr, der Abr deS Klosterist mir gewogen, auch entfernt mit mir verwandt und ein wohlweiser Herr ist er und hat großen Einfluß; ihm will ich Alles entdecken — er kann mir große Fürsprache leisten und besten Rath ertheilen." „Ich bin eS zufrieden," antwortete David Veit.' „Soll doch Eure Sache nicht im Geheimen, sondern vor den Augen aller Welt geführt werden. Geht, sprechet sofort mit ihm, ich will hier warten; denn ich muß alsbald eine weile Reise antceren, und will, zuvor mit Euch einig sein." Der Junker ging; noch einmal wandte er sich um und sprach zögernd zu David: „Ader was wird der Dorthril sein, den Ihr aus Eurem großen Opfer zu ziehen gedenket?" « „Nun," antwortete Veit mit seinem Lächeln, „Ihr könnt mir über die 200 Goldgulden einen Schuldschein ausstellen, zahlbar, wenn Ihr Eure Burg Kronenberg wieder bezogen habet und könnet, wenn Ihr wollt, noch eine genügende Summe als ZinS zuschreiben — so habe ich ja meinen Bortheil gewiß." Jetzt schritt der Junker zum Gemach hinaus, nach einer halben Stunde kehrte er zurück und holte den Juden zum Abte. Die Ilnterreduqg wahrte lange Zeit; als aber David das Kloster verließ, spielte ein Lächeln der Befriedigung um seinen Mund. Am anderen Tage öffnete sich die Pforte des Klosters abermals, und als ein stattlicher Reiter hoch zu Roß und gefolgt vom einen wohlgekleideten berittenen Diener eilte der Junker von Kronenberg von dannen. — (tfcrtfefcung folgt.) Schreiben eines gallizischen Juden an die Redaction des Figaro. (Die Redactiou glaubte diese Kundgebung einer ebrnsall« historischpolitischen Individualität ihren Geiern nicht vorenthalten zu sollen und übergirbt sie, mir deutschen Vettern und den nvthigen Anmerkungen versehen, der Oeffentlichkeit.) Figaroleben. Wenn Sie werden drücken diese Zeilen in Ihr Blakt, sollen Sie bringen den Chower oder gar die Merähne*) und Sie werden heißen Red-Figaro oder Merähne-merahf- Figaro und jeder fromme Jüv wird aufstehen vor Ihnen, wenn Sie gehen vorbei auf der Gass' und.werb' machen über Ihnen eine Braches.; Und wissen Sie, warum die Jüden von unserer ganzen Mebine*) wollen, daß soll gedruckt werden dieser Brief in die Zeitung? Weil mir, die Jüden in Galizien, sind nebbech*) geworden gekrankt. Mir leben doch so schon in GoleS^) und werden bedrückt mekaff Regel wead Rvsch^), da kümmt auch noch zu geh'n der Graf Leo Thun und rhut unS noch geben »inen Klapps auf den Kop. Es ist gewesen in dem Erore-Bajis7) eine Sitzung, da ist aufgestanden dieser Graf Thun und har gehalten eine Drösche ®) und hat gedaschentdaß wir Jüden in Galizien, weil der , ist eingeführt worden das Vergleichsverfahren, mit Fleiß thun einstellen uusere Zahlungen, um die Fadrekanren in Böhmen zu beschummeln. Hast e Gewußt! 10). Der Herr Graf Thun ist nebbech kein großer Baldiber"-, dafür aber ist er ein Tohleknop 1S), der über uns gebracht hat die große Gesere 1SJ, was man thut heißen bas Konkordat. Was will er noch haben von unS Jüden? — Sein mir geworden poter") den Grafen Thun, sein mir geworden poter den Grafen GoluchowSkp, werden mir poter werden noch e Paar Grafen, und siegeben unS Jüden noch immk keine Menuche16). Mir Jüden in Galizien-, mir thun «instellen unser» Zahlungen, wenn mir haben kein Geld. Warum haben mir kein Gejd? Weil größere Srores 16) mje mit auch kein's haben! Wenn nur hadm Geld, kaufen mir Waldsteinlose, Palffylose, Winbischgrazlose, wenn mir aber haben kein Geld und Schulden, können mir nischt machen Lose. Wer wird kaufen' Teweleslose? Wird Herr Graf Thun kaufen « LoS von Jekefl Parach? Ewade nischt! Was sollen mir anfangcn, wenn wir haben kein Geld und kriegen krin'S zu borgen? Das, Figaro mein Herz, thun Sie hineindrücken in die Zeitung zu unserem Satlsfagolt. Sie sein e Gider lö>, weil Sie thun reden was is wahr, und baß der Herr Graf Thun unser Freund nischt is, iS ewade wahr. Bleiben Sie gesund, laschone Gabo bejeruscholajim l9), . wenn mir werden laden und noch nicht sein kvnfiSrirt. - Jaikef Chuzpekop, handelt 'mit Eßrogim, Lulef's, Scheines u^s^w. Erklärungen. '* *) Titulaturen, die man durch Keautniffe erwerben muß. *) Segeo. *) Provinz *) Ausdruck de» Erbarmens. *) Sclaverei. ") Bon der Zehe bis zum Wirbel. *) Herrenhaus. •) Predigt, ') Gepredigt. ") Welche Kraft'. "-Redner. ") Ultramontaner. ") Veid.. ") Io?; poterwerden heißt ^kvswerden. ") Ruhe. ") Herrschaften. ") Gewiß nicht. ") Held. 19) An kommende» I3hre in Jerusalem. *•) Paradiesapfel, Palmzweige, Weideobüschchen, lauter religiöse Requisiteu zum Laubhütteosefte. Die Schöpfung des Menschen. (Aus der Parabole rc. des Prof. Guij. Leoh übers, von Rabb. Setigmanu.j Der göttliche Gedanke, den Menschen zu erschaffen, war bald von Chor zur Chor unter den himmlischen Scharen verbreitet. Um den unsterblichen Thron Gottes drangen sich sogleich Scharen von Engeln und Genien, mit entFegengesetzren Gedanken und Ausrufungen. „Dollführe, o großer Vater, den erhabenen Gedanken," rufen die Einen; „erschaffe der Erde ihren König." „Höre auf. großer Gott, höre auf, erschaffe'nicht weiter," rufen die Andern. Sogleich wird tiefes Schweige» in den himmj lischen Sphären. Zu den Füßen des unsterblichen Thrones ' A beugt der Engel deS Mitleids baS Knie, und redet also: M „Vollbringe, o Herr, den erhabenen Gedanke«; erschaffe^ J