Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 44 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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auf der Erde diese« dein neues Ebenbild. Ich werde die. sem neuen Geschöpfe die Gefühle deS himmlischen ErdarmenS emflößen; und e S wirb dein schönste« Edendilo in der Schöpfung sein " Bei diesen Worten seufzte der Engel de« Friedens, und sprach: „Ueder deine Schöpfung, o Herr, würde sich mein Geist auSgcbreiret, und in lieblicher Harmonie alle Dinge mir einander verbunden haben. £>! der Mensch, dieseneue Wesen, da« du erschaffen willst, wird überallhin die Verwirrung, die Zwietracht, den Krieg tragen." „Racher de« Unrecht« und der Vergehen," fiel alsdann der Engel der Gerechtigkeit ein, werde ich ihn meinen Gesetzen zuwenden, und der Friede „wirb wieder aufdluhen. Erschaffe, o Herr, erschaffe." „Vater de« Wahren," rief weinend die Wahrheit," du erschaffst auf der Erde den Vater der Lüge." Eine Wolke von Leid breitete sich bei diesem AuSrufe über die himmlischen Angesichter, und ein riefe« Schweigen begleitete e«. Au« der Mine der Tiefen de« unsterblichen Throne« erschallten alsdann folgende Worte: „Beruhige deinen Schmer;,, o meine Tochter, ich werde dich al« Gefährtin der Mensttzen auf die Erde senden." 'Und al« die himmlischen Scharen brachen in den Ausruf au«: „Herr, Herr, du beraubst den Himmel seine« schönsten Juwel«. Die Wahrheit, die« Sieget all deiner Gedgnkender schönste Schmuck deiner Krone!" Und au« den Tiefen de« unsterblichen Throne« versetzte die Stimme: „Vom Himmel zur Erde, und von der Erd« zum Himmel wird die Wahrheit in stetem Wechsel dahin fliegen, die Erde mir dem Himmel verdlNdeno." Und der Mensch wurde erschaffen. (Llidr. Rab. Gen. Fol. 10.). UllterhaltungS-Pillcu von Leuis Lehmann in Bad-Homburg. „Sagen Sie einmal, Sie Doctor Allwissend", fragte ein reicher Gönner einen armen aber geistreichen Gelehrten, „wie macht e« Gorr, wenn er im Hanoffrn theschuch (Fürstengeh,t) von den französischen Juden um Sieg für ■ den französischen Kaiser, und wenn er gleichzeitig andere^ , fm» von den österreichischen Juden um Sieg für ihren Kaiser gegen den ihn bedrängenden Franzosen angerufeu wird i" „Ihrer sehr schwierigen Frage, mein lieber Freund! und Gönner, „erwiderte der Andere," stelle ich «ine andere Frage, oder bester, eine schwierige Stelle im besagten Ge- ' det gegenüber, die un« der Lösung Ihre« Räthsel« näher ' bringen wird; warum nämlich find.n sich darin die Worte ' hanossen bajom drrech etc. (der im Meere einen Weg; bahnt ic.), wie kommt da« zum Anrufen, Erinnerung der göttlichen Hülfe bei fürstlichen Personen, z. B. nach dem . hier so passenden Satz hapozeh eß dowid afdoh mecheceb rooh? „Sehen Sie," führ der Sprecher fort, al« der Andre ihn anstatt zu unterbrechen zur weiteren Erklärung durch Winken aufforderte, „wenn zwei Juden gleichzeitig zu Schiff gehen, der eine in Amerika, der andre in Europa, der ein« will dahin, der andre dorthin, jeder bittet Gon um glückliche Reise, um günstigen Wind, der eine um Ost-, I der andre um Westwind, wa« macht da Götti Er läßt den Naturgesetzen ihren Laur, aber ermaßt auch, daß Beide „im Meer« einen Weg finden ünd bei sie umstürmenoen Wogen Jeder da« Trockene erreicht." — Anekdoten. Eine wahre Anekdote. Einem polnischen Juden wurde eine bedeutende Partie Waace, die er bei dem Kaufmann Wallach m R. kaufte, rapide vergriffen. Es mußten sofort andere naaioestellt werden. Leider konnte er weder auf dkn Namen de« Kaufmann« sich .besinnen, noch, besten Rechnungen und Quittungen, die au« der Verlegenheit retten sollten. vorfiaden. Soviel wußte er jedoch, daß der Name auf irgend eine Pfeedegarrung hinwie«, und dichtere die Adresse: An Herrn Hengst, Srute, Füllen oder Wallach in N.; die Straße, Nummer und da« GeschäflSfach waren dagegen richtig bezeichnet. Da« Schreiben wurde dem betreffenden Adressaten übergeben, doch zuvor ihm von der Postsehürbe die Frage gestellt: ob Absender, der auf der Rückseite de« Briefe« sich genannt harre, ihn wirklich gemeint haben mochte. Al« der polnische Jude wieder im WaUachschen Geschäftslocale erschien, fand er freundliche Aufnahme, zumal daselbst feiner Kundschaft häufig rühmlichst Erwähnung geschah; indem aber der Kaufmann da« schwache Namen«- gedächtniß seine« werthen Kunden zu rügen wagte, unterbrach ihn dieser und sagte: „Ich soll leben, mein lieber Herr, wie ich Ihren Namen nicht vergessen, vielmehr Mir bald gemerkt habe, daß Sie zu einem der großen fira-s gehören!" Ein polnischer Jude kam zu einem Kaufmann», der feiner zerrütteten Vermögensumstände wegen keineswege« im besten Renomm/e stand. Nachdem jener sich entfernt Hane, erinnerte sich dieser, dem Fortgebenden noch etwa« sagen zu müssen. Er rief ihn laut zurück; doch degad sich Letzterer ohne umzusehen de« Wege« weiter. E« wurde ein Lehrling nachgeschickt, der nun den polnischen Kunden zurückdrachre..— „Ihr seid wohl taub," fragte der Kaufmann verdrießlich. „Das bin ich nicht," antwortete der Zurückgebrachl«; „Euer Ruf taugt nur nichts." <? -t .Allgemeine Zeirung de» Judenrhum». No. -kJ. 1801. Leitende,Artikel: Die Reaktion im Judenthume. — Einige ^rskreute Bemerkungen. — Die israelitische Bibel-Anstalt. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Vom Neckar, au« der Provinz Hanau. Preußen:. Königsberg in Pr., Berlin» Berlin.au« dem 'vosenfchen. Oesterreichischer Kais« rstaat: Krakau. Wien« Prag. Frankreich: Pari», Pari«, Orau. Die Schw-ei;: Graubünden. Rußland: Mitau, Warschau, Peter», bürg. Dona n fürftenthü m er: Brüssel. f~y Zu befiedert durch jede» Postamt uuv jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thater» vierteljährlich % Dbaler. Verantwortlicher Redakteur St. Nabe. ScrU* >n * viichtznndlNng i» — Dr»«t »oa <9. ftztgiia* in Vctfen;. .