Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 43 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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171 eine Bahre in ihrer Mitte, worauf etwa- Schwarzes liegt . . . Allmächtiger Gon! Was ist da-- Sie bleiben vor unferm Haufe stehen, sie tragen'- in'S Haus . . Die Scene, die hierauf folgte, kann das Wort nicht beschreiben. Der starte, hochgewachfene Mann war zu einer unförmlichen, zerbrochenen, aus vielen, schlecht verbundenen Wunden blutenden Masse geworden, die Blässe des Todes bedeckte fein Gesicht. Vier Männer trugen die Bahre in das Zimmer, setzten sie nieder und entfernten sich schweigend. DaS Weib schrie entsetzlich auf, fiel dann über die Bahre nieder,.von den Flügeln der Ohnmacht umschattet. Der Knabe, noch bleicher als sonst, stand ohne Laut erstarrt da, bis den Lippen seines Vaters sich das Wort: „Wasser!" entwand. Da sprang der Knabe auf, schnell holte er Wasser herbei, flößte es dem Vater ein, sprengte davon auf daS Gesicht der Mutter, bis diese endlich erwachte. Später hohen di« Beiden vorsichtig den Vater von der Bckhre auf daS Bett, und der Knabe stürzte die Bahre zur Thür hinaus, um sie aus ihren Augen zu entfernen. Uinerdeß erscholl im Dorfe immer lauteres Jammergeheul. Die Landsknechte des Grafen hatten die von den Juden bewohnten Hauser umstellt, waren dann in dieselben emgedrungen. plünderten sie auS, schlugen die Männer und Frauen, daß sie ihre verborgenWMchatze offenbaren sollten. und zerstörten endlich daS kleineBethaus der wehrlosen Juden. Nach einigen Stunden war dievorüber, die Söldner zogen mit ihrem Raube ab, ohne daß der Zweck des Grafen erfüllt war. Gegen Mittag versammelten sich die Juden im Hause ihres Vorstehers Abraham Beit, der: im Verscheiden lag : Noch einmal flammte der starke Geist deS Mannes auf, und er sprach: „Freunde! hört mein letztes Wort. Hier bleiben könnt Jhis nicht, doch seid vorsichtig, denn der FuchS umlauert Euch. In der heiligen Schul', der dritte Stein rechtvon der heiligen Lade läßt sich austeben, und unter ihm ist eine Höhlung in der Mauer, da Hab' ich einen Roth- Pfennig für Euch aus Euren freiwilligen Gaden gesammelt. Ihr werdet finden 2b Goldgulden, 3 Silderstücke und 5 Heller. Wenn eö Abend wird, schleiche sich Einer hinein und hole da- Geld heraus. Um Mitternacht,, wenn der Mond unter ist, gehe Jeder mir dem, was er bebglten har, leise zur Hinterthür seine- Hauses heraus. Unter der großen Eiche auf dem Schimmelderge sammelt "Euch und ziehet sofort über die Grenze dieses Efars; zerstreuet Euch in die Nachdargemeinben, kündigt überall hin, was hier geschehen, laßt Boten mit Briefen nach allen Städten gehen, wo Jehudim wohnen. Man wird sich dann Eurer annehmen, Dem aber jedes Darlehen verweigeur, der dieseschreckliche Berhängniß über uns gebracht. In wenigen Augenblicken werde ich verscheiden; begrabt mich vor Sonnenuntergang; nehmt Euch meine- Weibe« und meines Knaben an" Meine Seel« wird vor dem Stuhle Gotte« sich Eurer annehmen, und Euch Gnade erflehen. Thut dies . . . Ich sterbe . . ." Da sprang der Knabe, der am Lager seines Bakerauf den Knieen gelegen, auf und schrie: „Ich aber lebe, um.Akomoh, Nekomoh über diesen Grafen zu bringen un^Hinn ganzes Geschlecht, ich..." vSein Vater öffnet« noch einmal die Augen und flüsterte leise, aber doch hörbür: ^,Schwör' nicht, David: Die-Nekomoh lebt von selbst und stirbt... nie . ." Die Leute erhoben daS' Lcbems Jisroeil, und Abraham Beit war verschieden. .— Um Mitternacht, als der Mond untergegange«, schlichen auS einigen Häusern des Dorfes, daS von d!rm Schatten der Nacht bedeckt war, dunkele Gestalten, Männer, Frauen und Kinder. Alle mit größeren oder kleineren Bündeln versehen. Von jenseits des Dorfe-, wo ein klein^umzäunte.r Friedhof lag^ brachten mehrere Frauen und Männer ein blasse«, stummes Weid und einen -blassen, stummen Knaben. Alle schlichen dem Walde zu, und hielten sich nicht einmal auf, um . die Verwünschungen anszusj)rechen über dahochragende Schloß and seine Bewohner, Verwünschungen, die riefin ihrem Herzen wohnten. Sie thaten Alles, wie es der sterbende Vorsteher angeordnet. Als nach einiger Zeit der Graf von Altenbürg in Fürth und anderen Gemeinden um ein Darlehn von 100E Goldgulden nachsuchte, wurde ec überall mit Hohn zurÜckgewiefen; selbst als er ein reiche- Unterpfand und die höchsten Zinsen bot, sagte man ihm, er sollte das Gold in seiner Folterkammer und in der zerstörten Berstube der Juden suchen. (.>orisetzu»g folge.) Anekdoten. Ein Rabbiner, der in einer andern Gemeinde ange- > stellt war, kam zuweilen nach feinem Geburtsorte. So oft ec auf Besuch nach HauS kam, kam auch der Pa cnas seiner Heimathgemeinde zu ehm, begrüßte ihn und sagte > zu dem Rabbinen: Im Namen der Kehila bin ich dem Rebbe eine Deroscho mechabed feinen Dorrrag verehren); nie aber konnte sich Parnas und Kahal entschließen, dem Rabbiner für vir viel belobten Vorträge die geringste Erkenntlichkeit als Deroscho-Geschenk zu verehren. Als nun der Rabbiner wieder einmal in jene Heimathgemeinde j kain, und der Parnas wieder erschienen war mir dem stereotypen Ausdruck: Kahal ist dem Redde durch mich j eine Deroscho mechabed. erwiederte der-Rabbiner: Nein Herr Vorsteher, diesmal will ich der Gemeinde eine Deroscho mechabed fein, Kahal soll mir diesmal etwaanderes mechabed fein! Diewirkte, am Sonntag, nach adgehalkener allbelobker Predigt, erschienen Parnas und Depurirt« beim Rabbinen und. verehrten ihm den schon langst erwarteten Ehren-Pokal. Auch hier bewährte sich also da- Salomonische: „Ein rechte- Wort zu rechter Zerr gesprochen,, wie gut! w. Rabbi Schamschoa Wien, ein bekannter, sehr reicher Mann in Wien hatte einen Hauslehrer Namen« David, der ein guter Talrnudist war, und später eine Radbinatsstelle auf Empfehlung de- Rabbi Schamschon, bekam, doch konnte dieser es nicht über sich gewinnen, seinem ehemaligen Hauslehrer, obgleich er nun ein angesehener Rabbiner war, den Titel Rabbi zu geben, er nannte ihn limnerforr David und nicht Rabbi David. Daverdroß diesen sehr, ohne etwas davon merken zu lassen. Al« nun Rrbbi Schamschoo Wien einst ein« Reife machen mußte, entschloß er sich unterwegs Über Sabbath in dem Orte zu verweilen,