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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 43 (1861) · p. Seite 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
43 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 wo sein ehemaliger Hauslehrer Rabbiner David Rabbi war. Am Sabbath Vormittag nach dem Gottesdienst machte er nun diesem, der gerade den Tractar „Sabbath" vor sich liegen hatte, einen Besuch. Nach dem üblichen Austausch über Wohlbefinden und'so weiter, fragte der Besucher den Rabbinen, was er gerade lerne. Da zeigte er ihn die aufgeschlagene Mischna ^ysoo otj anton Da fragte er: Warum hat Radbi Zehuda, der Redacteuc der Mifchnajoth nicht das Wort 'iDvir gewählt zu seinem Beispiel, waS eben so dienlich gewesen wäre für, diese Stellet Darauf erwiederte kurz besonnen der Rabbiner David: „ Weil Schamschon nicht Redde sagen kann, sagt Redde auch nicht Schamschon) Von nun an hatte sich der ehemalige Hauslehrer nicht mebr über Vorenthaltung des ihm gebührenden Titels „3?abbi" zu beklagen. vo. Ein Anhänger von ’rsr trieb seine Verstettungskunst so weit, daß er in der Synagoge die Gebete auffallend lang und vertieft verrichtete. Als Jemand sich wunderte, ihn länger mc* n:i»r stehen und viel später als den frommen Rabbi aus dem Tempel gehen zu sehen, sagte der witzige Rabbi: „Das ist kein Wunder, mein Freund! waS so gut gefärbt ist, gehr nicht so geschwind aus." Unterhaltungs-Pillen von Louis Lehmanu iu Bad-Homburg. Rabbi Jonathan wurde als Knabe einmal von feinem Vater ausgezankt, daß er so viele Schuhe zerreiße. „Du hast sie doch bekommen^ sagte der Vater, „als ich die meinigen neu anzog und die sind noch ganz, während die deinigen schon ruinirt sind."— „Das kommt daher," erwiederte der verständige Knabe, „weil ich soviel kleiner bin als Du, denn während Du einen Schritt machst, muß ich deren drei machen".— Das Tagesgespräch der großen jüdischen Gemeinde zu F. bildetedie kürzlich vollzogene Verlobung zweier reichen jungen Leute. Ein alter Schadchen, der im Stillen dieselben jungen Leute für einander bestimmt hatte, sich aber überflügelt sah bei den Schritten, die ec thun wollte, fragte neugierig: „Wer war denn da Schadchens" „Amor" war die kurze und auf wiederholte Anfrage allseitig ertönende Antwort. „Ach!" seufzte der Andre, „ich had's schon lang gesagt, wo nur ein Gascht zu finden ist, sucht er hier sein Brot." — Auf Purim wollte eine brave, aber sehr schmutzig aussehende Dkenstmazd sich und ihrer Herrschaft eine Freude machen und maskirt in deren Gesellschaftsstube eintteten. Sie berketh sich daher einige Zeit vorher mit einem Freunde des Hauses, welche Verkleidung sie wählen solle i „Du hast wahrlich gar nicht nörhig. Dich zu maSkiren," erwiedecte der Hausfreund, „wasch Dein Gesicht nur einmal recht sauber und ich schwöre Dir, baß sie Dich alle nicht kennen werden." — In Ungarn, wo man seit Anfang dieses Jahres so! gern auf die Periode von 1848 sich beruft, sollte ein Jude ( auf Grund besten, weil er sich Adler nannte, SO Prügel. > bekommen. „Mai" rief er aus „ihr machl'S wie im Jahr 48 und hasset die Adler,') — nun nehmet bei mir auch 48 als Ausgangspunkt, so bekdmme ich nur noch 2 Prügel." Amerika ist sehr tolerant, sagte Jemand in einer Gesellschaft, denn es macht einen Judd zum Gesandten. Nun, sagte ein Andrer, 'mein HeimathSland Baden zeigt sich ebenso schon, denn es emennt einen Mo hlzum Bundestagsgesandten. Ein das Theater oft besuchender junger Mann wurde einmal von einer neben ihm sitzenden, sehr geschwätzigen Dame sehr geplagt mit faden Bemerkungen, das Schauspiel betreffend. Aergerlich sagte der in seinem Genüsse Gestörte zu ihr: „Sprechen Sie doch nicht so viel, denn mein Nebenmann hier hört ja jedes Ihrer tadelnden Worte gegen die ihm befreundeten Schauspieler." „Das ist ja gar nicht möglich," meinte die Dame, „ich spreche ja ganz leise." „Das macht Nichts", erwiederte der gedrängte junge Mann ungenirt, „denn wissen Sie, jedes Ihrer Worte gehr mir zum einen Ohr hinein, zum andern heraus, und da hört's doch der neben mir Sitzende." Die Ant- -Ein Rabbiner, der als Kurgast in H. die enge und baufällig« Synagoge besuchte, und darin von der alten sprichwörtlich gewordenen Art'des Gottesdienstes höchst unangenehm berührt wurde, sah wie sein neben ihm stehender Hauswirth beim Mizwosveckauf mit bot. Was machen Sie da? frug rasch der fremde Rabbiner. Nun ich will Ihnen «ine Mezwoh mechabed fein. —Ich danke Ihnen höflich, in Ihrer Synagoge verlange ich diese Ehre nicht, denn bamokem schljesch Chillul haschem, ein cholken Robed leraf. — wort wirkte. Allgemeine Zeitung des JudenthumS. No. 42. 1861. Leitende Artikel: Die Juden in Polen. — Die Judenfrage im Wiener Parlamente. — Zerstreute Bemerkungen. — Pariser Briefe. V1L — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Devtfchland:Hambnrg,Beiseförth, Mannheim. Oesterreichifcher Karferstaatr Wien» Venedig, Warasdin. Frankreich: Paris. Rußland: Minsk. Tunis. *) Bekanntlich zerstörten die Ungarn die kaiserlichen Adler (Wappen.) Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thal er. Verantwortlicher Redakteur SL 5Ä4be. verl-r »o» «a»»,rrt»«r * i» Cdftfe. — *>*■* v», G. »retzli», i» LeUni».

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