Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 42 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
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167 Was ist Recht? Was Tugend? wenn sie nicht als den Willen Gottes, alS die Bestimmung, die Gott uns aufgelegt, erkannt werden. Die Grübelei des Menschen kann alles untergraben und auflöstn, aber hieran scheitert sie, an der Uedcrzeugunq, - daß durch Gott Recht Recht, Unrecht Unrecht ist. Darum, so lange der Pfad eben ist und der Hinmiel unseres LcbenS licht und blau: geht es. Aber wie schmilzt unsere Sicherheit in den Bedrängnissen, so steile Höhen sich khürmen, Abgründe sich öffnen, und dunkle Wetterwolken aussteigen, — ohne Gott. Das ' Licht entweichet unser» Augen: darum verwechseln wir die ’ Karben, und nehmen 'das Unrecht für das Recht, und > was unser selbstsüchtiger Derstqnd uns aufschmeichelt, halten wir für Tugend, und die Kraft, die wir dem entgegen zu setzen vermögen, ist bald überwunden. Aber so Du Gorr als der Wahrheit alleinigen Verkünder, Gottes Willen als das allernige Recht erkennest, und nun zu Gott flehest um Erleuchtung und Kraft? so werden Dir Beide nicht , abstehen, mitten im Dunkel und in der Schwäche. Ader der heilige Sänger ist noch nicht zu Ende. Seinen bisherigen Mahnungen tritt noch Eines ent-! gegen. Viele zwar geben jenen gar kein Gehör; aber j unter denen, die wohl darauf zu merken sich entschließen j könnten, sprechen Andere: Wir wollten wohl von unserm, Wege weichen, wollten die Pfade der Gerechtigkeit ein-! schlagen — aber unser bisheriger Bestand war im Gegentheil, wir haben da unser Brot, uni'ere-Ehre, mir verlieren diese, wenn wir unfern,bisherigen Weg verlassen; ja, wer Heil uns zeigte! wenn Gott das Licht, seines Angesichtes über uns erhöbe! wenn wir sofort Ersatz fanden und Sorglosigkeit und hinreichende Nahrung. — —Es ist schon viel selbst hiermit gewonnen. Denn eS lieget darin doch schon das Zugeständniß deS Unrechts, und ausgesprochen, daß Gort daS Gegentheil will. Aber sie wollen den Lohn vor der That; diese soll keine Mühe, j keine Anstrengung kosten; würde der Weg deS Rechts mit! dem Wege deS Genusses und der Bequemlichkeit eines! sein, dann würden sie ihn gern Anschlägen; aber Opfer zu dringen, sich in irgend Ungewißheit über ihr irdisch Loos zu werfen, daS gehr über ihre Kräfte. — Man sei nicht ungerecht: allerdings ist das Schwierigste in der Sündhaftigkeit — sich loszureißen! Don den spottenden Genossen, von den üdelen Angewöhnungen, von den scheinbaren Dorrheilen sich loszureißen, und so die Gewalt, welche die Sünde über uns innerlich und äußerlich gewonnen hat, zu zerbrechen: dazu gehört viel, das ist eine schwierige Aufgabe! Wie löst sie der fromme Sänger? Du legtest Freude in mein Her;, Mehr als wenn ihr Korn und Most sich mehrte. In Frieden allzumal leg' ich mich nieder und entschlafe, Denn Du, o Ewiger, allein, in Sicherheit läßt Du mich wohnen. Ec hatte seine Pflicht gethan; er hatte auf jede mögliche Weise die Mahnung ergehen lassen; so sie nun von ihm ein irdischebequemes Leben, einen irdischen Ersatz fordern um das Recht; da zieht er sich zurück, und weiset nur auf die Güter hin, die ihm der Wandel im Rechte verschafft hat, und die Antwort geben auf die Frage Jener: Freude und Friede! Zwar nicht jene Freud«, die durch die Fülle des Korn- und des Mostekommt, durch Ueberfluß an irdischen Gütern, um die sinnlichen Lüste befriedigen zu können — nein! die süße, ganze Freude am Seldstber wußtsein der Tugend, an der'Gewißheit, mit! seinem Gotte vereinigt zu sein. Zwar nicht jener Friede, der mit den Waffen erkämpft ist, und nur angewendet wird, um nach neuem Kampfe auszuschauen und die Mittil zu neuem Streite vorzudereiten — sondern der Friede, der nach einem wohlvollbrachten Tage, da wir nach gurem Ziele mit aller Kraft gestrebt, nach Uebenvindung be«1 Bosen und möglichster Ausführung de- Guten, in unserer Seele sich lagert. Ihr verlanget für bas Recht irdischen Genuß? O, eS giebt mir eine "Freude in daS Herz, die mehr, süßer, angenehmer, alS allerirdischer Güter Freude. Ihr verlanget irdische Sicherheit? O es verleihcr mir einen Frieden, gegen den aller weltliche Friede nur Schwanken und Unruhe ist, di« Sicherheit' in Gott! Da ist Eure Frage gelöst. Was Ihr verlasset um de- Rechtes willen, das ist nur wenig gegen daS, was Ihr durch es erlangt, nur gering gegen bas, waS es dafür Euch dielet, so Ihr ,S nur nicht juchet im Sinnlichen und Weltlichen, so Ihr ti suchet in Euch selbst«» und in Gott. Ddfür ist jeneirügrcisch und vergänglich; so eS genossen, vorüber, Schmerz >nd Täuschung zurücklassend; dieses unvergänglich, vollständig, mit ganzer Seligkeit., Dies ist es aber auch, was allein aus dem Treiben und Kämpfen de- Tages dem Frommen übrig bleibt: Freude im Herzen, Frieden in der Brust besteigt er sein Lager und «nrschlummerl allezumal, denn Gott webet Sicherheit um ihn im Dunkel der Nacht. Kannst Du daauch Sünder oder auch Du, der seinen Täg im Nichts vergeudet har, Elteles liebte, Lüge suchte? — .— W,ohl, es ist uns Kampf befchieden, Niemand ist dessen frei, auf dem Purpursitz de- Throne-' wi^ unter dem Strohdach der Hütte gilt es solchen. Da sollen wir nicht hinsiechen in Schwäche, nicht vergehen in Zügen; muthig und männlich in felsenfester Zuversicht, da- Wahre und Gute zuletzt dennoch sieget, weil es Gottes jß, sollen wir.hinlrelen vor die Gegner, und streiten ^en Streit, weil wir dessen nicht überhoben worden. Wir suchten ihn nicht, er fand uns. Wir gingen nicht nach ihm au-, er traf'uns. Aber nur nicht vergessen, daß allein Freude am Göttlichen und Friede in Gott Kampfpreis und Siegerkranz fein müssen., diese, die allein im Rechte und durch den Frommen errungen werden. O, geliebte Menschen, nicht- Anderewünsche ich mir und Euch als: Vertrauen auf Gott, Freude im Herzen, I Frieden! Münchner Brief. Wir Münchner sind reformirt; rve> yaran zweifelt, der wohne unserem Gottesdienste während der D’eoi: i bei, und er wird den eclatantesten Beweis > davon^bekommen, er wird mit Staunen beobachten, tW< schön wie unfern Gottesdienst modemisirt, wie wir auf'diefe „altmodischen Alfanzereien,“ auf Ruhe und Ordnung gar nicht- 1 mehr halten. denn das war vor 50 JahreN modern, jetzt ist man weit „gebildeter." — Ja, dawaren jedem fühlenden Menschen, der dem Gottesdienste beiwohnen mußte, in der Thatv*«^ '■> „furchtbare Tage" im "strengsten Sinne de- Worte-. Ist e-