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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 42 (1861) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
42 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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auch im ganzen Jahre in der hiesigen Synagoge wenig amüsant, so haben aber doch die Unruhen und die Plauderei am n:!L7i S den Culminationspunkr erreicht — Es dürfte überhaupt interessant sein, 'die Bedeutung des n:®n n vom Münchner Standpunkt aus zu erörtern. — Ich will «S nach meinen schwachen Kräften versuchen. — n:®’r; i ist ein Tag, an welchem sich die haute volte in unsre Synagoge verirrt, ihre Nase mit einem Zwicker foltert und durch diesen Stolz-Thermometer mir spöttelnder Miene auf den „gemeinen Mann" herabschaul, der, von der Heiligkeit des Tages ganz durchdrungen, mir Inbrunst seine Gebete zum Himmel sendet, mit einer Miene heradschaüt, die auch jeder Nichtphysiognomiker leicht enlrathseln kann: „Sekt! wir die Repräsentanten^ des Fortschrittes und der „Bildung" wir würdigen euch unsrer Gegenwart." — n:srt -i ist nach hiesiger Anschauung ferner ein Tag, an welchem Alle — 'mi in j7Dp3 — Vorstellungen in > der höhern Magie — ä la Bosco — geben, indem sie das erstaunliche, ge^iß noch nie geschehene Kunststück produci- , rrn, auS -> ,rmn nna® zu machen; auf vaS! Wieso { werde ich zurückkommen. — Ich muß es gestehen, mein Herz war gewaltig gehoben, j .,ls ich am ersten Abende in das Gotteshaus trat; der I Ort war so heilig, so erhaben, — Gott war in den Rau- > n,fn. — Die Besucher mehrterr sich, meine Andacht mim > derte sich, und zuletzt — verzeihe mir, mein Gott, daß ich! es sage: — Zch wußte nicht mehr, war ich im Gottes-! hause, oder in einem Cafe; baS war ein Lärmen, ein j Getöse, ein Geplauder! Da gab eS Wenige, die picht > mit ihrem Nachbarn schwatzten; — hier lachten Einige, ( — dort wollten Andere die unreinen Substanzen, die sie! vielleicht des^JahreS über eingeschtuckt, durch einen sondren Stoßseufzer ausachzen; — da brachten Zwanzig ihr ^nN in einem so süßen Portamento aus, so rührend, so herzbrechend und ohrenzerreißenb, daß sich der Himmel nothwendig erbarmen mußte. — — Einmal war's üdcrstanden, der Gottesdienst war beendigt; und nun ein modisches Drücken lesp. Reichen der glacirten Hände, begleitet von einer.hölzernen Gratulation. &! es giebt wenig Poesie mehr im Judenthume; nur auf dem Lande trifft man sie noch.zuweilen; da weint doch noch am rt:®n S eine Frau, da stießen doch noch Thränen, Thränen, die nicht in den Augen, sondern im Herzen ihre Quelle haben. — Verzeihe man mir meine Reflerionen! — - ". Als ich am Abend«' des ersten Tages in die Synagoge kam, —. — ich wollte schon meinen Nachbarn fragen „Ja- Sie, erlauben Sie mir, ist denn heute wirklich? mini? — ich hatte sogar schon, da ich von Natur sehr empfänglich für lustige Eindrücke bin, den Refrain des wohlbekannten, schönen Liedes: „Wir sitzen so fröhlich beisammen und haben einander so lieb" auf der Zunge, da — - — ertönte der Chorgesang, und diese alten, wohlbekannten heiligen Töne, sie entrissen, mich wieder dem Reiche der Phantasmagorie; denn die Münchner BoScoS haben mich wirklich geblendet; ich glaubte eine Zeit lang, es sei ni'in nnw®- So gings' bei den Männern zu. „Wie hat sich . apy* r*2 verhalten?" wird man mich fragen. Wie sich; eben die Töchter Evas verhalten können.-Eli der 1 Hohepriester r.? hat uns nicht den richtigen Maßstab gegeben, wenn ec die Frömmigkeit der N2N nach dem : Grade der. Hörbarkeit deurtheilt; wäre das wirklich so, dann Heil dir o München! Du hättest die frömmsten i Frauen 71? w"; o'n’p ori nte: ‘“■'ns® •c Da fragte z. B. Madame N. die Madame B., wie man geriebene Mehlspeisen mache; da »var der Frau O. das Volant- Kleid der Frau W. zu roth; kurz man biscurirte, disputirte und raisvnnirte. —Loch, wollen wir gerecht sein, — das Naturell der Frauen ist Reven, und jedes Abweichen von der Natur und ihren Gesetzen rächt sich; wenn aber „Männer" sich zu „Waschweibern" herabwürdigen, dann ist es höchste Zeit, daß diesem Krebsschaden mir allen zu Gebote stehenden Mitteln enrgegengewirkt werde; — und dies ging ja auf die leichteste Weise; — bestellet über 2—3 Bänke einen Aufseher, der jeden Ruhestörer um 30 Fr. straft und in kurzer Zeit wird Ordnung und Ruhe einkehren — r«i®' b® Visa b? i-cpa bNi®n '3 Nur wo Ruhe ist, ist's heilig, ist Andacht — ri ®->i2 tiV'z - Münchens Gemeinde muß als Mustergemeinde deS bayrischen Landes dasiehen, aber in ihrer jetzigen Gestaltung macht ihr auch die kleinste Landgemeinde den Rang streitig; wenn Schwätzen und Lärmen erlaubt ist, wenn das Reform sem soll, wenn das da« gelobte Land sein soll, in welches unS derZeitgeistführt, i 2'® a:b 27v rebn ist es dann nicht besser, wir kehren wwder zurück in die finstern Räume der Vorzeit? Da war doch wenig, stens der Zweck des Gotteshauses ein heiliger; heutzutage hat man es zur Börse gestempelt, zu einem Conversarionsi faal. — | Schließlich halte ich für nothwendig zu erklären, daß j ich 1., die hiesigen Umstände nicht durchs Vergrößerungsglas! rrvc^b übi rrrirnbi geschildert; 2., Wolle man mich für meinen guten Rath nicht, ä la Joseph, zum Aufseher in der Synagoge bestimmen; denn es ist schwer cci®?Ni®'2 zu sein; 3., giebt es, wie in jeder Regel, so auch : hier'khrenwerthe Ausnahmen, die natürlich Nichts von all dem Gesagten weder auf sich beziehen werden, noch - können. — Und sollten meine Worte nicht ungehöct in den Wind , verhallen, dann ist der Zweck meines Schreibens erfüllt, I und ich schätze mich glücklich, auch ein Scherflein zur l Förderung einer guten Sache beigetragen zu haben. I ’ Grünblau. J Allgemeine Zeitung de« JudenlhumS. No. 40. 1861. Leitende Artikel: Die Zustande in Litthauen. Der preußische Handwerkerstand. — Die israelitische Bibel-Anstalt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Franksutt an der'Oder. Donaufürstenthümer: Brüsiel, Bottuschan. Rußland: Warschau. J && Zu beziehen durch jedes Postamt und jede BuLhanbluug.! Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redakteur St. Nabe. t «erlag »o» u « g •**»<*’* SwttuObng in 1!einzig. — Dr»«t »es 9. Lrevlrug in Leipzig.

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