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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 42 (1861) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
42 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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U>6 schen am stillen Abend die Uede^eugung aus, daß er ein göttlich Werk detreibel. Ec rühm: sich deß nichts er verliert sich nicht in stolzes Wohlgefallen datvb: sondern ec drückt eS aus als Recht, und flehet zum Herrn um drc Begnadigung, daß er sein Recht zum Ende zu führen vermöge. Und was ist ihm die Bürgschaft, daß es wirklich > Recht ist! Daß Gott ihm Raum geschaffen in Bedrängi niß) ihm Hülfe sandte in der Roth. DaS thuer Gott nur dem Rechte, dem Gerechten! Da» Unrecht muß. ja j Gott 'zerstören, untergeben laffen. Welche sichere, fe/tgestallele Ucbeezeugung! Da ist keine durch Zweifel und Jcrthum hindurchgefuhrte Ansicht, keine durch künstliche Beweisführung erhärtete Meinung, keine durch kalte und schwankende Vernunfrgründe gestützte Erkennrniß — sondern unmittelbarer-, ausder innersten Natur quillender, einfacher Glaube, der von den verworrenen Verhältnissen deS Lebens nichts gelitten, in Nicht» gestört worden: Gott hat mir geholfen, Gott thur dies nur dem Rechte, also habe ich da» Rechr. und darum begnadige mich fördec, Du Gott LeS Rechts! — — Diesem gegenüber die „Hercemobne", die stelzen, hochmürhigen, nach Herrschaft um jeden Preis strebenden Menschen, die da» Recht zu Schanden machen: aber der Sänger weiß es — EiteleS lieben, Lüge suchen sie. Dies ist d/c Edarakter ify<» Streben», die Richtung iores Weges, der Anhalt ihres ThunS. Wie lange noch £ Wie lange noch wolle Ihr der edlen Mensthennatuc absagen, dem Hökern, Göttlichen Euch entziehen, und in der Eitelkeit des Irdischen Eure Zwecke, in der Lüge Eure Mittel nnden! Wie-, tief betrübt es den Edlen, seine' ErSendrüder so verloren zu sehen, so weit ad vom Ziele, so enbfernl vom Heile. D^ drangt es ihn, sie zu -mahnen, sie zum Bessern zu fühchn: Erkenner keck. daß sich der Ew ge jente/ie kcn Frommen, Der Ewige berer, io ich;u ibm rufe. Bebel,- und 'ünbiger nicdr, Sprecht in Eurem Herzen auf Eurem Lager, uut schweizer, selab- Durch Dreifaches will der Fromme seine, des Rechtes Gegner, seine in'6 Eikele versunkenen, in die Lüge ver- Ilrrckren Menschenbrüdcr gewinnen. Zuerst durch die Er- '"kennmiß, daß Gott nur mit dem Frommen ist, baß er diesen aussoiderr. aus der Menge, um sein Gebet;u erhören , und ihn zum Siege zu führen. Was sie also erhoffen, auf ihrem Wege werden sie rS nimmer erreichen; was sie erstreben, e« ist nickt das wahre Glück. Und diese Erkennrniß können sie daraus schöpfen, daß ihnen all' ihre Bemühung, all' ihr Ankämpfen bis jetzt niemals gelungen, und daß der Fromme siegreich aus ihren Angriffen hervorgegangen. Ader noch mehr. Nicht bloS, baß sie ihres Zieleverlustig gehen, und daS wahre Glück sie nimmer erreichen: eS ist das Verderben, daS ihnen droht, dkb Untergang, der sie erwartet, die Strafe des Herren, die bas Unrecht ereilet — darum, zweitens, weckt er die Furcht in ihrer Seele, um sie abzuhalren von Weiterer Sünde: „Bebet, und sündiget nicht!". Wenn das stille Glück, der süße Fn'eden, die göttliche Begünstigung des Frommen Euch nicht locker, so laßt Euch wenigstens durch di« Strafe Gottes, durch das Verderben, durch das Unheil abschrecken, und sündiget nicht ferner. So aber erst diese Furcht in Euch geweckt ist: dann, drittens, bedenkt es, erwägt es in Eurem Herzen ruhig, schweigend, daß es Euch ganz überwinde. Es ist ja di« Stille der Nicht die Euch umgiebt, Ihr ruhet auf Eurem Lager, wo die Täuschungen des Tages zurückgewichcn sind: da öffnet Eu.r ^erz, schauet in desscn Tiefe, messet an dem, was Eu.c Gewissen, was die Stimme des Herzens Euch saget, Eure Thaten. Ihr seid jetzt einsam mit Euch, so kehret zurück zu Euch. — D, wie Vielen ist Solches zu carben; wie heilsam, wenn sie dem Rathc folgten. Wenn der Wüstling feine Sinne beraubt, seine Kräfte und seine Habe vergeudet: in der. Stille der Nacht,, auf .seinem einsamen Lager könnt' er sich wiedersindcn. Wenn der Ehrgeizige, der Habsüchtige um den Tand der Erde nach dem Unrecht seine Hand ausstreckt, und Lug und Trug um die Befriedigung seiner Begierden nicht von sich weiser: wie könnt' er, so er sein Her; defcüge in den Stunden der Mitternacht, feines UebelS gewahr werden. Die Wahrheit flieht vor dem Geräusche deS Tages, in der Stille der Nacht kehrt sie zurück: wehe dem, dem sie da das Herz-zerfleischt, unerbittlich die Geißel schwingt, und die Schatten derer, die er berückt und bedrückt, vor da« Gedächtnis rufet — wohl dem, der da die Kraft gewinnt, das Unrecht adzuschürceln, und die Leidenschaft bis auf ihre Wurzeln aus seiner Seele zu reißen! Jndeß noch ist nichts mit dem Gedanken, mit dcm Entschlüsse, mir der Absicht geschehen: eS muß zur That werden. i7pjen.Cpfer des Rechts, Uut traut auf den Ewigen. Biete sprechen: „B>er Heit unS zeigte! Erbeb' über uns Deines Angesichtes Lickt, o Ewiger!" Allerdings kostet das Recht Opfer, und der Pfad des RechrS ist nicht der leichteste auf dieser Erde. Es ist wohl dahin gekommen, daß oft ein irdischer Gewinn, eine irdisch voctheilhaftere Stellung durch Hinterlist und Unrecht erlangt wirb; daß oft bas Recht entsagen muß, ja enrsagen dem, worauf es vollen Anspruch hat, um des Rechtes willen. Wer ist, dem nicht einmal schon die Versuchung enlgegengekreten in lockender Gestalt, ihm verheißend großen Gewinn, einen Schritt abwärts vom Rechte! Wer ist, der nicht einmal schon aufgeden mußte ein Bedeutendes von dem, was ec besitz!, um das Recht sich zu erhalten! Aber solche Opfer sind zu bringen, solche fordert das Leben, das Recht, Gott von uns. Was war' es auch ohne sie! Welchen Werth hätte de Wahrung des Recht-, wenn auch die irdischen Dorther e immer damit vekdunden wären! Gerade darum kann aber auch das Recht nicht geübt werden ohne Vertrauen arfGott. Stand» hckftigkeit im Rechte ist nicht denklich ohne bas Vertrauen auf Gott. Denn der größeste Theil des Rechts wird in der stillen Kammer grübet, in der Abgeschiedenheit, wo die. Scham vor dem Menschen nicht wirksam ist, sondern allein die Gewißheit, daß der Herr unsre Opfer wohlgefällig annimmk, dafür uns feine Stütze leiht, daß wir zum Siege kommen — wenn auch nicht just auf Erden, doch einst vor seinem hochheiligen Angesichte. Ist diese Zuversicht in unS lebendig: dann wird uns für das Recht kein Opfer zu schwer sein, wir werden nimmer davor zurückfchrecken. — Es ist der nichtige Stolz de» Menschen, die Werke des Ledench allein vollbringen zu können,Jf«m< Tugend auf sich selbst zu stellen, seine Kraft in sich begründet zu wähnen. Laß dich warnen, bevor der Sturm kömmt! Nur durch Gott gewinnt alles Dies seinen festen Loden.

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