Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 42 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Bolksblatt. i Zur 3Jcfef)rung uni) Unlerhuttung aus jüDischem HeKiete. Herau-gegeben von Rabbiner Vr. Ludwig PhiUppson in Magdeduig. Mo. 42. Vo« tics<i ^Zeilildriir crZ«bri»t »vcheutliL eine Nummer. Preis des Äapr« nan^t i iWv. 4<ierle>jah,ig 7 Ngr. Alle Buchbaudluugeu. Pvstämier uur Zeiluu^octpedittone» nehme» Bestcüuagen an. [8. Jahrfl. 4. Quartal] Der vierte Psalm 2. So ich ruf', erhöre mich, Gott meines Rechtes! Im Drangt machtest Du mir'» weil: Beguad'ge mich, und höre mein Gebet! 3. Wie lange, H-rrcm'öhne, sei meine Ehr';u Schanden. Liebt Eitles Ihr, sucht Lüge? Sclab. I 4. Erkennet doch, daß sich der Eiv'ge sonderte den brommen: Der Ew'ge höret, so ich zu ihm rufe. >;>.. Bedtt, und sündiget nicht, Sprecht in eurem Kerzen auf eurem Lager, und schweiget. Selah- 6. Opfert Opfer des Recht«, und traut auf den Ewigen! 7. Biele sprechen: „Wer Heil uns zeigte! Erheb' über uns Deines Angesichte» Licht, o Ewiger!" 8. Du legtest Freude in mein Herz. Mehr als wenn ibr «orn und Most sich mehrte. : LI. In Frieden allzumal leg' ich mich nieder und entschlafe: i Denn Du, o Ewiger, allein, in Sichcrheitläßt Tu michwobnen. : Es ist eine süße Abendruhe, die unser» Sang durch« > wehr, ein FriebrnSgruß nach dem Larmen des Tages; nur : die Liebe lebt darinnen, und will den Haß verdrängen;! ein frommes Sinnen über die Eitelkeit des Irdischen, die > nur Kampf gebiert und die Ruhe versaget. Kennest Du nicht, mein Leser, den zwiespältigen j Zustand des Menschenherzens i So lang' es im Gewühle > des Tages die Dinge dieser Welt betreibet, seine Gedanken! und Gefühl» gerichtet sind auf das, was es einmal er»! griffen in der Menschenwelt, sein Arm rastlos, seine Sehne! gespannt, fein Fuß schreitend, fein Wille kräftig, seine I Hoffnung rege — wie wichtig, wie unumgänglich erscheint > ihm. was es erringt, es ist sein Heil, sein Glück, nach j dem es lechzet, nichts Höheres faßt es, seiner Seele ganzes 1 2 Sein ist darin eingeschloffen. Aber wenn heraufgezogen 1 die Stille der Nacht, wenn die Sterne leuchten aus ihren ewigen Bahnen, und durch das dunkle Gewölk der Strahl des Mondes brach; wemlauttos ruhen so die Fluren wie die Straßen der Menschen,"w«nn nun das Werk de- Tages zu. Ende ist und ringsum Genoffen und Mitkämpfer feiern: wie Anderes. gehet da auf im Menschen» 1) Eine schwere Unpäßlichkeit de« Herausgeber« diese« Blatte«, de« Herrn vr. Philippson, macht e« un« unmöglich, in dieser Nummer schon die Fortsetzung der in No. 4V begonnenen Erzählung „die Nekomoh" zu liefern, glauben aber Grund zu haben, dieselbe für die folgende Nummer versprechen zu können. Pie Nedaeti«». 2) B. 1. ist Ueberschrift: „Dem Sangmeister auf dem Saitenspiel, Gesang David'«." - Herzens Der-Glanz der Erde ist'erloschen, die buntfarbige Hüll« niedergesunkrn — nun kommen die Fragen nach dem Inhalt. Ist eS wirklich so hoch und erhaben, was Du erringest/ Besteht es vordem Gottesgericht der Wahrheit und Gerechtigkeit i Ist *< nicht bloS' der Eigennutz, der Dich es also anschauen läßt, die Selbstsucht , die ihm Würde verleiht, ist es de« Kampfe-, der Mühen, der Hingebung werlh k Und wo die ^Zweifel eingezogcn, da ist die Verzagtheit nicht weit. Gerade ins Gegentheil schlägt e» nun um. Zu gering wird der Werth angeschlagen; zu tief gesetzt, was sonst so hoch gestellt wird. Die Mängel und Schwächen thun sich alle auf, und werden durch das Vergrößerungsglas der Furcht betrachtet. O, wie fern ist da Hochmurh, .der Stolz auf fein Vollbringen, auf fein Schaffen, feine Werke; wie nichtig er» scheinen sie, wie lange nicht erreichend die erträumte Hohe! — — Ader eia Anderes ist es, wenn wir nicht um der Erbe willen das Werk betreiben, wenn allerdings wir uns sagen können: es ^ist ein GotteSberuf, den Du einhältst, ein Gotteswerk, Hem Du Dich hin^egebea, der Herr siebt es und billiget es, es gilt die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Liede! Nicht den Kampf, sondern den Frieden, nicht den Preis, sondern den Erfolg! Dann hebt sich, zwar' bescheiden, demüthig, aber sicher unser Blick zur Höh«: — die Ihr droben wandelt, Sonnt» und Welten, Ihr rhuer auch nicht mehr, als ich, den Willen unsres Gor» reS; Ihr erfüllet auch nicht mehr, denn ich, die Pflicht, die feine Hand uns auferlegt! wir sind allzumal Diener feines Wortes! Dieist der Fried«, und die Brust, die Solches verbergt, ist gesegnet! Aus dieser Stimmung, aus diesem Bewußtsein ist unser Psalm hervorgegüngen. So ich ruf, erhöre mich, Gott meiue« Rechte«! Im Drange machtest Du mir'« weit: Begnad'ge mich, und höre mein Gebet! Wie lange, Herreusöhne, sei meine Ehr' zu Schanden, Liebt Eitle« Ihr, sucht Lüge'? Selah. Gottesberuf und Menschentand sind sich gegenüberge» stellt, Rest»t und Lüge. — Der Sänger ist sich seines Rechtes bewußt; aber auch, oder vielmehr gerade das Recht bedarf der Hülfe Gottes, denn es wird von Menschen bekämpft; da« Recht, die Ehre de- Mensch« wird von ihnen zu Schanden gemacht, durch Verleumdung, Beleidigung, Angriff verletzt und erniedrigt. Aber weil sich der Sänger seines Rechtes bewußt ist, kann er-de»en, kann er Erhöruug vom Gott de« Rechterfleh«, verlang«. — Sehet, so spricht sich im selbstbewußt« Men-