Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 41 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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163 zu begeben, die Palme, die Eiche in den Scharren des StechdornS! oder Feuer soll ausgehen von ihm, daS die Erdern de- Libanon verzehrt! und eS geht von ihm auS; leicht fängt das Docnengestrüppe Feuer, und entzündet den Wald, und entzündet daS Gras-der Steppe, baß vor dem Brande Palmen, Eichen und Cedem in Asche sinken. Wo giebt es ein treffenderes Bild für das Aufblühen, daS Wichtigthun - und — was noch schrecklicher ist — für die schlimme Wirkung deS Leeren, Nichtigen, Hohlen, Inhaltlosen, wenn «6 nach oben sich gedrängt hat? Wie oft, lehrt unS die Geschichte, haben unfähige Minister, um sich am Ruder zu erhalten, verheerende Kriege entzündet, Länder der Verwüstung pceiSgegeben. DaS Nichtige, wenn es ihm gelungen ist sich burchzudrängen,-— steigen doch die Luftblasen alle an die Oberfläche deS Wassers — pocht auf seinen Schatten, pocht auf daS Wenige, was an iym ist, oder eignet sich zu, was es auch nicht hat. Sicht es 1 dann, daß seine Hohlheit zu Tage kommen will, «daß es schier auS ist mit seiner Herrschaft: dann wirft es die Brandfackel in die Welt, weil es lieber alles Wesen verbrennen, als seine Herrschaft aufgeben will. Und so wir das Wesen, die Ursachen des meisten Streites, der erbittertsten Kämpfe in der Menschenwelt untersuchen, so ist eS eben dies, ein Nichtiges, an sich Unbedeutendes, HohleS, daS sich aber um seiner Existenz willen eine unendliche Wichtigkeit beilegt, fachte den Streit an, erregte den Kampf — freilich, im Kämpfen wuchs der Kampf, und ging über seinen' Anfangspunkt weit hinaus. Denn wo man aufrichtig die Wahrheit sucht, ernstlich daS Recht.erhalten und üben will, wird man sich leicht verständigen, wenigstens vertragen. Aber führet die Priester und KciegShelden und Philosophen, dk» den Krieg auf Lehen und Tod führten, vor den Richterstuhl der Wahrheit, und . sehet zu, wle'. viele bestehen werden. Aber unsre Fadel bringt die Moral gleich mit sich. Die Fabel war lehrreich und ward gesprochen — aber Jotham mußte dennoch fliehen, Abimelech ward dennoch König, und zuletzt Schechem verbrannt und Abimelech von einem Steinwurf getödtet. Es giebt Thorheiten, es giebt Unsinn, die in der Menschheit so tief wurzeln, und in ihrer Natur so tief begründet sind, daß sie mit der Menschheit zu leben scheinen, wenigstenwerden sie nur höchst langsam geschwächt und ausgerottet; daß die Thorheiten und der Unsinn, die diese älteste Fadel züchtigt, noch Wahrheiten der Erfahrung auch in der Gegenwart sind, wissen Alle, welche die Geschichte der Zeit kennen. Diese Fabel ist noch immer nicht zur —^ Fabel geworden. Sie har den Schechemiren Nichtgefruchtet, und wir glauben nicht, daß unsere Auslegung heute etwas fruchtet, außer, daß sie uns daallgemeine Bewußtsein darüber auffrischen hilft. Dennoch können tvic noch nicht schließen. Wir haben die Fabel von ihrem Endpunkt auS betrachtet; fassen wir sie jetzt nach ihrem gegebenen Verlaufe: was sagt sie unS da? Dem, der wahren Vorzug, wirkliche Tugend, bestimmtes Verdienst besitzt, dem ist die Uebung dessen die Hauptsache, nicht die Herrschaft, nicht der Lohn. Will doch der Oelbaum vom Schaffen des Oeles, der Feigenbaum von seinen Feigen, der Weinstock von seinen Trauben nicht lassen. Diese sollten sie aufgeben um der Herrschaft willen k Da würden sie ihrem eigensten Wesen entsagen: das können sie nicht. Mit tiefer Einsicht ist hier nicht die prächtige Ceder, die mächtige Eiche, die weitreichende Teredinth« genannt, denn deren Vorzüge sind nur äußerlich, nicht, waL sie von innen heraus lebendig erschaffen: sondern Bäume, die die edelsten Früchte Hervorbringen. Es sind . died i e Menschen, welche ohne Geräusch und Aufwand poohl- * thätig wirken für ihr Geschlecht, und erquicken und stärken und heilen durch ihre stillen Arbeiten. Nein! sie geizen nicht nach der Eitelkeit der Herrschaft, nicht diese ist »ihr Zweck, ihr Wunsch, ihr Streben, und darum weisen sir sie ab, wenn sie sich ihnen bietet. — So handelt der Weife"; er weiß, daß Menschenbeherrschung ist eine Domenkrone, baß r^kenschenwohlgefallen'eine flüchtige Wolke, daß Menschenruhm eine Seifenblase — so lange die Menschen Vorrheile von Dir genießen, sind sie ergeben, ja unterthanig; so Du sie in Anspruch nimmst, fliehen sie, sie kennen Dich nicht mehr, sie verschmähen Dich. Wisse dqS, erwarte eS, und Du wirst nicht enttäuscht werden. Das Gebet eines Glücklichen. Vater der Liede, wie schön ist Deine Erde! Wie hast Du das Leben auSgestattet mannigfaltig, abwechselnd, mit unsäglichen Gütern! Warum schlägt mein Herz so froh, wamm wallt mein Blut so leicht, warum klopfen die Pulse so frisch und lebendig i Herr, Du hast mir einen theuern Wunsch erfüllt, hast mir eine große GaHe verwilligt. Was so lange mein Gemüth bewegte, was heimlich in dm Kammem meines Herzens erwachte, und erwuchs, bis eS sie ganz erfüllte, dis eS zu voller Sehnsucht, zum Verlangen, ium Durste, bis es zum Mittelpunkte all' meiner Gedanken, zum Gegenstände meiner Anstrengungen und Sorgen geworden — siehe. Du hast es mir verwilligt. Du hast es mir in meine Hände gelegt, ich habe eS. O, und nun ist meine Brust, mejn ganzes, Sein so gehoben — wie? wandelt mein Fuß noch auf der Erden? oder'sind mir Flügel gewachsen an die. Schultern, daß ich schwebe über die Spitzen der Halme, über die Kronen der Blümlein? Mein Haupt ist wie in den Wolken, und mein Auge trinkt die Bläue deS Himmels. Siehe, Vater im Himmel, mein dankerMteS Herz! Nein, ich bin nicht von denen, welche, was sie erlangt, verschmähen, und unersättlich nach Neuem dürsten, wenn sie ^daS Alte gekostet. Ich bleibe stehm bei dem, was Deine Gnade mir gewährte. Gott, wie reich bin ich! Noch ist mein Haar nicht ergraut, und legt sich in weichm Locken um meine Schläfe, und die Kraft der Jugend stählt mir _ das Gebein. Gesundheit füllet meinen Leib, Gesundheit wirkt in meinem Geiste. Einen ehrenwerthen Stand hast Du mich erreichen lassen in der Menschenwelt, und Diele sehen mit Achtung auf mein Bemühen. Viele Lieben hast Du mir an'S Herz gelegt,. und wir verstehen unS, und der Friede ist unter unS. Jeder lebet dem.Ändern zum Gefallen. O, und bewahrt hast Du mich vor dem Sturme der Leidenschaft und vor dem Gifthauch der Sünde, und die kleineren. Fehle und. Gebrechen überantwort« ich mit Zuversicht Deiner Barmherzigkeit. So ist Ruhe in meinem Gewissen, Sicherheit in meinen Schritten, Besonnenheit in meinen Handlungen, Gleichgewicht in meinen -- -- — |, --