Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 41 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
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164 Gefühlen. Die Sorgen de- Lebens trage ich mit Festigkeit, die Verluste mit Ausdauer. Und zu allem Diesem, zu der großen Fülle des Heils, di« ich aus Deiner Hand empfangen, nun noch Dieses. Fürwahr! Jetzt verstehe ich daS Wort der Schrift, das mir der Lehrer meiner Kindheit in mein Gedachrniß gelegt, und das sich jetzt auf meine Lippen drängt: „Ich bin viel zu klein für all' die Wohltharen und die Treue, die Du Deinem Knechte erwiesen." Herr,- welch' Wohllkäter bist Du, welch' ein treuer Gott! . . .. Wenn ich jetzt, von der Höhe, auf die Du mich so unverdientermaßen gestellt, zurückdlicke auf die durchschrittene Bahn: ' wie harrest Du es so gut mit mir vor! Wo ich mich am verlassensten glaubte, warst Du mir am nächsten; wo ich< mich grämte, hattest Du mir Freude verborgene ach! wo ich an der Krümmung stand, und keinen Ausweg erblickte: da hattest Du-geebnet meinen Weg durch grünend« Auen zu Ruhequellen Vater, wi, so gut Du bist, wie so zärtlich treu gegen Deinen Menschensohn! . . . . Nein! ich hebe meine Hände zu Dir empor, nicht dass Du mich genießen lassest in all' seiner Fülle, wa« Du mir verlieben; nicht dass Du mir erhaltest, waS Du mir gewährtest .... was wäre das für eine Anerkennung Deiner Wohltharen — nein! nur um das Eine flehe ich, dass ich auS dem Segen, den Du mir spendetest, endlich die ganze Zuversicht auf Dich, das unbegrenzte Derlrauen auf Deine Leitung, Deine Vorsehung schöpfe. O, daß ich nukimehr niemals wanke, niemals zweifle, niemals murre. So mögen sie kommen die Prüfungen des Lebens, so mögen sich dehnen lauge, lange Schatten in meinen Sonnenschein hinein: ich weiß, welche Hand sie hinsireut, und diese küsse ich in Demulb, es ist deS Vaters Hand. Ich harre, bis daß der fröhlich« AuSgang sich zeige. . . . Doch siehe? Da hast Du des Menschen Art — — hak sich mein volles Her; nicht schon gesenkt? hat es nicht schon wieder rückwärts geschaut, und Bangigkeit der unbekannten Zukunft in sich eingelassen i O, Undankbarer! Niemals vermagst Du den Herrn zu danken mit lauterer Freude; Deine Ach! und deine Web! kannst Du nicht vergessen, und hätten sie nur Minuten gedauert. Hinweg! — Ich ergreike den Saum Deiner Majestät, Gott in der Höhe, und spreche: Du hast mir einen Blick gewährt in Deinen Himmel — ich danke Dir! Ich berühre den Schemel Deines Tdrones, und sage: den FriedenShauch Deiner Liede bade ich webend gefübler - ich liebe Dich! Nun gehr mir nicht unter der «lern Deiner Gnade, ich schaue fest, ihn an. er leuchtet mir — ich bete Dich an! Nicht bin ich Staub, sondern Odem von Deinem Geiste, Ewiger, Unendlicher, Allerheiligster — ich fühle mich! Anekdote. Der verstorbme Ezechiel Pfeifer in Weikersheim ^Württemberg) war im ganzen Land als ein edler Mann,-als Wohlkhärer, alS^:» lind bekannt. Wirklich har er dis in fein hohes Alker sehr viel Gutes gestiftet, wohlthärige Anstalten unterstützt und rheilS ins Leben gerufen; Da kam tzinmal ein Jude auS der Umgegend zu ihm und i sagte: „Mein Sohn hat es des-vre Rekrutirung verloren, I ich bin ein alter bresthaftec Mann, mein Sohn muß die ganze Familie ernähren, und wenn ec Soldat werden muß, I so muß meine Familie zu Grunde gehen! Ec wußte seine Angelegenheit durch Thcänen und Gebecden so eindringlich zu empfehlen, baß Pfeifer ihm versprach, seinen Sohn frei zu machen. Derselbe solle daher diesen Sobn in 8 Tagen nach Stuttgart senden, wohin ec in wenigen Tagen auch reifen werde, und ec werde ihn dort einer nochmaligen Visitation unterwerfen, ob er vielleicht einen Fehler Hab«. Als derselbe bei der'nochmaligen Visitation für tauglich erklärt worden war, kaufte ihn der edle Pfeifer mit 400 fl. frei, da er einmal dem Vater desselben bas Wort gegeben halte, daß er, den Sohn frei machen werde. Als jener Landmann nach einiger Zeit nach Weikersheim gekommen war, um sich für diese schöne Handlung zu bedanken, sagte er zu Pfessern: „ich will lTheil) haben an eurer rvxo (Wohlthar)". Er wußte nämlich nicht, auf welche Weise sein Sohn frei geworden. Da fuhr Pfeifer in gutmürhiger Aufwallung jenen Mann an und sagte: „So, ich . habe aus meiner Tasche 400 fl. für euem Sohn bezahlt, und jetzt wollt ihr auch noch chelek haben an meiner so rheuem Mizwa!" xo. Curiosum. (Sin königlicher Besuch in einer Laubhütte im Jahre 1771. Die „Berliner priv. Zeitg/' vom 5 October 1771 berichtet: Beim Anfänge des Lauberhüttenfeft-s, d. 22 Sptbr. hat der hohe Schutzjud Joseph Michel, welcher in der Judenstcaße wohnt, in seiner ausgezeichneten und prächtig geschmückten Laubhütte die große Gnade gehabt, von der Prinzessin Friederike Charlotte von Preußen, wie auch der ganzen hoben Noblesse, dem Feste über, durch Dero Besuch begnadigt zu werden. Im Eingänge des Hauses waren 2 Ehrenpforten, welche illuminirt waren, und königl. Namen brannten oben über mit einer schwebenden hellglänzenden Sonne. Die ganze Laubhütte war erleuchtet aufs Schönste, und mit S. Majestät des Königs Porträt, welches mir Ebel gesteinen aufs Kostbarste geziert war, geschmückt. Auch war's köngl. Wappen oder Wappen vom ganzen köngl. Hause . aufS Kostbarste angebracht. i (Bekanntlich har der König Leopold von Belgien mit l Gefolge vor Jahren auch einmal ein Frühstück in der Laub-! Hütte des Eir Monlefiore in London eingenommen.) Allgemeine Zeitung deSIudenthumS. No. 1S61. Leitende Artikel: Ein neuer glanzender Sieg. —Der com'ervative Bolkrverein und die Handwerker in Berlin. — Unser Berhattniß zur protestantischen Kirche. II. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Posen, Potsdam. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, aus Mähren, NicolSburg. Frankreich: Nancy. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tdaler, vierteljährlich y» Thal er. "* Verantwortlicher Redacteur St. Nabe. Settag »a» SaiwftArtact*« SaAbaaebtag i» Leipzig. — Druck mb ®. KreyfiBg ix Leivtig. 9k(bst titier 9Vt(r»n* h#tr*n#nh hi* front llw