Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 40 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
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159 Der erschrockene Verwalter hatte sich unterdeß wieder erholt und sprach: „Ich setzte auch niemaletwa- Auderevorau-. So werden wir denn doch unsere Zuflucht zu den Juden nehmen müssen. So lange ein Odem in eine- Menschen Brust wohnt, darf man die Hoffnung auf ihn nicht fahren lassen. Ich glaube in der Thal nicht, gnädiger Herr, daß die Juden schon ihr Letztehergegeden haben. Ich bin fest Überzeugt, sie haben noch eisten geheimen Schatz, und wem würde dieser zugehören, wenn nicht dem Herrn de- Landes?" ... „Einen geheimen Schatz! Was weißt Du von diesem?" fuhr der Graf John an und wandte sein Pferd diesem zu. „Nichts weiß ich davon, gnädiger Herr, ein geheimer Schatz, daist nur eine Redensart von mir gewesen; ich meine, die Juden hätten noch genug im Besitz, wasie verborgen halten." , Der Graf schwieg und sie kamen jetzt an dm Fuß der steilen Höhe, auf welcher daö Schloß lag. Hier ging «in Weg den Berg hinab zum Dorfe. Der Graf wandte sich an seinen Diener. „John", sprach er mit ruhigem, gemeßenem Tone, der zu erkennen gab, daß er einen bestimmten Entschluß gefaßt habe. „Ich glaube, John, daß Du Nichtumsonst thuest und redest. Ich glaube, baß von den tausend Golbgulden eine ziemlich« Anzahl in Deine eigene Tasche fallen wird, und daß Du von dem geheimen Schatz der Juden doch einige Spur habest. Gut, ich werde rhun, als ob ec wirklich vorhanden sei. Ha, er muß vorhanden sein. Geh hinunter zu Abraham Veit, noch heute Abmd soll er vor mir erscheinen. Rede Du aber kein Wörtchen mit ihm, das ist kein Mann, dem Du etwaabgewinnst, den vermag ich nur weich zu machen." Ohne weiteren Gruß lenkte der Graf fein Pferd den Schloßberg hinauf, und John, die Lippen zufammendeißend, warf sein Pferd herum und verschwand bald in den Krümmungen de- Weges, der im Zickzack in da- Dorf hinadführte. (Forts, folgt.) Bilder aus Ungarn. Bon I. I. vosen«wer in S. A. Ujhely. lFortfetzuag.) Die religiösen Gebräuche der Chassidim weichen wenig von denen der orthodoxen Juden dieser Gegend ab. Der Chassid betet sephardisch, kleidet sich in Schubez, Stramel, Bekeschel, badet häufig, selbst am Sabbath im strengsten Winter in eiskaltem Wasser, ißt nur glatt coscher, bei Leibe kein Stopfschmalz (d. i. von solchen Gänsen, die mit Kukuruz gestopft wurden). Diel» fach sind die Chassidim beschuldigt worden, sich durch Fasten ihr Leben zu verkürzen, durch Müßiggang ihre Familie an den Rand de- Abgründezu stürzen und durch Studium der Geheimlehren von den praktischen^Beschäftigungen der Menschen sich zurückzuziehen. Wir sind in der Lage, diese Anschuldigungen gänzlich zurückzuweifen, liebt doch der Chassid weder da- Kasten, noch da- Dersunkeasein in heilig«Schriften, oder eabballstische Werke überhaupt, letzterekömmt einzig und allein dem au«erwähltm, dem frommen Erdensohne, dem R e d b e n zu. Der Redbeeaadidat (bei de» rabbinischen Judm Raddiaat-randidat genannt) sitzt^ bevor er dir Würde eme- --—.---1 Wundermannevon der Menge erhält. Jahrelang in seinem Kämmerlein, lebt höchst einfach, studirt Tag und Nacht da- Gotte-wort, betet einen großen Theil de- Tagein stiller Zurückgezogenheit und besucht nur an hohe^-Feier» tagen den öffentlichen Gotte-Pienst. Nur wentze seiner Ge» . treuen haben Zutritt, zu ihm und nur den nächsten Anver» wandten ist evergönnt, dem hoffnung-vollen Wundermann während dieser mehrjährigen Studirzeit eine Unterstützung zu gewähren. Nur höchst selten, in den ernsten Fällen der Gemeinde, pocht ein Verzweifelter an da- Fenster dein tiefstem Nachfinnen versunkenen Candidaten und wie ein Lauffeuet gehen die Wundertbaten de- Hoffnung-vollen von Dorf zu Dorf, von Hütte zu Hütte, und Niemand ist größer alder fromme Rabbi, niemand würdiger al- Heiliger verehrt zu werden, als Redbe Mordchai in H.. in der Templiner Gespanschaft gelegen. In der That müssen wir diesem jüngsten Candidaten alle- Lob spenden und hatten wir mehr aleinmal Gelegenheit, diesen wahrhaften gammln in Israel zu begrüßen. Doch wenden wir unauwem dumpfen Stüblein eine- Candidaten in die Wo^auno/ einepraktischen Heiligen, und holen wir, wenn auch nur im Geiste, all« jene Gläubigen jm Magyarenlande ab, die mit undie hohen Feiertage beim'Rebben in Liszka zubringen «ollen. Wir defindm unin Marmaro- Szigeth, einer Stadt an der Teiß, die von mehr öl- 3500 Judm bewohnt ist, die 13% der Bevölkerung au-machen. Da gerade die 10 Bußtage, so ist da- Gedränge und Getreide unsere-Volke-außerordentlich. Dochwelch eine Urb,rraschung! Während in den unbekannten ungarischen Städten ein. Gemisch von Judm verschiedener Richtung lebm, sieht man' dahier eben nur Chassidim, sämmtlich in polnischer Tracht. Außer dem., jüdischen Arzte, dem Lehrer (der aber ohne Schult und Jugend) und einigen Kaufleutm, denkt, spricht, und träumt allech a s si d i sch, selbst die klemm Bocherle, die um keinen Preis zu bewegen sind, die Normalhauptschule zu besuchen und lieber von früh bi» spät ln-die Nachi)>«im Melamed in der Claus sitzen und lernen. Rabbi de- Orte-, ein Enkelchen degroßen Rabbi Moscheh Teikelbaum „ban" ist zwar als. tüchtiger Talmudtst gerühmt, doch keiner lebmden Sprache nur einigermaßen mächtig. Mehrmals wurde schon der Rabdlnerposten für diese-^rmitat seitender h. Regierung nu-geschneben, doch jede-^Mal ohne Erfolg, da niemand e-wagt, de» Bannstrahl degroßen Frommen 'auf sich zu laden. Die Christen und Juden dieser Gespanfchaft lebm auf keinem vertrautm Fuße und ist eine Abneigung nur allzusehr wahrzunehmm; und wenn irgzrzdwo im Magyar renlaade «ine gemäßigte Reform am Pla-tze wäre, so wäre eln Marmors- Szigeth, im Comitate der Stramel und Bekeschel. Die Sonne lMchttte schon über die Berge, alich am anderen Morgen erwachte. War mir doch alwenn währmd der Nacht an unserem Fmstrr der.Schülkopfer tüchtig geklopft habe und.waren in That meine Reisegefährten noch immer nicht auder Synagoge zurückgekehri. Solch« nin^bvnächte sind ln Ungarn höchst originell und wenn di« Mehrzahl der Gemeinde sich wohl erst um 3 Uhr in der Nacht versammele, so.ist doch eia großer Theil schon um 2 Uhr auf den Beinen. Bevor dt« mrrsD beginnen, werde« von de» Fromme»