Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 40 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.153 von heute Nacht ungeheuer angeschwollen und hat Weg und Steg fortgerissen, so daß ich ihn nur nach einem weiten Umwege auf einer Furth passiren konnte." Der Ankömmling war unstreitig ein untergeordneter Mann und da er die Fachen de- Rittertrug, von seinen Hausleulen. An Gestalt unbedeutend, ja schwächlich, leuchtete auseinem Gestchre eine ungewöhnliche Schlauheit, und wer everstand, konnte auden Falten zwischen feinen Augenbrauen eine Habgier und Herrschsucht lesen, welche dem Charakter diese- Manneeinen großen Nachdruck geben mußten. Die beiden Reiter ritten jetzt 'neben einander, langsam den Waldpfad hinauf, welchen der Ritter gekom-. men war. John, der die Ungeduld seines Herrn kannte, begann alsbald: „Ich könnte Ihnen,- Herr Graf, jetzt schon zu der Erfüllung Ihrer Wünsche gcatuliren! Herr von Kronenberg willigt in Alleein, er will Ihnen die Burg Kronenberg und alle dazu gehörigen Ländereien ab- | treten und übergeben, und den Sohn seines einzigen verj stordenen Bruderdadurch übergehen, daß er Ihnen seine j Herrschaft als eine Schenkung unter Lebenden abtritt — j Hindern ssse sind hierbei nicht zu fürchten, denn der Kaiser hat in Italien zu viel zu kämpfen, um sich um ein thüringische- Lehn zu kümmern und wo kein Klager ist, ist kein Richter, der kleine Bursche soll Ihnen einen Besuch auf Alrenburg. abstatten. — —" John, der Verwalter de- Grafen von Alteyburg blickte bei diesen Worten seinen Herren bedeutsam an, und dieser nickte mit dem Haupte, aiob er jenem fein Einverstandniß kur; andeuten wollte. Der Graf wartete einige Augenblicke auf die Fortsetzung de- Berichte-, und rief dann ungeduldig qzrs: „Run, was verlangt der Kronercherg dagegen? Heraus mit der Sprache, ohne Zögern und Rückhalt - " „Ja, das ist es eben — ich habe alles Mögliche aufgeboten , um den Mann breit zu schlagen und von seinen Forderungen herabzustimmen, aber er blieb dabei —" „Nun, was verlangt «? Sprich —" . „Nicht mehr und-nicht weniger als tausend Goldgulden. DeS Haders und Kampfemit.seinen wilden Nachbarn überdrüssig, will er sich mit dieser runden Summe in sein Haunach Nürnberg zurückziehen und da die letzten Jahre seine- Lebenruhig verbringen —" Bei Nennung dieser Summe, die für die damalige Zeit enorm war, hatte der Graf, wie von Erstaunen gefesselt, .sein Pferd angehalten und sich seitdem nicht von der Stelle bewegt. „Und solche Summe konntet Ihr ihm einräumend — und voll Unmuth'S schlug er 'mir der geballten Faust auf denSgrreltnopf, daß da- Roß unter ihm fast zusammenbrach. „Einzeräumtl wa-hatte ich wohl «inzuräumen? Alle meine Beredsamkeit, alle möglichen Ranke und Praktiken ließ ich aufspielen, um eine Hundert nach der andern herunter zu pressen, aber vergeben-. Der alte, eigensinnige Mann blieb starr und steif, erzählt« mir immer wieder den Werth seiner Herrschaft, bi« Zahl der Leibeigenen, den Ertrag der Zehenten, Frohnen, Abgaben und dergleichen auf, um mir zu zeigen, baß tausend Goldgulden eia Spottgeld seien. Er habe sich diese gleich anfangs festgestellt und. würde Nichts davon «blassen, und wenn alle Heiligen zur Fürbrache kämen." Der Ritter eilte vorwätts und sprach unmurhig: „Da habe« mir deine Unterhandlungen wenig genützt, und es wäre ebenso gut gewesen, ich hätte ein alte- Waschweib hingeschickt — das konntet Ihr Euch doch denken, John, woher soll ich denn diese rasende Summe nehmen?" — „Das habe ich den Herrn von Kronenberg auch gefragt und ec meinte: Ihre selige Frau Mutter hatte doch viele schöne Golddatzen in ihren Truhen gesammelt, und wozu hattet Ihr denn Juden in Eure Dörfer eingesetzt, wenn diese Blutegel nicht für Sie bluten wollten , . Der Ritter stutzte; er fühlte, daß dievon Seiten seines Begleiters ein Versuch sein sollte, ihn auf eine gewisse Fährte zu bringen. . . „Willigt er denn nicht wenigstens ein, die Summe in bestimmten Rachen entgegen zu nehmen?" „Dahin habe ich ihn beschwatzen wollen," .antwortete John, „adtt der schlaue Fuchs ließ sich nicht darauf ein; ec meinte, Sie würden keine Rathe-Zahlung leisten, wenn Ihnen nicht sofort die Burg Kronenberg übergeben würde, und was hätte er dann für Bürgschaft, daß Sie die zweite und dritte Summe zahlen würden?" „Mag sein, denn wer verbürgte mir, daß ich' die Feste jemals bekommen würde, wenn ich theilweise zu zahlen angefangen hätte. — Also, John, an der Sache ist Nichts mehr zu ändern?" „Nichts mehr. Ich kenne kein Mittel, um den alten Ritter zu einem anderen Entschlüsse zu bringen, und unbillig ist es auch nicht. —" Die Beiden ritten nun stillschweigend neben einander. Sie kamen jetzt audem Walde heraus und ein prächtiger Anblick bot' sich ihnen dar. Eine grüne, sanft ansteigende Höhe, vom Waloe entblößt, lag vor ihnen, dann stieg dieselbe plötzlich schroff empor und war da von einer ausgedehnten Burg gekrönt. Die Sonne stand schon über den Bergen im Westen und beschien mit ihren goldensten Strahlen die-"Thürme, Mauern und Zinnen der gräflichen Veste. Am Fuße der Höhe lag ein stattliches Dorf, dessen Wohnstätten sich weithin gruppirten von Gärten und Feldern umgeben. In der Tiefe des Thales schlängelte sich ein ansehnlicher Fluß, an dessen anderem Ufer der Wald wieder begann und neue Bergwände Hinanstieg. Die Reiter unecktkn wenig darauf, chie Reize der ihnen bekannten Landschaft blieben wirkungslos und der Ritter rückte nur sein Barett auf' das linke Ohr, um sich vor den Sonnenstrahlen zu schützen, und trocknete sich wiederholt die Stirn, denn jene brannte heftig. „Die Goldbatzen in meiner seligen Mutter Truhen find längst verschwunden; der Sold meiner zahlreichen LandeSknechte und die Fehden mit den Gleichen und TraulenauS haben sie alle verschluckt, wie dürstende Raudthiere. Und von meinen Juden kann ich auch Nichts mehr herausbekommen, als meine eigenen Schuldverschreibungen, denn sie haben schon über die Maßen heraus gegeben." „So müßte denn der schöne Plan aufgegeben werden" — warf John hinein. Aber er hätte bald Ursache gehabt, dies« Aeußerung zM bereuen, denn der Graf fuhr auf, und mit der Hand nach dem Schwerte, und zur Hälfte war dieseschon gezogen, als er sich bemeistecte und inne hielt. „Aufgegeben — Schurke, wer spricht'von Aufgeben in der Gegenwart de- Grafen von Altenburg — ich gebe Nichtauf, und alle die Höhen und Burgen, die ich vom Thurme meine- Schlosseringsum erblicke, müssen mein fein, bevor zehn Jahr« in die Welt gegangen.— Das had« ich geschworen, und halte meinen Schwur."