Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 40 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
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ICO der Gemeinde Psalmen recitirt, und erst beim Eintreten de- Rabbi werden di« nrpho gesagt. Unser« R«is« führt« unS durch bi« freundlichste Gegend und obwohl an einem Herdstmorgen, waren , doch dir spärlichen Sonnenstrahlen noch immer wärm zeaug, die üppige Flora der Gegend dem Botaniker zur Ausbeute bienen zu lassen. Wir gingen -wohl stundenlang dem Ufer entlang, welches von der üppigsten. Flora begrenzt wird, während unsere Reisegefährten tn H uz t, einem nahe gelegenen Städtchen, uns erwarteten. — icigi.) Einige geschichtliche Notizen über die Stellung der Jude» in Zolkiew sGalizienunter beu verschiedenen Besitzern desselben bis zum Einzüge der Oesterreicher 1772. Pon Nehemia « V ander in. Belechow. lLa>.uß-> Im Jahre 1691 brach in Zolkiew eine Feuersdrunst auS und verzehrte alle Sradtprivilegien. König Johann Ili.^erlieh daher am 11. März lt>93 der Stadt ein ' neues Privilegium, worin auch dte Stellung der dortigen Juden einigermaßen geregelt wird. Es wirb ihnen dann i zuerst gestcktlei, bei der Wahl der Geschworenen (Gemeinde-! beamten) gegenwärtig zu sein (adewe),*) und ein eigenes Babehau» zu besitzen; femer wurde durch dieses Privilegium die noch bestandene Ungleichheit in den Abgaben zwischen Juden und Christen aufgehoben und festgesetzt, -daß sowohl die Haussteuer, als auch die kommunalen Bei- ' trage ohne Uaterschird der Confession gleich geleistet. werden sollen. Wichtig ist besonders in diesem Aktenstück der Passus in Betreff der Steuertaxirung. Es heißt daselbst also : Zur Bestimmung der Steuern für die Republik und anderer Privatleistungen soll eine Commission vün 12 Männern, je 2 von einer Zunft und 2 Juden, einberufen werden,- die i Alle« genau zu taxiren haben, ohne Jemand irgend Unrecht! zujufügen. Dieser Punkt sichert den Juden Z's «ine > Art verfassungsmäßiger Theilnahme an der Steuerbestim- ' mung gleich allen Bürgern Z's. — König Johann So-; dieski hat im Allgemeinen sich wohlwollend den Juden i gezeigt, er war ein tapferer, großmüthiger und gerechter König! Nach dem Tode de» Königs übernahm, dessen Sohn Konstantin Sobieski die Regierung der Stadt. Der Geist des Vaters in Betreff der Juden haue sich auch auf den Sohn vererbt; denn als im Jahre 1699 zufällig in Zol» kiew ein Feuer ausbrach, wobei 20 jüdische Hauser ein j Raub der Flammen wurden, erließ-ihnen Konstantin alle! Abgaben. Roch mehr, wir finden unter Ihm im Jahre > 1721 tn Zoltiew einen jüdischen Apotheker, Namens Mo-! ses Chaimowicz. 1) Die Stelle giebt nicht genau an, was unter diesem Adewe verstanden wird. Wahrscheinlich wird hier eine Betheiligvug bei der Wabl der Geschworenen gemeint, nämlich daß sie stimmaber nicht wahlfähig find; denn gegenwärtg bei der Wahl zu sein, ohne irgend na Borum zu haben, ist keine so große Wohlthat, daß besten in einem Privilegium ausdrücklich gedacht werben soll. Zolkiew kam hierauf durch Verkauf an die Familie Radziwillow. Der erste Besitzer Zolkiew's von dieser Familie war Fürst Michael Kasimir Radziwill. In den katholischen Pfingsten des I. 1746 wurden hier ein Jude und 3 Jüdinnen ermordet; der Mörder wurde hierauf erwischt und enthauptet, und zum abschreckenden Beispiele des Mörders Haupt auf einen Pfahl gesteckt. Im Jahre 1758 fand hier ein furchtbare- Ereigniß starr. Am 3. April nämlich übernachtete Maier Jakobowicz au» MoSciSk im Hause eines gewissen Juden Pasamonrk, wo er des Nachts seiner Habe beraubt, geschlagen und fast leblos auf die Straße geworfen wurde. Isaak Pasamonik, Leiser und Elias Burkownik wurden daher fest genommen und auf der Tortur verhört. Alle drei und zwar jeder besonder» wurden 1. Aracli « l candeüs tisli, (geschleift und mir Kerzen gebrannt), 2. abermals ararti et eaudelis usti, und 3. aracti et ferro candenti usti, (geschleift und mit glühenden Eisen gebrannt), und al» sie hierauf ihr Verbrechen eingesianden, wurden sie, obwohl sie eigentlich den Juden nicht gerödtet hatten, nach Art. 38 des Magdedurgischen Rechte» in Zolkiew mit dem Schwerte enthauptet. *) Im Jahre 1770 brach eine furchtbare Pest aus, die sich schnell über ganz Polen verbreitete, besonders in der Umgegend von Zolkiew wüthete sie sehr stark. Aller Handel und Verkehr hörte auf; beim man war nur auf Rettung de» Lebens bedacht. Wie da- Gras unter de» Mäher- Sense, so fielen Jung und Alt unter den Streichen der Pest, überall lagen Leichen umher, wie nach einer Schlacht; denn ewar Niemand, der sie beerdigte; trostlos irrten , die Menschen umher. Die Juden Zolkiew's flüchteten sich in den Blpszczpwodzkischen Wald, wo sie sich obn« Nahrung umhertrieden. Erst im Monate Oktober, al» die Kalte eintcat, hörte die Pest auf, die so lange gewüthet. 1800 Juden starben in diesem Walde an der-Pest. Viele Juden wallfahren noch setzt zu den Gräbern ihrer Vorfahren in dem Blyszczwodzkischen Walde. Mit dem 24. Juni 1772, als daösterreichische Heer daselbst einzog, und von Zolkiew, wie von ganz Galizien im Namen der österreichischer Regierung Besitz nahm, hört Zolkiew auf, einen Staat im Staate zu bilden, und die weitere Geschichte der basigen Juden gehört in die der österreichischen Juden. 1) Das wir von solchen Geständnissen auf der Tortur halten sollen, ist genugsam bekannt. Allgemeine Zeitung des Jndenthums. Ro. 39. 1861. Leitende Artikel: Das Wahlprogramm der feudalen Partei in Preußen. — Jerusalem ll. — Pariser Briese. VI. ZeitnugsuachrichteurDeutschland: München,Karlsruhe, au» Württemberg. Preußen: Dramburg, Lammin. Oefterreichischer Kaiserstaat: Wien. Die Schweiz: Tübingen. Frankreich: Paris, Paris. Rußland: Warschau. Niederlande: Luxemburg. Italien: Nus Oberitalien SP Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thal«, vierteljährlich X Thaler. Verantwortlicher Redacteur SU RAtze. »crl«t »o» Vnchh«,d»>»K i» r«vp«. — ba* »o» A. Lretzsi», t» Lechpg. » —— ■ ■