Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 40 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung unk) Unterhaltung auf jüdischem Zebiete. HerauSgegeben von * Rabbiner Dr. Ludwig Philippsoa in Magdeburg. Mo. 40. 1861.] Bov bitfct 3riti*dft eritelat wSchrmlich eine Nummer. Preil de« Jahrgang» 1 Tdlr. Vierleljah,ig 7 'X Ngr. Alle vuchhanblnnge», Postämter unk Zeilung«crprditiö»ro nehmen Beftellungrn an. [8. Jahrg. 4. Quartal] Die Nekomoh. Erste Erzählung. ' 1. I wieder einsam.mitten aus großenWäldern hervocragmdLierdm \ der Landschaft, aber Schrecken der Wehrlosen undSchwachm. Nichts ist außerordentlicher als die Veränderung, welche ein halbes Jahrtausend auf die Oberfläche des europäischen Bodens grübt hat. Wenn auch damals schon die ersten Grundlagen zu der Mehrzahl der Städte gelegt waren, welche jetzt freilich in nie geahnter Größe und Pracht prangen, so war doch der größte Theil der Länder gegen jetzt eine wahrhafte Wildniß zu nennen, und Wald und Sumpf dehnten sich'über Berge und Ebenen aus, nur hier und da von einem mäßigen Anbau, der in der Waldwüste einer Oase glich, unterbrochen. Dazu tam der Mangel an Straßen und Wegen, da sich nur wenige größere Heerstraßen als Handelswege über die Länder zogen, man sich aber sonst von Ort zu Ort. von Dorf zu Dorf half, wie man gerade tonnte und bas Bedürfniß mit sich brachte. In jener Zeit waren die Juden die größten und unentbehrlichsten Wohlthäter der menschlichen Gesellschaft, weil ohne sie rn den meisten Gegenden di« wichtigsten Bedürfnisse unbefriedigt geblieben wären. Sie waren eS, die nicht allein aus einem Welttheile in den andern die kostbarsten Waaren nach den Hauptstapelplätzen des Handels brachten, sondern auch von diesen in immer kleineren Massen die Güter selbst in die entferntesten Orte schafften. Dies war denn auch eines der Mittel zu ihrer wunderbaren Erhaltung, ihre Unentbehrlichkeit. Hauen Fanatismus und Habgier sie aus einer Gegend vertrieben oder ausgerottet, so fühlten die Bewohner alsbald die völlige Stockung alles Verkehrs so sehr, daß sie sich bald wieder nach ihnen umsehen und sie durch Privilegien herbeilocken mußten. Es war .in. der Thar nicht der Geist der Duldsamkeit und Gerechtigkeit, welcher den großen und kleinen Fürsten und Herren die Hand führte, wenn sie den Juden Rechte gewährten, die nach damaligen Begriffen von großem Werthe waren; Eigennutz, Bedürfniß, Nothwendigkeir dictirten die desfallsigen Dokumente. -Womit aber di« Länder damals mehr bevölkert waren als wünschenswerth, das waren die Burgen und Schlösser der adligen Herren der verschiedenen Rangstufen. Da waren wenige Höhen, dir nicht mit solchen Eulen»,stern gekrönt waren, und in einem hügeligen Terrain konnte ein Blick oft die Thürme von zehn oder zwölf solchen Burgen umfassen. Natürlich dies in bevölkerteren Landstrichen, namentlich wo ein breiter Sttom durch die Berge sich wand; denn laadeinwäns lagen die Wohnungen stolzer Geschlechter ES war an einem schwülen Sommemachmittag, daß ein einsamer Ritter einen durch, das Gehölz gehauenen, von der Höhe zur Thalsohle sich senkenden Weg ritt. Der Pfad war von Rasen bedeckt, so daß di« Hufen des Pferdes nur einen geringm Wiederhall weckten. Die Kronen der Baume bildeten ein« dichte Laube, so daß nur wenige Sonnenstrahlen hindurch dringen konnten. Dennoch war die Luft sehr schwül im Walde, weil jeder Windzug fehlte; Wild und Vögel schienen zu schlummem, es rogtt sich Nichts. Dennoch eilte der Ritter ziemlich rasch vorwärts. Panzer und Ringkragm umschlossm ihm Dmst und Hals, und sein großes Schwerthing an seiner Linken; sonst aber war er wie ein Mann des Kriedms gekleidet,' und das Sammet» darret mtt der weithin flattemdm Reiherfeder deckte sein stolzes Haupt. Jawohl, stolz. Der Ritter schien kaum dreißig Jahr« alt; das Fmer seiner Augen, die Rothe seiner Wangen unt>e di« Hellung seines braunen Barteschienen sogar auf noch größere Jugend zu deuten, aber feine mächtige Gestatt, die nicht minder breit wie hoch, djer Stier, nacken, der.dm großen, runden Kopf trug, wiesen auf das Alter voller und gediegener Kraft. Als ^der Pfad die Tiefe des Thales erreicht hatte, durchschnitt ihn ein Kreuzweg. Der Ritter hielt hier an, und blickte den ketzeren nach rechts weit hinauf. Er schien ungeduldig, da er NiemaNdm bemerkte. „Ich muß hier stille halttn, einen dieser Wege muß er kommen, aber welchen?" Eine Zeit lang wartete der Ritter, dann brummte er einen Fluch durch die Zähne, kehrte dm Pfad, dm er gekommen, eine Strecke zurück, und wandte sich dann wieder zu dem Kreuzwege. Er hatte diese Operation mehr« Mal« wiederholt und alle seine Geberdm deuteten darauf hin, daß feine Ungeduld aufs Höchste gestiegen, als wirklich aus der Feme das Schnauben und Jagen eines Pftrdes hörbar würbe. Rasch eilte der Ritter zur Sttlle und dem Nahenden mtgegm. „Bei unseret liebm Frau!" rief der- Ritter aus, „bei der Eile, John, die Ihr zu haben scheint, hätte ich kam» so lange «attea müssm. Ihr habt die verabredete Stunde längst verfehlt!" „Gnädiger Herr t" erwiederte der Augeredete, „wer mir dem Herr« von Kronenberg zu thun hat, der wird schwerlich jemals eine vörausbestlmmte Zelt einhattm. Dann aber ist auch der Sieldach nach dem fnrchchawch Gewitter A