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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 38 (1861) · p. Seite 151

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
38 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
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ten, Du brauchtest nur dem Rufe zu folgen. Dich zu gürten um die Lenden, den Stab in der Hand, Du brauchtest nur den Mulh zu Kaden, die Fische und die Fleischköpf« Aegyptenzu verlosten, und den Weg zur Wüste einzufchlagen, wo die Freiheit wodnt. Dieist die Lösung für dai^RLthsel in allen äußeren Ereignissen unsres Lebend. Was Gotte« ist varin und was unser? Wo Du Hindernisse glücklich überwunden, da thatest Du es mit Kraft und Ausdauer, auf dem Wege des RechtS und der Liebe, den Blick fest zum Herrn wie Israel gegen Amalek erhoben, — wo Du Rettung fandest auS großer Noch, Erlösung aus tiefer Knechtschaft, der Ewige führte Dich heraus, wenn Du Dich willig und fähig zeigtest und ihm folgtest — wie Israel auS Aegypten. Dies ist Alles, nichts Drittes giedt es — nur erwäge und bedenke eS — heute . I. . — Ader Much und Ausdauer, Recht und Liebe, Gottvertrauen und Entsagung, woher kommen sie? Nicht-auS unsrer inner» Geisteswelt? aus der Welt der Gedanken und Gefühle in unserm Haupte und Herzen? So lasset un» jetzt den Blick nach innen wenden, in diese geheimnißvolle Werkstälte unsres wahren Lebens. Wenn Zhr am Ufer eines Strome« stehet, sehet Ihr, wie die Wellen immerfort, ohne Unterlaß heranrauschen und dakin und vorüber? Ader die Sonne scheint blitzend darauf und legt, wie einen silbernen Balken auf den Strom; und nun schießt jede Welle an diesen Silderdalten deS Sonnenlichtes heran und unter ihn und wird von ihm hell und glänzend beleuchtet, und dann fließt sie darunter hinweg, weiter, weiter in's Dunkel wieder. Die» ist der Strom unsrer Gedanken und Gefühle, jeder Gedanke und jedes Gefühl strömt herauf, einen Augenblick unter dem Hellen Lichteres Bewußtseins weilend, wie jener gedacht und dieses gefühlt wird, dann vorüber in'S Dunkel wieder. Ader kein Gedanke und kein Gefühl gehl verloren; alle sind sie aufv,wahrt in den Schatzkammern unsrer Seele; jeden Augenblick kann jede« derselben wieder hervorgeholr und noch einmal unter den Lichrdalken des Bewußtsein« hindurchqeführt werben, noch einmal gedacht, noch einmal gefühlt. Nun? wa« hellt uns da über unfern ganzen GeisteSstrom und all seine einzelnen Wellen auf? Wer sagt unS, ob eS ein schöner, breiter, klarer Fluß ist, befruchtend und segensreich ringsum, feine reine Flüssigkeit in die Ufer, seinereinen Dunstes in die Luft sendend — und daran viele Fruchtbaume wachsen und ihre Wurzeln in da« Wasser strecken? Oder od eS ein trübes, unreine« Gewässer, da« in den Sand oder gar in den Sumpf sich vertiert, das Lehm und Schmutz, Salz und Schwefel mit sich führt, die Pflanzen an feinem Ufer erstickt, die Luft darüber verpestet? Auch da ruft un« da« h. Wort «in zwiefache« t3T zu, da«/ wohlerwogen. Euch zum Urtheil über Euch selbst bringt. Zuerst: n na nexpn -nv« na nswn V« *vot atn o^p^rr n* es« u nax-* i®a otv» pfcf'n'nt „Sei eingedenk, vergiß nicht, wie Du erzürntest den Ewigen, Deinen Gott, von dem Tage an, da Du auSzogrst, biihr an diesen Ort gelangtet! (5. Mos. 8, 7 ) — E« ist so, der Geist der Versündigung geht durch unser Aller und unser ganze- Leben! Od der HerreSist, der un« in'« Leben rief, der un« in ihm erhält, der seiner Gaden, seiner Wohltharen Füllhorn über unergießt von Tag zu Tag, von Augenblick zu Augenblick — wir erzürnen ihn dennoch, wir sündigen wider ihn immer wieder, immer von Neuem. Stelle Dich noch so trotzig, wirf da« Haupt noch so sehr zurück kannst Du es tä ugnen, daß Du ein Sünder bist vor ihm, ach, allzu vielfältig. AlS Kind schon sündigtest Du. denn ob Dir hundertmal zugerufen ward; ehre Deinen Darer und Deine Mutter — hast Du immer dagegen gefehlt. AlS Jüngling und Jungfrau sündigtest Du denn ob Dir hundertmal gelehrt ward: nutze Deine Jugend wohl und vergeude nicht die Fülle Deiner Kraft und Zeit — thatest Du eS; schließe Drin Herz b^r wilden Begier und der wüsten Leidenschaft — o. Du sperrtest die Pforte weit, weit auf. Als Mann und Weid sündigest Du oft au« Eitelkeit, au« VerleumdungSfucht, auS Habgier, aus Neid und Haß — und selbst Du, GreiS, Du, Greisin, defleckleft Du Dein graue« Haar niemals mit Sünde? . . . O Herr, wie oft erzürnten wir Dich vom Tage an, da wir auSzogen, bi« daß wir gelangten an diesen Ort und zu dieser Stunde! i:on ai '3 n/ion, „des Ewigen Gnade ist'«,; daß wir nicht untergingen" (Thr. 3. 22.) Und nun gedenken wir: wie und wodurch sündigten wir wider ihn? j durch Unterlassen deS Guten und durch Ueden deS Bösen? als Menschen? al« Israeliten? In Handel und Wandel und unftrm Berufe? al« Kinder? äl« Ellern? In der geheiligten »Ehe? al« Geschwister und Freunde? Geschah es öfter auS Jrrrhum oder mir vollem Bewußtsein de« Bösen? Waren wir fehlende, oder Was D'-'ö’a „widerspenstig gegen den Ewigen" dauernd, hartnäckig, verloren? . . . O 173 *6 „nicht endet Deine Barmherzigkeit" — aber an unS ist eS zu gedenken, ernst und anhaltend, p-3ir? ora am Tage deS Gedächtnisse«! Nach diesem tritt aber endlich fast noch ernster und , dringender das letzte 1137 zu unS, jene» ^i3T, da« vom I Sinai selbst zu uns tönte und tönt: na®n du na ii3r i©ipr „Gedenke de» Ruhetags um ihn zu heiligen!" (2. Mos. 20, 8.) E« ist nicht bloS der Sabdath, e« ist da« ganze große Gesetz der Heiligung, das der Herr über unser Leben gelegt, und von dem der Saddath ein nia, ein Symbol und ein Träger ist — ti ist da- Gebets Ihr sollt Eych heiligen, denn ich der Herr Euer Gott ' bin heilig da« da zum Gedenken vor uns erscheint: diese« Gesetz: heiliget Euch, worauf nun aller Werth, alle Würde, aller Inhalt de« menschlichen Leben« beruht, aller Inhalt, wie ec nicfjt Schein, nicht augenblicklich, sondern dauernd, für die Ewigkeit ist. Wa« bedeutet der Saddath? Daß mitten im Bürgerlichen und Weltlichen, mitten im Materiellen wir einen Tag einen Adscheid machen sollen, um dem Geiste, um der Religion, um Gott zu leben, einen Tag, wo wir un« über da« Weltliche, Bürgerlich«, Materielle erheben, um im Geiste und mit Gott zu sein; e« ist die Befreiung unser- Geistevom Drucke de« Materiellen; einen Tag sollen wir aufhören Knechte de- Mareriellen zu sein-', um un« als Israeliten, al« freie Diener de« Herrn, al« Träger de- Geistes, de« relig. Geistes zu dethätigen. Und nun den Blick noch weiter: dessen sollen wir eingedenk sein durch da« ganze Lebe», daß wir nimmer tief und immer tiefer und ganz und gar im Materiellen versinken, und des Geistes ganz daar und Gottes und de« Leben« in und mit ihm ganz vergessen werden. Ja, auch dies ein schwerer Kampf dks Menschen, den das materielle Leben lockt uqd verstrickt, da es sich

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