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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 38 (1861) · p. Seite 152

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
38 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 152 (sequence 4)
Language
German
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152 ihm erst als unumgängliches Bedürfnis aufdcangt, dann aber ihn ganz und gar umfangt als ein ganzes Element, alS allein anziehend und ihn völlig beherrschend. So gedenke dessen deute: was hast Du im verflossenen Jahre gerhan für Deine Heiligung k frage Dich: wie weit hast Du daS Gebot der Heiligung beobachtet und bewahrheitet i wie weit hast Du Dich zum Sklaven des Materiellen erniedrigt?—Knecht deS Erwerbs, ein Diener des Genusses und weiter, nichts i WaS hast Du für. Deinen Geist, für den religiösen Geist in Dir gerhan i waS hast Du gethan, um edler, besser, reiner/ segensreicher, erhabener in Deiner Seele, in Deinen Worten und Handlungen zu werden i um gotteSfürchriger, zu Gott erhabener, mehr gottähnlicher Mensch, mehr wahrhafter Israelit zu sein i ES sind schwere ernste Fragen, die uns da vorgelegt werden, aber es ist auch ein schweres, ernstes Fest, daS wir feiern — ein fünffaches -»127. Segeln gedenk Deiner ganzen Vergangenheit, eingedenk Des Feindseligen in Deinem Leben und> wie Du es üdenmmdrn, eingedenk der Rettungen, die Gott Dir gesandt,^sei eingedenk, wie oft D» ihn erzürntest, da Du sünomrest vor ihm, eingedenk,, wie weit Du im Kampfe des Materiellen Dich dessen erwehrtest und Dich heiligtest. Dadurch ist dieser Tag eia ynstn ov — darum hat ihn m Religion auf unfitm Weg gestellt — allen denen, dieUkn ihm all Dessen gedenken, zum Heile, denn dadurch erkennen wir uns selbst und deschrriten wir von selbst den Weg der Besserung, deS Heiles, den Weg, der zu Gott führt. — Einige geschichtliche Notizen! .über die Stellung der Juden in Zolkiew (Galizien)! unter den verschiedenen Besitzern desselben bis zum Ein-; zuge der Oesterreicher 1772.! Bon Rebemia» Lande» in Bolecbow.') Winniki, eine rothrusstfche Kolonie, 3^ Meilen von; Lemberg entfernt, hat schon im 14. Jahrhunderte sowohl j wegen seiner reizenden Lage, als auch wegen des Wohl- , standeS seiner Einwohner die Aufmerksamkeit auf sich ge- I zogen. Don Süden gegen Westen umgaben Bäume den j runden Hügel, welchen ein, den an Naturwundern reichen Boden befürchtender See umschloß. Der Boden, wechselweise fett und sandig, belohnte durch reichliche Ernte die Arbeit deS Sandmannes und kettete ihn an denselben, wo er in Ruhe und Glück feine Tag« verlebt«. Allein daS Glück der Bewohner Winniki'S wurde durch di« häufigen Uederfälle der Tartaren, die, Tod und Verheerung um sich verbreitend, überall,' wo sie hinkamen, ihr« Tritte mit Blut färbten, gestört; und die armen Landleure sahen sich oft geaöthigt, ihre Hütten den tartarischea Horden -reiszugeben und in den Wäldern Schutz gegen ihre Grausamkeiten zu suchen. Sobald aber des Feindes 1) Nachstehende Notizen über die Juden in Zolkiew entnehmen wir einem in Lemberg 1852 erschienenen Buche eines Dominika» »erunter dem Titel „PamiAtki miaata Zölkwy“ (Denkmäler der Stadt Zolkiew). Heer wieder abgezogen war, kehrte der ruhige Landmann zu dem heimarhlichen Herde zurück, um aufs Neue im Schweiße seines Angesichtes den Bedarf an Getreide u. dgl. der Mutter Natur adzuringen. Bei den fo oft sich wiederholenden Uederfallen sah sich endlich, der damalige Besitzer Winniki'» Stanislaus Aolkiewki, im Jahre 1594 genörhigt. einen gewissen Punkt daselbst zu befestigen, um in Zeiten der Gefahr den flüchtigen Einwohnern ein Asyl zu gewahren. Als ec gegen den hochmüthigen Hospodaren der Walachei zu Felde zog, schrieb er von dorr an seine Gemahlin/ die Stadt nach seinem Namen zu benennen; und in der Thar wurde im Jahre 1598 das Dorf., Winniki in die Stadt Zolkiew umwandell.') Der Zeitraum, in welchem die Juden nach Zolkiew eingewandert sind, kann nicht genau angegeben werden; ihre Einwanderung daselbst fallt wabrscheinlich in das 15. und 18. Jahrhundert, in die Zeit nämlich, als die Juden aus Deutschland und Frankreich vertrieben, sich nach Polen mir den Trümmern ihrer Hadseligkeiten flüchteten. *) Der Zeitpunkt, in welchem wir in der Geschichte Zoltiew's der Juden Erwähnung finden, ist das Jahr 1801 , in welchem die Stadlchronik daselbst errichtet wurde. Die Juden bewohnten zu. der Zeit den nördlichen Stadttheil, wo nachher im Jahre 1621 nach Errichtung derStadtm a u e e n--das hier angebrachte Thor den Namen „Judenthor" erhielt. Dieser Stadttheil, welcher den Juden daselbst eingeräumt wurde, war aber kein Ghetto, wie es die Juden in Frankreich, Deutschland und Italien inne hatten, das in der Nacht gesperrt wurde; fast in keiner polnischen Stadt findet man bas Ghetto. Ihre Stellung daselbst war zu jener Zeit, wie man sich leicht denken kann, eine drückende; denn obwohl sie als Bürget betrachtet waren, so mußten sie doch zu den kommunalen Bedürfnissen stets daS Doppelte als die Einwohner einer andern Confessio» leisten. So liest man, daß die Juden zu den im Jahre 1609 in der Stadt zu errichtenden 2 Brunnen 6 polnische Groschen, während die Christen nur 3 beisteuern mußten. (Stitf. felgt.) 1) Daß Zolkiew aus Winniki entstanden, beweisen Munim. Eaiac Kulik. pag. 88, 40, 53, 61, wo eS heißt: „civitatis Zoikiev, quae antea Winuiki viUa fuit“ 2) Nach Jost. — _ Curiosum. Am 11. b. M. stacd in Brüssel im israelitischen Krankenhaus« «in Arbeiter, Namens Pollack, in einem Alter von 113 Jahren. Allgemeine Zeitung des Ju denk hum». Ro. 37. 1861. LeitendeArtikel: Das Berhältniß, der protestantischen Kirche zum Judenthnmr. 1\ — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg- Preußen: Au» dem Posenschen, Salzwedel. Köln. Oester» reichischer Kais erst a at: Boskowitz Die Schwei z:Au» dem Aargau. Rußland: Warschau; Serbien, Belgrad. Donau» fürsteuthümer: Magdeburg. Lorrespondenz: Noch ein Won zur SchnlinspectionSsrage. C3T Zu beziehen durch jede» Postamt uud jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA Thal«. Verantwortlicher Redakteur St* Dtäbe. Scttea M« Saxvfittxet’• Dnchhaxdlnxi tx — Drxü »ox G. »r«»six| ix ret»p|.

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