Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 38 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Leben« macht da« reden au«. Also de« Inhalt« Deine« Leben«. Da breitet sich aber vor uns au« unser Leben al« ein zwiefälrige«: unser äußere« Leben inmitten der Menschen, mit und an den übrigen Menschen, unsere Ber- . hältmsse unter ihnen di« in da« Heiligthum unsre« Herde«, di« in unser Familienleben, all die tharsächlichen Er- — eigniss« und Erfolge. - und dann unsre innere eigenste Welt, in unsrem Geiste, in unsrer Seele, in den Fehei-, men und doch so bewegten Kammern unsre« Herzen«, da« da lebt und klopft und fühlt und denkt und will Und so sehr die Mehrzahl der Menschen jene äußere Welt als die zu betrachten pflegt, in welcher sie leben und weben, e« ist doch nur alle« Ausfluß der innern Welt, auf diese läuft Alle« wieder hinein und zurück, ja, sie ist die wirkliche Welt de« Menschen, darin er wirklich lebt, obgleich er die äußere so zu nennen beliebt. So muß sich denn unser heurige« Gedenken auf beide erstrecken. Folger mir. Zuerst die äußere Well. Wa« warst Du- und was ist au« Dir geworden? Da stellt sich Mannigfaltige« dar. Der Eine war klein und ist groß geworden; der Andere war groß und ist klein geworben; der Drille ist' kaum merklich vorgeschritten und befindet sich ziemlich noch.da, von wo ec au«gegangen; der Vierte war emporgrschofsen und dann wieder zusammengebrochen; der Fünfte war gefallen und ist wieder en die Höhe gekommen. £ ja, der Eine har nur gewonnen, der Andere nur verloren, der - Dritte auf der einen Seite verloren, wa« er auf dkr andern gewonnen, der Vierte nicht« gewonnen und nichts verloren, der Fünfte verlor wieder, wa« er gewonnen, der Sechste gewann wieder, was er verloren. Alles Dessen gedenke und erwäge ,S wohl. Wichtiger aber ist die Zweite Frage: wie bist Du geworden, wodurch, was Du geworben.? War doch der Eine emsig und rastlo«, während der Andere träge und nachlässig; eroberte der Eine sein Ziel wie im Sturme, der Ander« langsamer, fortschreitend; dem Einen ist e« wie in den Schoß gefallen, der Andre mußte e« mühsam erkämpfen, immer wieder beginnen, niemals ermüden. Gerade darum stellt sich uns aber alS'dritle Frage: wa«. war davon Fügung Gotte«, Gabe, Wendung der göttlichen Vorsehung im Zusammentreffen der Ereignisse und Verhältnisse? und wa« davon hast Du selbst getdan? wa« war Dein Entschluß, Deine Wahl, Deine Thar? Die« ist eine wichtige und schwierige Frage. Wichtig,.denn die ganze Verantwortlichkeit für Deine Vergangenheit geht au« ihrer Beantwortung hervor, so weit sie Dich trifft, der Tadel und die Schuld, die Du zu tragen, da« Lob und Verdienst, die Dir zu Gute kämen — schwierig, denn die Faden sind fein und oft sehr verschlungen, Diele« bleibt uns dunkel im eigenen Leben, Diele« machen wir un« selbst dunkel, weil wir unser Irren und Verirren so ungern gewahren, ' und all Verunglücken so gem einer höhern Macht ' zuschreiden! Darum, um un« da« Dunkle zu lichten und zu entwirren, tritt hier die Religion mit einem neuen T2T zu un«, sie ruft un« zu: -p rmy r» -vor HO CDnaxa f-n2, tt. 2Rof. 25, 17.), „gedenke, wa« Dir Amalek rhat auf dOn Wege, den Du zogest." Amalek, da« ist da« Feindselige^« un« auf uaferm Leden«- gange eargegenttilt, wa« un« plötzlich überfällt, wenn wir matt und müde, wa« mit den Waffen über un« herjlurzt, wenn w,r grwaffnet sind, wa« uns schonungslos , vernichten will. Ee -sind die Hindernisse, die un« von j Iugeno auf entgegcnrrelen und immer und immer wieder ' wie felsige Quecriegcl durch da« Thal unser« Leben« sich , ziehen rznd enkgegenkommen; e« sind die Schwierigkeiten, die immer wieder und überall von Neuem erstehen, wenn , wir eben solche weggeräumt. O, ihrer waren Viele in ' unser Aller Leben, und un're besten Kräfte wurden im | Kampfe mit ihnen verzehrt, sie brachten uns oft fast zur Verzweiflung, daß wir äuSrrefen: Da« hilft un« Alle« ’ nicht«, wir müssen e« aufgeben! Wir gaben e« nicht auf, und gelangten hinüber. Kragen wir: wie haben wir sie überwunden und gelangten hinüber? Ioschua rückte au« gegen Amalek an der Spitze der Gerüsteten Israel'« und Moscheh stellte sich auf den Hügel und erhob die Hände zum Herrn; und weil Moscheh die Hände-erhob zum; Herrn, siegte Zosua und vernichtete Amalek. Fürwahr, | Iosua der Kämpfer vermochte e» nicht ohne Moscheh, den > zum Himmel erhobenen, und Moscheh vermochte e« nicht . ohne den kämpfenden Ioschua. Mit Gotlvertrauen erfüllt, : den Blick zum Himmel erhoben, sein Gebot der Liebe! und de« Rechts beachtend. halten wir all unsre Kraft zusammen und — siegen. -Nicht die rohe Kraft de« Leide« und de« Geiste« allein, uni wäre sie noch so groß, und nicht Gebet und Zuversicht allein, und wären sie noch so innig : unv wahr, vermochten e«, un« über all die Hindernisse I und Schwierigkeiten, all die Feinde und Gegner hinwegi zuhelfen, sondern nur Beide im Vereine, denn so will e« Gott von Menschen,' so ist es de« Menschen würdig, so . stahlt sich seine Kraft, vermag er t« auf dem ganzen Wege, den ec ziehr. Frage Dich aufrichtig, wo Du unrer- . legen, ober wer unterlegen? Nur dem geschah r«, oder I nur dann geschah ,« Dir, wenn Du ohne Gott., ohne > Recht und Liede kämpftest, oder wenn Du in eitlem Hoffen uns Harren die Arin, niepersinkea ließest. Denn sehet, hier ist e«, wo ein drittes -M2T in der Schrift sich vernehmen läßt (2. Mos. «3, 3.) rtt hdt! ■; |?ins '2 L'IJA n*23 L22 onr«^'' -ILX 77777 2"77 , rra D2n« n «-sin „Sei eingedenk diese« Tage« da; ihr auSzoget aus Mizrajim, au» dem Haus« der Knechte, : denn mit allgewaltiger Hand führte der Ewige Euch her-; au« von da." Denn fürwahr! wer zucückschaur heure in den Verlauf seine« Leben«, wer kann sagen/daß ihm niemals Ketten geschmiedet, waren? daß er sich niemal« gebunden und gefesselt fühlte? sich niemals wie ein Knecht zu Knechlesdienst heradgewürdigl und gezwungen meinte? E« bauen sich viele KnechleShäuser auf für den Menschen, vom Tagelöhner an, von dem, der da« Stückchm Brote« Tag für Tag zu suchen, bi« zu dem, der auf dem Tbrone sitzt, und oft mehr Knecht ist, al« seiner Knechte letzter! Nun. gedenke: bist Du verblieben in Deinem KnechteShause? . oder bist Du herausgegangen frei und frank? ' Nicht so. immer da die Noch am größten, da da« Joch am schwersten, da die Bürde unerträglich warb — da kam die Rettung und die Erlösung und der Tag, wo Du aufatdmekest in Freiheit, und Dein Mund kam zum kacheln und Dein Auge zur Freudenthrane! E« war eine Rettung, die von oben kam, eine Erlösung von der allgewaltigen Hand des Ewigen, ein Tag n rra>, den der Herr gemacht, zu jubeln und sich zu freuen daran — und Du? Du brauchtest dich nur I willig finden zu lassen zum Auszug, wie Israel in Aegyp-