Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 35 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
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und die nicht Vernunft genug besitzen, um sich vollem fern zu halten, wasich nicht geziemt. antworteüsder König: Eure Worte haben allerdings Dielefür sich, beunruhigt euch nunmehr nicht, haltet euch ruhig daheim und kommt morgen wieder; dergleichen ist eüch ja fchoy öfter begegnet und eS leuchtet im Dunkeln cz»er Licht. Am anderen Morgen erschienen sie vor dem da sprach dieser: Eist nöthig, daß Jemand hingeschickt werde, der^ die Sache genau untersuche. Hierauf riefen die Verfolger: Unser Herr und König, hier ist eia Schreiben vosi. den Richtern, wie sehr sie die Sache bereituntersucht und erforscht haben. Da sagt« der Minister: Man hole den Juden herbei und ertheile ihm eine zarte Züchtigung, dann wird er wohl bekennen, waer begangen hat. Doch die Gesandten: Wenn durch Züchtigung die Wahrheit ermittelt werden soll, so wissen wir gar wohl, daß der Jude sagen wird, daß er ihn ermordet und fein Blut genossen habe, denn die Juden bekennen sich bei ihrer Kleinmürhig» keit und ihrer schwachen Natur, wenn sie auch nur geringb Schmerzen ertragen müssen, zu Allem. DM^önig aber sagte: Diesoll euch nicht zum Nachtdeile Weichen und ich habe bei dem Opfer unseres HeilandG gesch»a^> kein Gestänbniß oder Beweis von einem Juden durt^Mdmeczen zu erpressen und zwar weil sich bei meinem RegW^ogS« antritte ereignet hatte, daß zwei goldene Schalen gestohlen worden waren. Nun gingen zwei angeseh^ß Männer bei mir au- und ein, Namen- Je hu da und Samuel Alnaqua und da behaupteten alle Hofleute, daß.die Juden sie nach ihrer Gewohnheit gestohlen hätten; ich ließ sodann die Juden foltem und bald gestanden sie, daß sie dieselben gestohlen hätten, worauf ich sie hängen ließ. Nach drei Tagen aber fanden sich die Schalen bei einem meiner Diener: augenscheinlich wählter^Mber jene den schnellen Tod, um dem langsamen zu enMyen, nämlich dem durch Folterqualen. Hierauf sagt« einer der käM^ichen Räthe: In früheren Zeiten hat man übemMll^^ ein Urtheil gefällt, der durch Folterqualen ein Ga^vn^abgelegt hatte und brachte zum Beweis die Chronik herbei. Da zürnte der König, weil er ihn nicht daran, als esich um den Diebstahl handelte, erinnert hatte und sprach in Beziehung auf die vorliegende Sache: Die kann mir Niemand offenbaren alder Stärkste unter den Staren. Und wer ist die-? fragten die Fürsten. Da sprach der König: Dasollt ihr sagen. Darauf sie: Dieser Gegenstand kam schon kn früheren Zeiten zur Sprache, da sagte Einer, esei die Frau, da sie den Adam und den Salomo bei aller seiner Weisheit habe verführen können.. Aehnlich erwiderte Plato, nachdem ihn ein Weiser gefragt hatte, ob mehr Männer oder Frauen in der Welt wären: daalle Männer ihren Frauen gehorchen, so müssen alle Menschen Weiber fein. Ein Anderer sagtet esek der Wein, der den Noah verführt habe, welcher durch sein Verdienst die ganz« Welt gerettet hat; Andere sagten, esei der König, denn wenn dieser Berge vemichten heiße, so würden sie vernichtet und noch eia Anderer meinte, et fei der menschliche Trieb. Hierauf sagte der König: Alle biest sind allerdings stark, mächtiger alsie aber ist da- Geld, denn kein Neid ist so stark wie der der Könige, kein Haß gleichet dem ihrige», keine Ehrsucht der ihrigen und keine Freude der am Siege und trotz dessen giebt der König, wenn man ihm Geld giebt, dm Krieg gegm seinen Feind auf. Ebenso werdm alle noch so schwer beizulegenden Dinge ^urch Geld beschwichtigt. Man möge daher in meinem Gebiete bekannt machen, daß wer in dieser Sache ein Zeugniß adzügeben vermag, fünfhundett Goldstücke erhalten und daß sein Hauvon dm königlichen Abgaben frei sein soll«, un^lhr werdet sehen, daß dann die Sache ag den Takomme» wird.' Sogleich wurde diese Bestimmung unter Trompetengeschmetter au-gerufen und am dritten Tage fand sich, eip Jüngling von ungefähr achtzehn Jahren ein, welcher,./Ufo sprach': Unser Herr und König, ich fürchmÄott und will ln seiner Gegenwart zu wissen thun, wKGch weiß. Hiarmtf der König: Möglich, daß Du Gon fürchtest, aber si^ ist, daß Du da- Geld liebst; sprich, denn'sogleich soll Dir reicher Lohn gegebrn werden. Und er sprach,; Ich bieder Diener Juan d.e la Vera, welcher mit k«m Judar^ in dessen Haus« der Ermordete gefunden worden ist, in fortwährendem Streite lebt wegen einer Besitzung, die dieser ihm vor vieler; Jahren Zinsen halber abgenommen hat. Einmal nun sirgte mein Herr de» NachtS zu mir: Wenn D» diese- Schwein §on Jüdin tobtest, will ich Dir ein sehr kostbares seidene- Kleid und zwanzig Goldstücke schenken. Da erwiderte ich: Ich bin noch jung und habp mich in dergleichen Dingen noch nicht versucht; wohlan, erschlage Du ihn, denn je mehr Mann, desto mehr Kraft. Hierauf sah ich, daß mein Herr sechs seiner Nachbarn zu sich --befahl und nachdem diese gekommen warm, hieß er mich hinausgehen und da dachte ich, damüsse etwa» Wichtigesein, legte mein Ohr hinter Mt Thür an und hörte, wie mein Herr sagte: Da die ^Juden an unsere»' Heilande 'allerlei Schlechtigkeiten verübt haben, so ist eerlaubt, sie zu tödten und wenn di« Könige sie halten, so geschieht enur zu ihrem Bortheile der Steuern wegen. Seht, heute wurde ein Christ begraben und der Begräövißplatz ist in unsrer Nähe; wir wollen ihn au-graben und ihn in da- Haude- Judm, unsre- Nachbars, werfen, dann wird da- Volk sich erhedm und m»ir werden mit ihnen die Beute theilen. Hierauf «ntgeg» neten die Nachbam: Wenn man aber da-* Grab leer finden wird, so wird ja die Sach« ruchbar; doch^ mein Herr meinte, eliegt dort in der Nahe seine- Grabeein großer Stein, den wollen wir in da- Grab statt der Leiche werfen. Nachdem sie hierüber einig geworden waren, ging ich schlafen und habe hiervon nichtmehr erfahren. Sogleich schickte man und ließ den Juan de la Vera rufen; dieser aber sprach: Mein Herr und König, da- Zeugniß diese- Jünglingist ungültig, da er mir wegen seine- Lohne-Feind ist. Doch der König: Wir brauchen jetzt den Jüngling gar istcht mehr, man möge hingehen: und zusehen, ob dort sich ein Stein und keine Leiche finde und bann wird der Stein gegen dich zeugen. Man ging hin und fand, wie der Jüngling au-gesagt hatte. Da sagte Juan: Der Jude hat de» Lei^mam herau-genommen und den Stein hinelngeworfen. Hinauf der König: O ihr Abscheulichen, ihr sagt ja, baß der Jude ihn, um ihm da- Blut abzuzapfen, au-gegraben hättet; nachdem aber Jemand tobt ist, geht dann noch Blut von ihm ad? Alsie noch in dieser Rede begriffm waren, kamen zwei Menschen, welche bezeugten, daß sie in der Nacht eine Leich« dähtnsthleppea gesehm hätten, oha« zu wissm, waefür eine Bewandtniß hatte. Darauf sprach der König zu den Fürsten: Habe ich euch nicht gesagt, daß nichtso stark ist «i« da- Geld?