Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 35 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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138 es wird euch nichts helfen und wenn ihr einst aus meinem Reiche forlzieht, so wird dies nicht kvie beim Auszuge auS Aegypten geschehen, unter Wonne und Freude, sondern unter Wehklagen, und ich wundre mich sehr über eure DenkungSart, denn bei euch ist es Sitte, reich anzufangen und arm zu sterben und als ihr in die Welt eintratet, da stand euer Glücksstern hoch über euern Häuptern, aber er sank immer tiefer herab, was bei den Christen umgekehrt ist, indem bei ihnen der Glücksstern bei dem Fußpunkte ansing und sich bis zum Scheitelpunkte erhob; wen» nämlich der Christ geboren wird, kleidet er sich anfangs und in seiner Kindheit schlecht, in reiferen Jahren dagegen und im Alter in kostbare Gewänder. Drittens: Was bedeuten jene Versammlungen, indem ihr auf den Markten an Befchneidungs. und anderen Festtagen einherziehet, fürstlich gelleider, während das Volk dies mit neidischem Blicke ansieht. Ihr aber, die , ihr die Vornehmsten eures Volkes seid, seid nur auf eure Ehre bedacht, wahrend die Schafe neben euch zu Grunde gehen. Viertens: Wenn ihr mir einem Christen zusammen speiset, setzet ihr den Becher bei Seile, den dieser berührt har und die Christen sagen dann: Wir müssen unser« König anklagen, der in unserm Lande Leute ausgenommen hat, die unser spotten und uns Unreine nennen. Fünftens: Warum lasser ihr eure Kinder im Singen unterrichten, da ihr euer ganzes Leben hindurch weinen und trauem müsset, nachdem der Gott des Himmels von euch gesagt har, daß ihr Bösewichter seid, deshalb hat er euch auch zerstreut, was er keinem anderen Volke gerhaa hat. Sechsten-: Warum lasset ihr eure Kinder in der Fechtkunst unterrichten, da ihr ja nicht in den Krieg zieht? Es geschieht sicher nur, damit ihr die Christen leichter zu tobten verstehet. Dächtet ihr über an eure Verbannung und Zerstreuung und an den Umstand, daß ihr stets in Gefahr lebet, so würdet ihr euch mit dergleichen Dingen nicht befassen. Alles dieses beweist nur den Mangel eures Gefühls und eure Derstandslosigkeit. Wenn dies bei meinem Volke so Brauch ist, so hat es ein Recht dazu, denn die Natur der Herrschaft bringt dies mit sich und ihr sehet, wie sich seine Herrschaft immer mehr auSbreitet und es der Gnade Gottes sich erfreut. Wenn ihr aber, das Schlechte von meinem Volke gelernt habt, warum nicht auch .das Gute, ihre Sittsamkeit, ähr Benehmen und ihr« Sittlichkeit, bi« ihr doch nicht übet? Aber ihr habt das Schlechte von ihnen gelemt und ihnen noch eure Schlechtigkeit gelehrt. Meint aber ja nicht, daß ich als Feind zu euch rede, denn wenn euer Gott, der euern Charakter doch vorher kannte, euch dennoch liebte, wie sollte ich gegen euch eingenommen sein? Ich habe dies vielmehr nur ge? sagt, um euch von euren Feinden zu retten. Antwort der Gesandten: Wir haben die Rede unseres Herrn und Königs angehött als die Wort« eines gnädigen Königs und barmherzigen Vaters, wie habe« gelernt, unser König, daß es Dir zukomme und daß es eine Gnade sei, wenn Du unS zurechtweisest, und wie möchten uns nur die Entschuldigung eines Theiles der unS zur Last gelegten Vergehen gestatten, wenn es uns erlaubt ist. Darauf der König: Ich wünschte, daß ihr zu antworten wüßtet, denn nicht aus Lieb« zum Streite habe ich gesprochen und ihr mögt Ehre genug darin erkennen, daß ich mit euch vertraulich geredet. Hierauf die Gesandten: Unter allen Fehlern, deren unser Herr gedacht, hat er »och einen sehr starken vergessen, den wir besitzen, nämlich den, daß Niemand zu unfern Gunsten bas Wort ergreift, ohne daß dabei irgendwie Neid und Haß ducchdlickt, auch wenn das Gute ihm klar vor Augen liegt, und selbst das Wort des Königs und sein Zorn klingt eS nicht wie das von Verleumdern, die unS zum Nachrheil Zeugniß ablegen? WaS den Wucher betrifft, so fand solcher in früheren Zeiten zwar statt, nachdem aber ein königliches Gesetz dagegen erschienen war, hatten wir mit demselben nichts mehr zu schaffen, bis vor drei Monaten, wo uns Leute gegen unfern Willen zwangen, ihnen Geld auf Zinsen zu leihen, weil sie nicht säen könnten, wenn sie nichtauf Zinsen geliehen bekämen. Da wir unS aber an des Königs Befehl erinnerten, so begaben wir uns in den Palast, fanden jedoch keine Gelegenheit, ihn zu sprechen und auf Befragen von Seiten des Ministers theilren wir ihm den Vorfall mit, er aber eroffnrte uns, daß wic-daran durchaus nicht Unrecht thaten, denn wenn der König den Wucher verboten hätte, so sei dies nur zum Vorth,ile der Christen geschehen, wenn diese denselben aber nunmehr verschmäheten, so wären wir ohne Schuld; inbeß, meinte er, sollcen'-wir nur geringe und festgesetzte Zinsen nehmen, was wir auch thaten. In Betreff des.Diebstahls aber, was sollen wir da erst noch sprechen? Wir gleichen hierbei den Mäusen; hat da eine den Käse aufgefressen, so sollen alle daran Schuld fein. Nun liegt es.aber in der Natur der Schöpfung, daß sich Schlechte und Gute finden, auf uns aber wirft man stet» die Schuld; giebt es etwa unter den Christen nicht Leute, welche stehlen und rauben? Und wenn auch unter den Christen sich allerlei treffliche Eigenschaften und Vorzüge finden, so sehen wir doch täglich Welche des Diebstahls und Raubes wegen hangen. Ader die Macht bedeckt viele Dinge wie de? weiße Teint bei der Frau viele Fehler bedeckt; mit der Verbannung dagegen ist es umgekehrt, denn sie legt jeden Fehler bloß und läßt ihn, wenn er fo klein ist wie ein Senfkorn, so groß wie den Sonnenball erscheinen. Was aber die seidene Kleidung anlangt, so findet sich, seitdem das Edict. bekannt gemacht worden. Niemand von unS, der es Übertritt und wir, als di« Abgeordneten Deines Volkes und die reichsten darunter, erscheinen, obwohl man am Thor« des Königs nur in kostbarer Tracht sich zeigen soll, in schwarzen Kleidem, die wohlfeil zu haben sind. Hierauf erhob sich ein Mann und sprach: Aber die Frauen kleiden sich in Seide und gewirkte Stoffe und tragen güldene- Geschmeide. Da entgegneten die Gesandten: Das Edict lautet ja nur, daß kein jüdischer Mann sich in Seide kleiden dürfe, von einer Frau ist darin keine Rede und da glaubten wir, daß es bei den Königen Brauch wäre, den Frauen dies auS Rücksicht und als Zeichen der Ehre zu erlauben. Hierzu der König: Demnach geht ihr wie die Esel eine- Kohlenbrenners einher, eure Frauen aber wie die Maulesel des Papste-, was unbillig ist. Ueber die Versammlungen bemerkten die Gesandten: WaS können wir thun, unser Herr, da unser Gesetz uns befiehlt, Wohlthärigkeit zu üben und wahrlich, eS ist zu wünschen, daß eine so gedemüthigte Nation wie wir wenigstendurch die gegenseitige Anhänglichkeit bestehe. In Beziehung auf den Gesang und dergleichen aber, wo giebt es eine Person, die nicht zu dem verleitet werden sollte, was sie in ihrer Nachbarschaft sieht, um fo mehr die Jünglinge und Knaben, welchen es an Kraft gebricht, sich zu überwinde»