Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 35 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. 3« Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. Herausgegeben vou Rabbiner Vr. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. lNo. 35. 1861.] tten fcidcr ScitiArift mArint nöA<atIiA risc KnmoKT. Preis de« Jahrgang» 1 Thir. Vierteljährig 7 Ngr. Alle Buchhaotlouge». Poftämrer und AeiMagservebitioue« nehmen Bestellungen an. s8. ZLkrg. 3. Husrtal.^ König Alfons von Spanien und die Juden. (AudemSchevetJehuda, übersetzt vonvr.M. Wiener*). Im vierten Jahre degroßen König- Alfonso von Spanien erhoben sich in der Stadt Et ija drei boßhafre Menschen, warfen einen Leichnam in das Haus eine- Juden und gingen zu den Richtern und riefen: sie hätten einen Christen im Haufe eines Juden erschlagen gefunden. Hierauf begab sich der Richter sammr seinen Leuten in dach Haube- Juden. Dieser aber sprach: Gott möge esehen und richten, denn ich habe ihn nicht getobter und nur meine Feinde wollen mich stürzen. Man führte indeß den Juden in- Gefängniß und dies geschah am Rüstrag de- Osterfeste-, welchedie Juden Pesach nennen. Alsich da- Gerücht hiervon in der Stadt verbreitet hatte, erhoben sie sich in der ersten Nacht de- Osterfeste- und erschlugen von den Juden alle, die sie fanden und viele von ihnen flohen in die Häuser der Vornehmen und wurden gerettet, aber sie fasteten die gefammten Festtage, da es nicht Brauch bei den Juden ist, an denselben Gesäuertes zu genießen. Auch in du Stadt Palma verbreitete sich da- Gerücht und auch hier handelte man wie in Ecija. Bon dort aber schickten die Juden Abgesandte nach den großen Städten, damit sie Gesandte an den Hof de- Königsenden sollten, und sogleich kamen am Hof drei, der angesehensten Juden an, deren Namen waren: Don Abraham Benver niste, Don Joseph Hannassi und R. Samuel 'den Schofchan. Al-nun die Angeber erfahren hatten, daß die Juden Gesandte abgeschickt hatten, fetzten sie ihnen nach; und die Juden waren in großer Angst und hielten sich einen Tag im Walde verborgen. Hierauf begaben sich die Verfolger nach dem Hofe de- König- und erhoben vor diesem ein Geschrei. Da erwiderte der König: Ich kenne schon feit lange eure Ränke und Lügen, indem ihr ein armes und dürftige- Volk zu stürzen sucht und es ist bereitin nirbw Regierung-zeit bekannt geworden, daß Allefalsch sei; dennoch kommt ihr heute. Aber ich bin ein rechtlicher König und werde euer Verfahren nicht dulden und ihr findet höchstenbei eurer Dummheit einigermaßen Entschuldigung. Gehet heute und kommet morgen wieder, dann werde ich euch klar eure Schmach und Schande zeigen. Da zogen die Verfolger betrübten Gemüthes ad. Am folgenden Tage Morgenlangten die Abgesandten der Juden an und verlangte der König ihre Namen zu erfahren, die er eintragen ließ. Sie waren zuvor darin übereiagekommea. daß der angesehenste Gesandte das Wort führen sollte, nämlich Don Joskph Hannassi, da er sehr wissenschaftlich gebildet war und die Sprachen gut verstand. Aler begonnen hatte, freueten sich die Domehmea und der König wegen seine- Verstandes und seine- Vortrage- und der König sprach: Mein Herz freuet sich ob eurer Red«, denn wer für die Wahrheit aufrritt, besitzt Anmuth und Lieblichkeit in hohem Maße, und eure Wort« sind auf Wahrheit gegründet und keine-wegzu bezweifeln, aber dennoch mochte ich euch folgende Frage vorlegea: Wenn Jemand bei euch für einen redlichen Mann gil^ der die Wahrheit spricht, und man findet einen Diebstahl bei ihm, werdet ihr dann behaupten, ec habe nicht gestohlen? Da entg^qeten sie ihm: Wer vermag zu läugnea, was da- Auge sieht, zumal wenn ' der Diebstahl dei ihm gefunden wird? Dasind ja Thatsachen, die wider ihn zeugen. Hierauf der König: So möge dieeuer Ohr denn vernehmen: Seht, da ist ja ein" Jude, durch dessen Hand und in dessen Besitz «in Christ erschlagen gefunden worden ist, wie kann ich ihn nun frei» sprechen, weil er für einen redlichen Mann gilt, der btine Mordthaten begeht? Da erwiederten die Gesandten: Unser Herr und König: Der, Vergleich eine- Menschen, der ge, stöhlen, so daß Zeugen es gesehen, mit einem gndern, in dessen Gebiet ein Leichnam gefunden worden', paßt nicht, da ihn ja möglicherweise Andere dahin geworfen haben können. Sodann der König: Ihr habt recht und ich weiß gar wohl, daß den Juden de<halb nicht da- Geringste zur Last gelegt werden darf, aber ihr habt Fehler in anderer Beziehung und jene- Volk erhebt sich wegen dieser Fehler und au- Haß -egen euch tagtäglich wider euch. Darauf die Gesandten: Möge unser König sie uns mittheilen, wir wollen sie anhören wie Knechte ihrem Herrn oder wie Söhne ihrem Vater gegenüber. Sodann der König: Es ist euch bekannt, daß ihr in unser Land entblößt und hungernd gekommen seid und daß euch die Christen mir Liebe ausgenommen haben, ihr aber habt Gutes mit Bösem vergolten und ihnen um der Zinsen willen ihre Felder, Ochsen und ihr fonstige- Vieh genommen. Zweitens: Wenn ihr Knechte und Verbannte seid, warum legt ihr fürstlich« Kleidung an, was nur dazu dient, Haß und Reih zu erregen und doch habe ich in meinem Reiche den Befehl ertheilt, daß ihr euch nicht in Seide kleiden sollt! Zur Entschuldigung könnt« euch höchstendie Thatsach« dienen, daß, wenn ihr der Stimme Gottes nicht Gehör gegeben habet, wie solltet ihr dann der meinigen Gehör geben! Seht, ihr habt di« Schranke Übertreten und mein Inneres sagt mir zwar, daß sie Leiden euch wieder auf den rechte» Weg führen werden, aber *) Hannover 1856.