Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 34 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
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4 135 Eintrag lhur, so namentlich die Hochzeitsreise, sie muß gemacht sein, aber man zwackt dafür an allen Zweigen der Mildthakigkeit etwas ad. Endlich kömmt auch der religiöse Punkt in Betracht. Wie wird den Brautleuten mir Recht zu Herzen geführt, sie möchten den FelS ibreS Glückes nur in Gott suchen; sie feien reich oder arm, nur Gott sei ihre Zuversicht, der die Freuden und die Leiden segnet und zum Heile dringt, und darum sei Ihm oaS Haus, die Familie, daS ganze Leben gewidmet. Und nun gehl man gleich auf eine Reise, um sofort heilige Gebote Gottes zu verläugnen und zu verletzen. Wahrlich alle diese Erwägungen drangen zu dem Wunsche, daß keine Zeit kommen möge, da in einem ConversationS- Lexikon als Bestandtheil der jüdischen Hochzeitsfeier auch die Hochzeitsreise aufzuführen sein möchte. „Denn ihr sollt nicht in Eilfertigkeit auszichen, und nicht wie auf der Flucht davon gehen, sondern eS soll der Ewige vor euch hergehen, der Gott Israels euernZug beschließen." Zes. 52,12. Schott, Bez.-Rabbiner in Bühl. BilScr aus Ungarn. Bon Z. I. Uosenmeyer in S. Ä. lijhety. (I.) Nirgends im Magyarenlande ist die Liebe zur Landwirlhschaft lebendiger als in der Nyic und der Theißgegend überhaupt, nirgends aber auch leben die Menschen* in größerer Eintracht beisammen, als in dieser Gegend und wenn wir auf unseren Streif- und Querzügen im Ungarnlande häufig auf jüdische Grundbesitzer und Gurspachter stoßen, so darf uns dies um so weniger wundern, nachdem der Boden ein ergiebiger ist und der Erwerb von Grundstücken fast zu allen Zeiten ein freier war. Je einfacher die Natur zu dem Menschen spricht, um je mehr der Mensch mit der Natur im Verkehr steht, desto tiefer prägt sie ihre Züge in des Menschen Herz. Der Jude in der Noir ist zwar nicht sehr gebildet^ aber kerngesund und in seinem Wesen durch und durch Magyare, ganz und gar wie sein christlicher Bruder dieses Landstriches ein achtes Kind des Landes und wenn die Neuzeit ungarische Eostüme aus der Erde zu stampfen glaubt und das ausländische Auge, welches nach Pesth ober Pteßkucg kömmt, sich nur schwer an FakaS (fpc. Fotosch) und Dolmäny gewöhnt/ in der Nyir hätte es magyarische Trachten schon vor Iahrzehenden sehen können, und eine größere Feder, wie sie die jüdischen Pächter dieser Gegend schon vor Iahrzehenden auf ihren Hüten trugen, dürfte selbst Acdäo nicht getragen haben. Wenn die Lerchen auf den Feldern jubelten, die Rosen glühten, in den Thalecn die Fcuchtbäume blühten, vor allen aber die Ferien eingekehrt waren, pflegten wir mit unseren Zöglingen vom Hegyalgagedirge auS in die nahe gelegenen Wäldchen zu wandeln, und die Natur zum Gegenstände unserer Studien zu machen. Damals war Niemand glücklicher als wir, nicht einmal die vielen Singvögelein, die in den Lüften sich schwangen; und wenn auch in Mitten der herrlichsten Naturgenüsse hie und da ernste Gedanken an die Wirklichkeit erinnerten, so war doch der Genuß in GedirgSwäldera zu lustwandeln ein so großer, daß alle Sorgen, wenigstens für die Tage unserer Excurfion dahin waren. Der brdile gelbe Strom erglänzte im Morgenlichte, die Reiher erhoben sich mit sicherem Gekrächze aus dem grünen wogenden Schilfe und neben der herrlichen Aussicht boten sich dem Auge Scharen tfo'n Vögeln dar, die mit ihren Flügeln leicht die, Dellen schlugen. Blitzschnell flatz^ unser Dampfschiff durch die nicht tiefe» Stellen und machten die reizenden Thaler und Hügel mit herrlichen Gebüschen untz Kräutern bewachsen den freundlichsten Eindruck. .Bei T. Dacla, einem Dorfe unweit Tokay, wurde gelandet und einige Tage Halt gemacht. In der Umgebung herrschte das regste Leben und wenn wir schon früher unS j gewöhnten, immer häufiger magyarische und slavische Töne zu vernehmen, so mußten uns.selbst hier die jüdisch-deutschen Töne selrner werden und ist eS wahrhaftig sonderbar, avie j in einer Gegend wie die Nyir, wo eS einem polnischen : Heiligen sehr schwe^^ja unmöglich wird, sich verständlich j zu machen, der EhassidlsmuS sich eindürgern konnte. Wohl : har sich in Nägy-Kalo (der Hauptstadt im Szaboleser ' Eomital) das jüdisch.-deutsche Element zum Theil eingebürgert, ist doch der Rabbi des Ortes deutscher Abstammung, dessenungeachtet sind die Mehrzahl der Bewohner dieses von mehr als 1200(d Juden bewohnten CvMtateS größten-! theils Magyacerz, und kann es wohl einem chassibischen Rabbi gelingen, daS, unwissende leichtgläubige Volk zu! Schwärmern zu erziehen, es aber von MagyarismuS entj fernen, ist und bleibt ein unlösbares Problem. In Nyreghäz, j einer Gemeinde, die sich erst seit einem Jahrzehend gebildet, > i|t der Eonrrast noch größer, als in jener so eben genannten : Stadl. Der Zufall will es, daß Nyregh.i; feine Wochen-! Märkte chn Sabdathe abhält und noch ein größerer Zufall ließ uns ^aher mir eignen Augen jüdischchafsidische Männer am Sabdath sehen, die in Schube;, TaliS und «rramel gehüllt mir der rechten Hand das Geld einstrichen, welches sie so eben gelöst. Wir werden noch häufig Gelegenheit haben auf ähnliche Widersprüche hinzudeuten und wenn wir auch gern den Sänzer oder Lißker Rebden ihre Frömmigkeit nicht adspre-! chen wollen, so müssen wir ihnen doch das Zeugniß geben, . baß sie, um dem Chassidismus Eingang zu verschaffen, höchst klug und vorsichtig zu Werke gehen. Wohl empfan-! gen jene Herren nicht gern Damen ohne Haarhauben, doch ist jede Dame, selbst im modernsten magyarischen Costürne, wenn sie nur ihrem Reichlhum gemäß spendet, willkommen j und haben wir wohl vemommen, daß die frommen Rabbis I die Erinoline in ihrem Sprengel verboten haben, doch j bleihr eS den Halbchassidim, den frommen Wallfahrerinnen j unbenommen, weiter in Crinoline zu erscheinen.! Doch nachdem wir gekommen sind die Natur zum i Gegenstand unserer Betrachtung zu machen und nachdem in dieser Gegend unser Volk ohnedies so lebhaften Antheil an der Agrikultur nimmt, glauben wir nichts Besseres thun zu können, als unsere Spazierfahrt fortzusetzen und dm freundlichen Leser (und wxnn so glücklich, freundlich- Leserinin alle, jene Stabte und Dörfer zu führen, die uns in dm Wurf kamen. Die Sonne flännme golden am blaum Himmel, die kleinen Kehlen stimmten ihren schmetternden Gesang an und Alles war wie neu geboren. Es war ein munteres Durcheinander, wie wir eS lange nicht gesehen und würde