Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 34 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
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1*36 nicht die Tbeißgegend nur allzubäufig von Ueberschwemmungen heimgesucht werden, es würde auf Erden keine freundlichere Gebend geben. Doch bar auch ^dirses Uebel für unsere Heiligen sein Gutes, denn gerade durch die Uederschwemmung bar sich mancher kleine, darum aber nicht minder in' Ansehen stehende Rabbi in diese Gegend verirrt und durch feinen Machtsprpch->dtn Ausbruch der Theiß verscheucht. Da stehr. er cher Hemg«-^ um ihn eine große Masse von jüdischen Landleuten, spricht) eia Gebet, damit die Gewässer, die schon seil Wochen die Gegend verheeren, geringer werden. Und er hat wahr gesprochen, denn schon nach wenigen Wochen waren die Gewässer abgelaufen und die »Natur stand im schönsten Frühlingsschmucke. So werden die geringfügigsten Naturereignisse von unseren Heiligen ausgedeutet die Kassen der Söhne und Töchter unserer RabbeS zu füllen. W*t., Entwicklung, in das Höhengediet unserer Lebensereignisse eindringen, desto schwieriger wird der Fortgang, desto verwirrter daS Labyrinth, wir stehen bereits ander Region unserer Jugend — da entzieht sich unS der Weg zur eigentlichen Quelle, und wir müssen es aufgeden, die ursprünglichen Motive, die anfänglichen Impulse, die ersten und wirksamsten Ursachen unseres eigenen geistigen Seins aufzufinden. Trösten wir uns, daß es Ein Auge giedl, vor welchem nicht dlos die verborgene Quelle des Walüstroms, nicht bloS der Weltereignisse, sondern auch unsres eignen Thuns, Denkens und FühlenS offen und bloß liegt, und daß dieses Auge darum in Gnaden, wenn auch nicht unsre Rechtfer¬ und bas gutmurhige Volk benutzt. tigung. doch unsre Entschuldigung finden und Barmherzigkeit unS angedeihen lassen wird. Die Quelle. Nichts ist reizender in einer waldbedeckrcn Berggegend, alS einem Bache, feinem Laufe entgegen, zu folgen. Wie er durch die Schatten des WaldeS immerfort um den Fuß der Hügel und Berge sich schlängelt, die Sohle des Thales sich immer mehr erhebt, daß der Lach bald in einem kleinen Wässersturze, bald eine steile Bahn hinunter rauscht; wie endlich die Rinne, die fein Bett ist, immer schmäler wird, Felswände von beiden Seiten starren, zwischen welchen er sich hmdurchdrangt, dis plötzlich der Pfad unwegsam wird, und die Klippen, Klüfte und Gesträuche es uns unmöglich machen, bis zur Quelle deS Baches'zu gelangen und das still« Geheimniß aufzudecken, welches über den Ursprung, über die Stelle gebreitet ist, an welcher der kleine Waldstrom aus dem Busen der Erde hervorbricht. So giedr es nichts Interessanteres, als irgend einem großen weltgeschichtlichen Eceigniß in seinem Verlaufe nach' zuforschen und nach den Quellen zu spüren, aus denen jenes entsprungen und sich entwickelt har. Wir verfolgen da der^Wcg, welchen die Dinge genommen, aber im entgegengesetzten Laufe, wir dringen in die Hoben und Schluchten ein, in das Wirrsaal der Klüfte, aus denen die ersten Wasserstrahlen hervorschossen, welche zuletzt jenen Strom bilderen — aber siehe da! gerade, wenn wir dem ersten Quell der Verhältnisse und Ideen,, die jenes Ereiguiß erschufen, nahe gekommen zu fein glauben, entzieht er sich unsren Elicken und^wrr können nur noch von ferne den eigentlichen Orr und die wirkliche Art seines Ursprungs ahnen. Und geht es unS anders, wenn wir bei unsren Mitmenschen, ja wenn wir in unsrem eignm Gerste nach den Quellen forschen, aus denen unsre Handlungen, unsre Gesinnungen und Anschauungen, unsre Gedanken und Empfindungen erflossen sind? Diese ergeben sich uns als Thatfachen; aber woher sind diese Thatfachen gekommen? ach welchem Wege gelangten wir bis zu ihnen? Forschet nur nach. Eines reihet sich an das Andere. Eine Zeitlang finden wir dies« Anknüpfungspunkte, es hellt sich uns der ganze Pfad auf; aber je tiefer wir in das Dickicht unsrer geistigen Talmudische Antithesen. Ein gottesfürchtigec Mann unterhielt in seinem Hause einen blinden Rabbi, dem er seine Kinder zum Unterrichte anverlraure, und welchen er mit der größten Ehrfurcht behandelte. Eines Tages hatte man großer Unruhen und Beschäftigungen im Hause wegen dem blinden Rabbi di« Speisen nicht zur rechten Zeit bringen können. Hierdurch außerordentlich beunruhigt, trug der Hausherr selbst die Speisen zu dem Rabbi und bar ihn wiederholt und auf's Dringendste um Vergebung. Der Rabbi antwortete: „Ich verzeihe Dir. gern, und wie Dir jetzt Einer vergicdt, der Dich nicht sehen kann, und den Du siehst, so vergebe Dir jederzeit Der, den Du nicht sehen kannst, und der Alles sieht." — Besser ist eine Armee von Hirschen, an deren Spitze ein Löwe, als «ine Armee von Löwen, an deren Spitze ein Hirsch. — Verbesserungen. .3n No. 33 de4 Bolksblattes -s- 132 Sp. 2 Z. 21 v. o. muß es heißen VL7 und Z. 22 üvvrie glicht *£). —1<Stnfür allemal bitten wir die verehrlicken Leier um Nachsicht für Drucksebler, besonders im Hebräilchen, da wir wegen Entfernung vom Druckort die Correctur nicht selbst macben können, und wir das Blatt nicht eher;u Gesichte bekommen, als bis es auch schon in den Händen des verehrlichrn Publikums ist. pie Vrdaclion. Allgemeine Zeitung deSJudenthum». No. 33. 1861. Leitende Artikel: Zu den preußischen Wahlen. — Die Statue Lessing» in Berlin. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Weimar. Preußen: Altwasser. OesterreichischerKaiserstaat: Prag, Prag, Prag, Gr- Becskerek. Frankreich: Paris. Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thalei, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redacteur: St, NAde. Verlag von vau»gtrl»er'« vlchdandinng in Leipzig. — Druck von s. Lreytiug in Leipzig. r