Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 29 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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115 fallen eineböswilligen QuarralnickS (QuarrieraufseherS) zu erregen und der darum den Befedl erlheilte, sie ihm sofort abzvnehmen, und ihm zugleich die Weisung gab, sich unverzüglich auS der Stadt zu entfernen, odschon er einen richtigen Passeport habe. Nun schäme er sich, in diesem Aufzuge, — einem würdigen Seitenstück zur Chanun'schen Handlungsweise (2 Sam. 10,4,,—nach Hause zu kommen, und könne doch auch nicht so lange unterwegs bleiben, biihm die Pcerh wieder wüchsen; dazu habe ec kein Gelb, um daran denken zukönnen, sich einen andern Rock;u kaufen. Herr G. sah seinen Freund, der bei dieser Erzählung ruhig geblieben wgr, erstaunt an, drückte dem armen Juden einen Rudel in die Hand, welchem Beispiele Herr M. folgte, und die beiden Freunde traten unter den Segen-Wünschen de- Juden den Rückweg über die Brücke an. Nachdem Beide eine lange Weile stillschweigend nebeneinander hergegangen waren, brach Here G. zuerst da- Still-' schweigen. „Sagen Sie mir doch, lieber M!" hob er an; „giebr es denn bei Ihnen wirklich ein solch fatale- Gesetz, da« den Leuten vorschreidl, wie sie gekleidet gehen sollen ( Am Ende lause ich noch Gefahr, meinen Cylin- Verhüt einzubüßen. Und glaubt man bei Ihnen denn, durch Zwang zum Ziele zu gelangen und nicht vielmehr den hartnäckigsten Widerstand hervorzurufen; wie die Geschichte Beispiele genug aufzuweisen Kat i Auf diesem Wege erreicht j man nimmer den Endzweck. Sehr treffend vergleicht der Verfasser der „Geheimnisse der Juden" (Bd. > , S. 175) den Israeliten dem in seinen Mantel gehüllten Wanderer in der Fabel. Der Mantel, in den er gehüllt ist, ist sein väterlicher Glaube, der sein fortwährender Begleiter auf seiner irdischen Pilgerreise sein soll. Alö ihn die Stürme der Verfolgung in ihrer größten Heftigkeit ansausten) schlang er sich denselben nur immer fester um den Leib, l — Da Sie. mein Bester, bald beabsichtigen, in unsrer Gegend zu sein, sollen Sie einmal auch unsre Juden kennen lernen, und Sie werben ganz andere Begriffe von dieser merkwürdigen Nation bekommen, und doch wurde keinerlei Zwang angewendet, um. sie zu ihrem gegenwärtigen Standpunkte zu erheben. Wie kennt Ihr von einem gefangenen Vogel, dem Ihr die Flügel beschnitten, verlangen, daß er sich frei erhebe und in die Himmel-spharen hinaufschwinge mit dem Fluge des Adler-?. Lasser ihn frei, lasset ihm die Flügel wachsen und Ihr sollt sehen, daß e- Euerer Aufforderung zum Aufschwünge nicht bedarf. Versuchet den Weg der Güte, gebet dem Israeliten die Freiheit und Ihr sollt Wunder sehen." „Gewiß," versetzte Herr M., „gewiß haben Sie, mein Freund, vollkommen Recht, und alle Redlichgesinnte betrauern mit uns die falsche Richtung, die man eingefchlagm hat, die Hebräer zu civilisiren. Gewiß haben Sie Recht, wenn Sie glauben, daß die Zwangsmaßregeln zu keinem Resultate führen und nicht dloS den Zweck verfehlen, sondern ihm schnurstracks entgegenarbeiten. Sehen Siez. B., dort kommt ein Cz— er Jude, ein kreuzbraver Mann, sag' ich Ihnen; er hängt aber mit aller Gewalt an der hergebrachten Sitte feiner Altvordern. Wenn Sie ordentlich hinschaue«, werden Sie auf den ersten Blick erkennen, daß sein Rock nicht auder Fabrik demodernsten Tailleurkomme, und daß derselbe unten zurückgeschlagen ist. Hier sehen Sie ein Er» empel, wader Zwang fruchtet und wozu er geführt hat. Da die Juden sich in ihrer Willkür beschränkt sehen, sich zu kleiden, wie es ihnen >efällt, so nehmen sie zur List ihre Zustucht. Sie verstecken ihre Haarlocken hinter da- Ohr od.er unter die Mütze zmd diegm den Kaftan auf die Unrechte Seite zurück, wo sie dann den Umschlag züsammcnheften. Kaum aber habest sie Riga im Rücken, so lachen sie sich in'S Fäustchen . ob vier weisen Herren darin, und sind wieder die alten polnischen Juden. — Ah, sehen Sie dort, wie ein Wachtmeist» einem Juden da- Haar und die .Rockfchoße beschneide«! <, Aber diese Maßregel ist nicht von unserer gegenwärtigen .erleuchteten Regierung au-gegangen. ^Wenn ein Quartalnuf einmal ryit Wehmuth auf seinen leeren Beutel Mhr und idn gern wieder fillen möchte, gleich müssen di§ Juden herhalten; daist dasicherste Mittel. Verjährte, mittelalterliche Masse werden au-gekramt, und — auf! einmal heißt «S: Di« Juden sollen kraft de- Gesetzentwilberk werden. Man weiß recht wohl, daß die vem ögenden Juden bereitwillig eia Sühnegeld erlegen. — Lrssen Sie sich auch ein artiges Äeschichkchen dieser Art eozäf len. Letzten Freitag, den st. (21.) diese- Manal- — Juni stellte sich ein Quartalaick vor die Badstude und lud die herau-tielmden 3u£fn, dce sich zu Ehren de- Sadbatki weißgewaschen hatten und sich solcher Ehre nicht versahen, ganz höflich zu sich zum The«. Da half kein Widerstreben; die Armen mußten ihm natürlich liongre malgiv folgen — mr Chaise. Vergessen Sie, mein Lceder, nicht, daß oievor dem Rasttag unserer Feiertage war, und ein Quanalnick ist auch ein Gourmanv, sogur wie Unserem-. .Wozu sol len auch die Juden aüein den sauererwordenen Derdieckst genießen- Einzig und allein audenselben Grunde wurden iam Abend desselben Tages aueinem Betfaale 18 Bermäntel wrggenommen, die man für schwere- Geld einlöse« mü sen wird. Zudem ist unser Polizeimeister den Juden au<) nicht grün. Wohl ist etraurig, aß im Namen de- Gesetzenoch immer solche Schänblichkeiten verübt werben. Wir hoffen jedoch, baß unser Allerg tädigster Herr und Kaiser diesen, sowie, viel« andere hier herrschend« Uebelstände.bald abstellen wird." — ' Der Fremde hatte h ule noch einen Gang zu thua, und da sie an da- Stadt hör gekommen waren, schiedendie Freunde unter einem herzlichen Händedruck. T J—bt.! — Cu^iosum. In einem Artikel „Kstchli, »eZustäade.tn England" schilderte aeulichst die „A. A./Z." di« fieberhafte Gereiztheit, in welcher gegenwärtig die anglikanischen Theologen sich befinden , nachdem durch ein^ von mehreren Geistlichen ebirre Schrift (Essays and Remwa) in leiser Weise auf ein« rationalistische Richtung hingedeutet worden, .und in welcher die Intoleranz bizur Carricatur wird. Sie erzählt dabei folgenden Vorfall. ^.Dor einigen Tagen wurde in Cambridge vor dem aLdrmischen Gerichtshof der Sexviri ein Fall verhandelt, der sehr charakteristisch für di« dort herrschend« Stimmung ist, obgleich unser« deutschen Leser glanbe» möge«, er gehöre eher vor da- Forum eine- Irrenarztes als vor daeine- Universität-vicekanzler-. Der Rev. Brockhurst von Emmanuel College stand, aügeklagt den Rev. Dodd, Fellow von Magdalen College