Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 29 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
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116 7 und Vicar eines Kirchspiels von Cambridge, vor den Mitgliedern und der Dienerschaft feines Collegiums gereitpeirscht zu haben. Der Angeklagte -laugnete die Thar nicht, erklärte vielmehr, er fei stolz darauf-. Seiner eigenen Aussage nach hängt die Sache folgendermaßen zusammen. Er hatte von einem Bekannten vemommen, daß der Rev. Dodd, der ihm didahin perjvnlick ganz unbekannt gewesen, den Namen unseres Heilandes ZesuS Christus beim Tischgebet deS Collegs ausgelassen habe, und zwar um die Gefühle eines jüdischen GasteS nicht zu verletzen. Dieser Art der ialktclity erregte umsomehr seinen rechtgläubigen Zor^, alS er selbst früher ein Buch gegen die Zulassung der Juden zum Parlament geschrieben habe. „Und nun — fuhr er in seiner Vertheidigung fort —, frage ich jeden Gentleman, der Gefühl für Ehre und Tugend besitzt, ob er nicht gehandelt haben würde wie ich, wenn die Ehre seiner Krau oder Tochter in Frag» gestellt worden warek Wie viel mehr Ursache asso hatte ich zu handeln wie ich gehandelt Hab«, da mein Herr und Heiland JesuS Christus infultirt worden war!" Um diese erhabene Mission der blaSphemifchen Ehrenrettung zu erfüllen, versuchte der Rev. Bcockhurst jedoch zuvor einen ftiedlicheren Weg einzuschlageo. Er ging zum Bicekanzler und erklärte ihm: „Wir verlangen auf der einen Seite Bloßstellung und auf der anderen Pcivararrangement; wir verlangen daß eine der Schwere deS Vergehens entsprechende der, der die Dortheile deS Vereins genießen will, muß Mitglied desselben sein, indem er wöchentlich 10 Centimes (jährlich l1/, Thaler) zahlt. Man traut diesem Verfahren eine moralische Wirkung zu und erwartet um so gewiss,rhaftere Rückzahlung. Die Gesellschaft zählt auch Ehrenmitglieder, die einen gleichen Beitrag zahlen. Der Beitritt ist bereits ein zahlreicher. Keine Hüle mehr! Ein polnischer Sopher, der sich in F..mit der Correctur eines min «*eo beschäftigte, sah den Eigenthümer de- Letzrem am Sonnabend einen Hut tragen. Mit sichtbarem Entsetzen ^wandte ec sich an diesen mit der Frage: „Wie, um SchabdeS troagt ihr aach a Hut?" Dabei suchte er demselben durch zwanzig sophistische Argumentationen zu beweisen, daß dieses am Sadbath verboten sei. „Jaa," fuhr er. fort; „aach um der Wochen gihö'r sich a itlicher Züd "giwornl zu sain, kaan Hur nit zu trogen, un beruf steiht der Poßuk: r-rj — (Höret und gehorchet, damit eS Euch woklgehe und Ihr lange lebet auf Erden.) f—M. — : Apologie formulirt, daß dieselbe von achtbaren Zeugen at- , testirr. und dann der Königin alS Haupt der Kirche aufl ElNt HYNagogeN-ElNWeihUNg UN NeWp0kt Erden zugesandr werde, welche (nämlich die Königin«, wie \ 1 709 ich hoffe, dem Uebelthäter Pardon errheilen wird." Da; liUO. jedoch der Lirekanzler nicht hierauf eiogehen zu wollen schien, so sah er sich genöthigt, dem Beleidiger deS Heilandes aufzulauern und ihn zu reitpeitfchen. Während so ein geistlicher Würdenträger dem andern „ein Dutzend oder mehr" Hiebe applicirtt, und ihm zugleich die gemeinsten Schimpfwort« an den Kopf warf, bildeten die Diener des CollegS einen Halbzirkel, alS handle eS sich um einen ordinären Faustkamps Der Rev. Brockhurst aber „dankte Gou, daß er so handeln konnte alS Mitglied der christlichen Kirche und der ala>a unter. zumal in unseren Zeiten, wo der Unglaube so trotzig fein Haupt erhebt." Der UniversitätSgerichtShof, dessen Comperen; der Beklagte bestritt, erkannte übrigens auf vierjährige Suspension. Wohlthätigkcit. In der außerordentlichen angewachfenen israelitischen Gemeinde von Paris wachst in demselben Maße die Zahl der wohlthätigen Institute. Vor Kurzem wurde eine Dar« lehnSkasse gegründet, welch« bestimmt ist, auf movalische Garantien hin, Familienvätern, insbesondere Handwerkern, und denen die an der Spitze einer Werkstatt« stehen, Summen vorzuschießen, deren sie bedürfen, um ihr Gewerbe fortzofüheea. Zn diesem Augenblicke bildet sich eine ähnliche^ Gesellschaft zu gleichen Zwecken, aber auf den Gmadsatz der Gegenseitigkeit gebaut. Der Verein führt den Titel: SolidarischeKasse verarmen Jsraelitenvon Paris, und Ze¬ Daß man eS schon vor einem Zahrhunbcrt verstanden hat, solche Acte feierlich zu machen, ersieht man auS der Berliner Priv. Zkg. Nr. 28. v. Zähre 1704. „Zu New-port in Neu-England errichteten die Juden gegen Ende des vorigen ZahreS 1763 eine neue schöne Synagoge. Die Einweihung ward durch eine feierliche Procession eingeleitet, bei welcher die Aeltesten der Gemeinde die Bücher deS Gesetzes trugen und dieselben in eine Lade der Synagoge niederlegren. — Darauf wurde ein würdiger Gottesdienst adgehalten, der aus Ablesung verschiedener Theile der h. Schrift, einem Gebet für die köniql. Familie und aus erlichen Psalmen, die vom Rabbiner und der Gemeinde im Chor gesungen wurden, bestanden. — „Die gute Ordnung, Harmonie, Musik, die zahlreiche Versammlung deS Volkes bei dieser Feierlichkeit, daS prächtig erleuchtete Gebäude, welches daS schönste in seiner Art in ganz Amerika ist, erweckte bei den Zuschauern, unter beneid auch viele der vornehmsten Engländer waren, einen Begriff von der Majestät und Herrlichkeit deS <üd. Gottesdienstes." Allgemeine Zeitung desJudentbumS. No. 28. 1861. Leitende Art ikel: DaS vom preußischen Justizministerium eiogefordene Gutachten. — Der Orient. — Literarischer Wochenberuht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: München- Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Könnend. Frankreich: Paris. Großbritannien: London. Rußland: Friedrichstadt, Warschau. Nordamerika: Ncw-Aork. Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vieneljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redacteur: St. Näbe. SerU* m L«o»,S,r,er » SsMmMiu, t» «ri»#,. — Dm« Mn ». Krevsto, in «ei»,,,.