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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 28 (1861) · p. Seite 111

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
28 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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111 beruht, warum und wir werden daher! zu der Frage veranlaßt: spricht sich der spätere1 Lehrer dem früheren in widersprechender Weise aus i und des Rachfolg-rS eine minder höht als des Vorgängers t Die Lösung ist nicht schwer kennen, daß auch in dem AuS Wahrheit liegt. DaS göttliche Gericht besteht; der Glaub« an Belohnung und Bestrafung ist eine Grundwahrheit unserer Religion. Der Widerspruch beider Lehrer desteyr also nicht in der Wahrheit der zu Gründe liegenden Glaubenssätze, alS vielmehr in wiefern öiefej die bestimmende^ Gründe für die Erfüllung unserer religiösen und sitttlichen Pflichten sein sollen. Nun aber ist die Fassungskraft der Menschen nicht dieselbe. Sowohl die Einzelnen zu allen Zeilen, als auch ganze Zeitalter stehen auf sehr verschiedenen Stusen, uno sehr oft vermögen die Einen sich! nicht zu der Höhe zu erheben , auf welcher die Andern! ganz heimisch sind. Die Lehrer der Religion müssen adei für Alle sorgen, müssen die bestimmenden Triebfedern zur! Religiosität und Sitlsichkeit für Alle Aussteller,; sie missen oahec wohl avmessen und erwägen, welche Menschen sie! vor sich haben, wie ive,r deren Fassungskraft reiche, von Welcher Gesinnung sie seien, und was auf sie einen entscheidenden Eindruck zu machen vermöge. So löst sich der Widerspruch zwischen der Vorschrift des AntigonuS und des Rabbi in sehr einfacher Weise. Beide wollen die Menschen zu einer strengen Pflichterfüllung, zu einem sorgsamen Vollzug deS göttlichen Willen» destimmen, wollen eS, indem sie den Blick des Menschen zu Gott zu erheben suchen und auf ihn, als die Quelle alles Guten richten. AntigonuS hatte hierbei Menschen .vor sich, welche, über das Gewöhnliche hinaus, die ekhavenste Stufe des religiösen Bewußtsein» zu ersteigen im Stande waren, und die er daher ausfordern konnte, die, höchsten Motive in ihre Seele zu schließen, sich von aller Berücksichtigung der Folgen unsrer Handlungen frei zu machen, und das Gute und Edle nur um GoneSwillen und zveii Wille Gottes, zu thun. So gut war es dem Rabbi nicht.' Das Geschlecht, das er um sich hatte unb auf welches er wirken sollte, hätte diese erhabenen Beweggründe nicht verstanden, ober sie wären ihm doch nicht so ins Herz gedrungen, baß sie sich dauernd davon hätten leiten lassen.. Er mußte daher zu anderen Motiven, zu concreteren und schlagenderen, greifen, sowie wir Kindern die Belohnung und die Zucht» ruthe Vorhalten, während wir die Erwachsenen und entwickeltem Menschen auf den Werth des Guten an sich hinführen. Wir weiden noch heute so verfahren müssen und vor einer gemischten Zuhörerschaft ebenso die niederern sittlichen Beweggründe betonen, wie die höheren auseinander; sitzen. Im Geiste des Midrasch würden wir daher folgendes Gleichniß gebrauchen. Ein König har alle seine Rärhe uno Diener um sich versammelt, um sie, weil seinem Reiche eine Zeit großen Kampfes und schweren Bedrängnissedevorstehk, zur Erfüllung ihrer Pflicht, zu Anstrengungen und Opfern aller Art zu ermahnen. Wie eS sich von selbst versteht, sind seine höchsten Räche und Beamten zunächst um seinen Thron geschaart, während die große Menge der niederen Diener in einem großen Saale vereinigt sind. Er wendet sich daher zuerst an jene, ruft in ihnen die Erinnerungen an das Vaterland wach, an die Lieb« unb Treue, die sie ihrem Könige schuldig sw- und fordert sie deshalb auf, in Uedereinstimmung mit chm;i wieso ist die Anschauung Wir werden nicht ver» 'pruch Radbl's eine große hm dein unb sich daS Verdienst einer aufopfemden Willfährigkeit gegen feine Gebote zu erwerben. Anders spticht er. zu den Andern. Er gemahnt sie an die Belohnuttg, die er dm Thätigen und Eifrigen gewähren will, an die Strafe die den Nachlässigen ünv Ungehorsamen r>-effen würbe, er machr sie darauf auftnerksam, «Haß ihm Keiner und Nicht« entgehe, und Alles zu seiner Zeit zur Rechenschaft gezogen werden würde, er befiehlt ihnm endlich, jeden Befehl mir g eicher Pünktlichkeit zu befolgen, ba eS ihnen nicht zustehe, zwischen den einzelnen Geboren, ob sie mehr oder weniger notwendig feien, zu unterscheiden, noch dazu, da er selbst es sich Vorbehalten habe, nach eigenem Bedünken (hre Dienste zu' belohnen. Es war ein weiser König, der die Menschen wrhl kannte, und an Jeden das Wort so richtete, wie es ai f ihn Eindruck machen mußte. Cr fand daher Gehör, sein Reich besteht noch, und feine Nachfolger bedienen sich noch heule in stftdKt, Lage der Worte ihres erlauchten Ahns. So viele S Illach de "(Söiu'i orgen. uni Ahrahliul Errera in Bcneüigj. Aruh. isr.i au» N». «i., Arbeiten machten aber Herrn Errera nicht gleichgültig füic die Interessen seiner GlaudenSbrüder. Eingenommen vor dem Trubel der Geschäfte, har ec niemals unterlassen, sic» auch mir denen der Gemeinde zÜ befassen. Im Gegenrhei l hat er während dreißig Jahren sein Amr alS Vorsteher, zu dem er jed,Smal beim Verlauf' der dreijährigen AmtSperioie wieder gewählt wurde, verwaltet. Er har niemals seine zahlreichen Arbeiten vorgeschützi, um, sich von dieser Last ji befreien, die er mir Gewissem Hastigkeit Unb all' dem E fer trug, die er immer bei der Ausübung'deS Guten an den Tag gelegt, und er war auch lehr geeignet dazu, denn * dingungen, die erfordersich verwalten; er befaß nicht te, die man gewöhnlich hält, als wenn eS sich da ' vereinigte in sich alle die Befind, eine religiöse Gemeinde zu allein die Kenntniß der Gefchäffür ausreichend zu diesem Amte um handelte, ein HauS zu vek?- walren: eine irrige Meinung, die oft zu den wenig glücklichen Wahlen führt. AlS äußerst religiöser, und zugleich aufgeklärter und toleranter Geist besaß er jenen unschätzbaren Takt, der alle Interessen! und alle Forderungen zn ver-" eindaren versteht. —-- Er war auch lange Zeit einer der Direktoren der Religionsschul- (Talmud Thorah) und mir welchem Eifer und wel her Lied« beschäftigte er 'sich , mir diesem wichtigen Zwkige deS öffentlichen Wohls, er > war bei den Examen gegenwärtig! Er war dies wohl im Stande, benU er. befaß je Te auSgebreiteken Kenntnisse, die nichts immer Diejenigen l «sitzen, welch« sich mir ber Leitung deS öffentlichen Unterrichts besessen. ^— Seine Frömmigkeit, »in weiter und auf die Höhe gerichteter Blick, waren so wohl bekannt, daß, als ein edelmüthiger Mann, der selig! Ventura vor einigen Jahren der israelitischen Gemeinde Venedigein Capital von 30,000 Thalem vermachte, er den Herrn Errera zum Testamentsvollstrecker mit der Vollmacht ernannte, in Uedereinstimmung mildem Benvattun gsrath, mit diesem Capital diejenige Verwendung treffen, l i« ihm für die Interesse» und die Bedürfnisse der Gemeind am zweckmäßigsten schien.

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