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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 27 (1861) · p. Seite 106

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
27 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 wenn der Herr will, kamr^ich zu Haust auch mein Glück machen, und od Du t* in der Fremde findest, so sehr ich ,6 wünsche, wissen wir doch nicht." „Za. <6 geht halt Zeder seinen eignen Weg, theilS wie der liebe Gott ihn ihm vorgezeichner, rheilS wie er ihn sich selbst wählt. Dich har er angewiesen;u Hause zu bleiben, um Murrrr und Schwester zu ernähren, wie es einem guten jüdischen Zungen geziemt, mich har er als -lind zur Waise gemacht und mich einsam in die Well geworfen, damitich mir selbst eine Heimath suche und schaffe. Nun aber eäe wir uns trennen noch eine Bitte. Wir haben hier noch aus unsrem heutigen gemeinsamen Handel eine prächtige eingetauschte Peitsche" — und er hob daS i-orjms »Midi in die Hebe — „die überlass' mir zum Andenken." „Wozu willst Du diel Du verläßt daS Geschäft und kannst sie also nicht brauchen, mir aber ist sie nützlich und angenehm, also muß ich ftV behalten?" „Nicht doch," erwiederte Daniel Ztzig. „ich habe so einen Aberglauben, man muß die Heimarh nicht verlassen, ohne Etwas mirzunebmen, was zu ihr gehört, uns da ach sonst gehen' kann, wie ich stehe und gehe, so laß' mir sie; sie wird mir G.ück bringen. Dafür will ich Drr auch das feierliche Versprechen geben, daß ich Dich ferner noch stillschweigend als meinen Kompagnon betrachten will und baß Du daher von Allem, was ich erwerbe, die Hälfte erhalten sollst." :— : „Darauf gebe ich keinen Pfifferling," antwortete Daniel Markus,, und was hätte ich für Anrecht darauf, wenn ich weder von der.Anlagesumme noch , von der "Arbeit die Hälfte trage -" „Gut. so mache ich Dir einen anderen Vorschlag; hier hast Du KiS Kaf (Handschlag), daß Alles, was kch über zehntausend /Thale: erwerben werde. Dir gehören soll. Ist das nicht rin Vorschlag zur Gutes" „Du bist ein wunderlicher Kauz, der ebenso ausschweifend in Versprechungen, wie in. Hoffnungen ist. Ader ich habe Dich eben so lieb, und so st» es." Und er brach in ein halbes Gelächter au», worein Daniel Ztzig mit gleicher Laune einfiel, schlug aber doch in die dargedotene offne Hand ein und überreichte mit komischer Feierlichkeit seinem Freunde die Peitsche als Unterpfand der glücklichen Zukunft. So trennten sich die beiden Freunde, die außer dem gemeinsamen Vornamen und bisherigen Stand Nichts gemein halten. Der Eine ging über die Wiese in das Städtchen hinein, der Andere schlug den entgegengesetzten Weg durch den ntzken Fichtenwald ein. Es war wohl ein Dierteljahrhundert verflossen. Der Diehmarkt deS Städtchens wurde immer noch an demselben Tage und Orte mir gleichem Andrang und Erfolg abgehalten und immer noch erschien Daniel Markus auf der Pferdewiese/ um als Mäklet einen kärglichen Lohn zu erschwingen. Sein- LooS war das Loos der Armulh geblieben, Mutter und Schwester waren zwar gestorben, aber Frau und Kinder dafür an die Stelle getreten, um daS Herz des biederen Mannes mir schweren Sorgen zu füllm. Am Adettd eines solchen Marktlage» befand er sich mit einigen Bekannten wieder ist jener Schenke am Rande der Wiese, , die auch nicht größer geworden seitdem, aber ärmlicher und verfallener. Unser Mann frina.mit gesenktem Haupte in dem Gaststüdchen hin und her. Er duc sehr bekümmert, denn jeder Handel, . den er heute unternommen, war ihm fehlgeschlagen; nicht i einmal den fälligen MiethzinS trug er in feiner Tasche E heim, und wehmüthig betrachtete er die Bekannten, die theilS noch einigen Nachhandel mit sich trieben, theils Eompag-! m'egkschäfre unter einander schlichteren. Gern, hätte er sie um ein Darledn angegangen, aber den Meisten war er der- | gleichen schon schuldig und vor Anderen scheuere er sich, eine solche Bitte vorzulcagen. Da zog ein heftiger Streik zwi- | fchen zweien der Anwesenden seine Aufmerksamkeit auf sich, welche sich über eine eingehandclle mächtige Peitsche nillit vereinbaren konnten. Bald war der ganze Haufe um die Streitenden versammelt, die endlich auf den Vorschlag eingingen, um den Besitz derselben zu würfeln. Nichts natürlicher, als daß Daniel Markus sich hierbei jener Scene lebhaft erinnerte, welche vor einem Vierteljahrhunderl an derselben Stelle gespielt Harle; nichts natürlicher, als daß er sie, nachdem die Würfel für den Glücklichern entschieden harren, den Anwesenden zum Besten gab. - „Wiel" rief einer von ihnen auS, „Daniel Ztzig nennst! Du Deinen damaligen Kameraden, hast Du niemals Etwas : wieder von ihm gehört i" — „Niemals " „Man sieht, daß Du ein Schlemiel bist, der über das Städtchen und die paar Dörfer darum nicht hinauskommr. I Daniel Ztzig ist jetzt der reichste Mann von Berlin, der > Vorsteher nicht dloS von der Berliner, sondern von der Zudenschafl im ganzen Königreich, der beim König selbst wohlgelitten ist und für ihn die größten Geschäfte macht. Mach' Dich auf, Markus, und da er so gar brav und wohlthatig ist, wird er einen alten Zugendsreund gewiß nicht im Stich lassen. „Za, das thu', Markus!" riefen die Anderen allcsammr. I „Am Ende bist Du doch ein Glückskind, solch einen Ehawer einmal gehabt zu haben." ^.Zch möchte eS gern, und Zhr habt Recht — aber —" und er senkte daS bleiche und durchsuchte Gesicht nieder — „ ich habe kein Gelb zur! Reif«, ich will eS Euch gestehen, ich habe trotz aller Mühe , heute keinen Heller verdient, Frau und Kind hungern zu Hause und werben auS der Hütte hinausgeworfen, wenn ich morgen die Mirthe nicht zahle. —" Eine Pause entstand. Da rief der, welcher vorher um chie Peitsche am hartnäckigsten sich gestritten und sie auch richtig durch den höchsten Pasch gewonnen harre, auS: „Dir soll geholfen ^verden. Ich schenke Dir die Peitsche, die wollen wir» hier gleich verauctioniren, und der Erlös sei Dein. Es*soU eine GlückSpeitsche sein. Denken wir unS, Kinder, wi? wären in der heiligen „Schul" und es wäre der heilige Zom Kippur, und eS würde das „Zeichen" versteigert. Wahrhaftig, wir haben Hier noch eine größere Mizwe vor. Biele daher Zeder, was er nur kann." Und der Mann schlug mir dem gewaltigen Peitschenstiel auf den Tisch, daß eS dröhnte und knallte über die j Köpfe der Anwesenden, und ließ den blanken Messingbe- \ schlag im Lichte flunkern, und bol zuerst, und zwar fünf Rat (ReichSthaler). Die Begeisterung ist ansteckend, man übrrbol sich, und zuletzt fiel die Peitsche für fünfzehn Thaler und Einige Groschen — dem Besitzer derselben wieder zu. Er zählte daS Geld auS der wohlgespjckren Katze sofort auf den Tisch — ob noch mit demselben Feuer, mit welchem er die Peitsche geschenkt und die Gebote gesteigert hatte, wissen wir nicht. .Ader er that eS willig und schwenkte die Peitsche triumphirend. Daniel Markus nahm die

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