Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 26 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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103 murmelte er: „Es ist geschehen wie ich vennurhete; das Schiff steuerte auf da» Feuer zu, welches die verdammten Seeräuber angezündet, und gerieth in die Teufelsklippen; jetzt ist Alles vorbei, die Wellen schlagen über das Verdeck, und einer solchen Brandung wird das Wrack nicht lange widerstehen; es wäre mehr als ein Wunder, wenn die Mannschaft sich hat retten können, ein Boot ist da zerschmettert, wie wenn meine Faust eine Fliege klappt. Aber wo mögen die Piraten weilend . . ." Es sollte itmi bald klar werden. Rechts von den Teufelsklippen, wo bas Schiff gestrandet, durch einen breiten Meeresstrom getrennt, lag eine Abstufung des steilen Felsens, welcher weiterhin das Meer umgürtete. Es war ein Plateau, das über das Meer aufragte, mir dem Lande durch einen schmalen hohen Rücken zusammenhing, und von dem niedrere Riffe und Schluchten an das Meer bequem hinunterführren. Es war ein Bug inS Meer, das man von dort aus weit übersehen konnte, ohne daß man es vom Lande auS, außer vielleicht allein von der Stelle, auf welcher wir beide uys befanden, irgend gewahren konnte, weil es von den Felsen dahinter gänzlich gedeckt ward. Dies war der Versteck der Strandbewobner, um von hier aus die gescheiterten Schiffe zu plündern. Der Gensoarme Halle sein Fernrohr kaum dahin gerichtet und mit einem Fluche auSgerufen: „Ich sagt« es ja, da sind sie!" als er wie entsetzt den Arm sinken ließ. Ich richtete meine Augen dahin und konnte jetzt mit bloßen Augen erkennen, daß sich Menschen darauf hin un^her bewegten. „Gott vollzieht da sein Strafgericht mein ehrlicher Begleiter nach einer Pause wieder an. „Wir können nichts weiter lhun, als für die verlorenen Seelen beten. Das Meer hat sie vom Lande abgeschnitten, die Springfluth geht schon über die Landzunge hinweg, und noch eine kurze Zeit', und das Meer bedeckt die Klippe sammt ihnen und ihren Sünden! Ihr Boot muß bereits von den Wellen verschlungen sein, könnte ihnen auch bei einem solchen Meere, wie es seit Menschengedenken nicht gewesen, nichts helfen. ' Sie haben sich selbst die Todesschlinge gelegt; sie haben Andern ein Grad gegraben, und fahren nun selbst hinein."... Mitten durch da- Brausen der Wogen glaubten wir das herzzerreißende Schreien der unglücklichen Fischer zu vernehmen. Damals dachte ich nicht daran, daß der Untergang dieser Menschen meine eigne Rettung sei; ich fühlte mich von Mitleid erfüllt für Menschen, die sich soeben als mitleidlos gezeigt'und ärger als die Raubthiere, ihre Mitmenschen in bas Verderben gelockt hatten. Aber wir konnten ihnen nicht helfen. Die Schwingen des Todes, die sie selbst über die Bewohner jenes unglücklichen Schiffes gebreitet hatten, entfalteten sich auch über sie. Starr vor Entsetzen, schauten wir auf die verrätherische Klippe hin. Die See schwoll und schwoll, die Wogen Hoden sich immer höher am Rande der Klippe; jetzt fuhr eine darüber hinweg; noch einmal ward die Hohe des Felsens sichtbar — aber eS war schon nichtmehr darauf, wtzs sich regte; jetzt stand das Wasser darüber, die Wellen kreisten und kreisten und zerschellten sich jetzt an der Brust der Felsen selbst, welche ihnen sonst so unerreichbar war, und die sie auch jetzt nicht überwinden konnten. Das Land lag sicher und ruhig dahinter. Roch einmal blickte mein Begleiter hin, dann schüttelte - * \ , _ er sich und sprach: „Jetzt auf, mir müssen Meldung chuo." Wir eilten nach unfern Pferden und bestiegen diese, und in Galopp ging eS zur Stabt. Wir erreichten sie nach einigen Stunden/ So groß mein Interesse war, meine Reife fortzusetzen mnd mein Geschäft zu beenden, so war doch meine Theilnahme an der Unglücksstätte noch größer, und ich kehrte mit dem Beamten nach jener Stelle der Küste zurück, wo ich so Furchtbares erlebt hatte. Als wir Nachmittag dahzp gelangten, sah es ganz anders aus. Die Sonne warf ihren Glanz über Äser und Meer, das ruhig lächelte und in sein Bett zurückgekehtt war. Da» Schiff war verschwunden, und jene Unglücksklippe ragte wieder aus der Brandung hervor. Ich hätte Alles für einen Traum halten können, wenn nicht die Küste weithin mitten Trümmern des zerschlagenen Schiffes bedeckt gewesen, und hier und da selbst eine Leiche von den Wellen aus, geworfen gewesen wäre. Wir fuhren nach der Klippe hinüber und m einer Schlucht derselben fanden wir den Körper eines Fischers, den ich schnell für einen der beiden Männer in der Hülle erkannte. Es wurde ein Protokoll ausgenommen, die Leichen, Freund und Feind zu bestatten befohlen, die Hütten sich selbst, d. .h. dem Zerfallen überlassen, und die Sache war vorbei. in meine Erinnerung ist der. Vorgang mit unverlöfchlichen Zügen gegraben. Leser, droben waltet ein Gott) der schaut, schützt, und straft! . 1 I Abraham Errera in Venedig. (Nach den Arch. isr.) Untre den Jsraeliteä Italiens, welche durch eine ehrenhafte Thätigkeit, durch wichtige ihrem Lande geleistete Dienst« und durch. ein tadelloses und musterhaftes Leben wesentlich dazu deigetrage« haben, den israelitischen Namen zu heben, verdient Herr Abraham Erftra. der am 25. December vvrigen Jahre» zu Venedig in einem Alter von siebzig Jabren gestorben, ohne Widerrede einen der ersten Plätze. Obwohl für den Handel bestimmt, erhielt er doch «ne vortreffliche Erziehung, eine unter den Israeliten ^rssres Landes und der damaligen Zeit, ftttene Sach«, unvda er mit einem lebhaften und-scharfen Geiste begabt war, so machte er große Fortschritte in der Geschichte, im Studium der fremden Sprachen und in der Literatur. Ader vorzugsweise zeigt« et für das Geschäft seit seiner frühesten Kindheit eine große Vorliebe und Befähigung, auch nahm er schon frühzeitig Theil an den Handelsgeschäfte« seine» Vaters, bei dessen Tode er Chef des alten Bankhauses „Abraham Errera" wurde, dessen Credit und Name unter seiner intelligenten und unermüdlichen Leitung sowohl im Laude al» auch nach außen hin nur immer mehr zunahm. Ader da» groß« Bankgeschäft und der Handel nahmen nicht seine ganze Thätigkeit in Anspruch. Er ließ e» sich angelegen sein, eine fast ausschließlich venetianische Industrie immer mehr zu heben und zu vervollkommeaea, nämlich die Production einer Waare, die zu allen Zeiten einer der vorzüglichsten Artikel war, die Venedig nach dem m