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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 26 (1861) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
26 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 Morgenland» und selbst nach Afrika ausführte, und die für dasselbe eine Quelle bedeutenden Vortheils und nützlichen Tausches ist. Ich mein« die große Glas-Perlenfabricarion, von der bas HauS Errera Eigenthümer ist. Seine Einsicht, sein« Redlichkeit, die Liebe, di« er seiner Geburtsftabr bewiesen, gewannen ihm bald die Achtung und das Vertrauen seiner Mitbürger.' In die Handelskammer gewählt, deren Mitglied er lange Zeit gewesen, aber deren Vorsitz er immer abgelehnr, war er bei den Commissionen. welche die Kammer zu Zwecken beS öffentlichen Wohls gewählt, berheiligt. Der Vorsitz der Kammer unterlegte seiner Prüfung und seiner Beurrheilung all« ökonomischen, commerziellen und finanziellen das Land betreffenden Fragen. Da er sich fortwährend dem öff.nllichen Wöhle widmete und, obgleich überhäuft von GeschaftSlast, niemals irgend ein Amt zurückwies, so hakten ihn die Mehrzahl der in Venedig g,sch.rffenen industriellen Etablissements an ihrer Spitze. — Er war einer der Dircctoren der Gesellschaft, di, sich im Zahre 183.; zum Bau einer Eisenbahn zwischen Mailand und Venedig'bildete. Jedermann weiß, gegen wie große Hindernisse die Direktion dieses nationalen Unternehmens zu kämpfen harre, wie viele Schwierigkeiten zu überwinden waren. Herr Errera betheiligre sich an allen jenen Arbeiten bis zur Auflösung der Gesellschaft, die 1840 durch die Abtretung dieser Bahn an den Staat herdeigefübrr wurde. Er zählte eben sowohl auch zu den Gründern der EScomptedank. di, unter dem Namen Siabthmenu» mercaiiiilti, in Venedig im J.thre 1852 geschaffen, eines großen Erediks genießt und dem Handel Venedigs wesentliche Dienste leistet. Er gehörte jeder Zeit dem Direcrorium dieser Bank an, und har demselben sogar während einiger Zeit präsidirt. Herr Errera, der während mehrere Jahre Mitglied deS CommunalrarhS in Venedig war, ist auch auf der politischen Bühne erschienen, so lange diese berühmte Stadt ihre Unabhängigkeit, die sie für eine kurze Zeit wieder zu erlangen im Stande war, bewahren konnte. Zweimal, im Jahre 1848 und 1848 wurde bas venerianische Volk zu den Wahlen berufen, um ihre Repräsentanten zu der Nationalversammlung zu wählen und zweimal ging der Name deS Herrn Errera auS der Wahlurne hervor. Er blieb nicht stumm auf den Bänken, er ließ" sein, Meinung allemal hören, wenn man eine Frage diScutirte, die seine Erfahrung und sein praktischer Geist zu erhellen befähigt war. Aber gerade in den kritischen und gefährlichen Augenblicken offenbaren sich die Vaterlandsliebe eines Bürgers und chaS Vertrauen, welches er emflößt. AlS die Cholera, die Hungersnoth, die Beschießung daS edle und murhige Venedig aufs Aeußerste gebracht hatten, ahS der heldenmürhlge Widerstand, den dis dahin nichts zu erschüttern im Stand« war, zu einer Unmöglichkeit geworden .und als die Bürgerbehörde, in deren Hände die Regierung, die sich zurückzog, die Stadt übergab, sich zu einer Giunla di gouvemo gestaltete, war Herr Errera unter der Za^l cher opferfähigen Bürger, die vor dieser undankbaren und gefährlichen Aufgabe nicht jurückfchreckten und sie mit einem über alles Lob erhabenen Eifer erfüllten, indem sie Ordnung und Ruhe aufrecht erhielten, und die Erresse der Willkürherrschafl verhinderten, die leicht in jenen Tagen des schmerzlichen Erwarten» auSbrechen konnte,, und was der bedrängten Stadt viel Unglück ersparte. Die öffentliche Dankbarkeit hat ihm aufs Reichlichstx Gerechtigkeit widerfahren lassen. Im folgenden Jahre ernannte ihn die Hohe Pforte zu ihrem Consul in Venedig, aber das Exequatur wurde ihm verweigert. Notizen des Tages. Die Einweihung der neuen Synagoge in Stuttgart har die lebhafteste Theiinakme der ganzen Bevölkerung erregt, und die städtischen College« Kaden ein besonderes GlückwünschungSschreiben voll der tolerantesten und anerkennendsten Gesinnungen an den Rabbiner l»r. Maier gtrichrtt. . Jetzt ist nun au» ein sechster Israelit in daS italienische Parlament gewählt worden, ein Vorgang, dcc eben so sehr den Italienern wie den Israeliten unter ihnen zur Ehr« gereicht. — In Nordamerika drangen sich die Juden in die Reihen der Freiwilligen zum Kampfe für die Union einzutreten. AuS New Pork allein sind über 50 Offiziere unsre» Glaubenabgegangen, zwei Milizregimenter werden von jüdischen Obristen rommandirt. Aber auch in den Heeren der Süostaaten befinden sich Juden, und in Westpoint (Georgia) hat sich eine ganze Compagnie Juden, dem, Geiste ihre» Glaubens zuwider, für die Rebellen gebildet. — Auf dem Ungarischen Landtage haben jetzt viele Redner für die volle Gleichberechtigung aller Religionen bas Wort ergriffen. — In Warschau ist eine gesetzliche Interpretation erschienen, durch welche den Juden das Recht zum Pfandbesitz unbeweglicher Güter -zugefpcochen wird. — In Korfu haben wieder Unruhen gegen die Juden staltgefunden. Diesmal richtete der griechische Pöbel seinen Angriff gegen den jüdischen Friedhof, den ec gänzlich verwüstete und die Todrengebeine aus den Gräbern riß und den scheußlichsten Unfug damit trieb. — Allgemeine Zeitarvg des Judenk bum». No. 2b. 1861. Leitende Artikel: Die Amtsniederlegung des Rabbinen Stein in Frankfurt a. M. — Au» Ungarn. — Lilerarncher Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Wiesbaden. Preußen: Tilsit. Oesterreichifcher Xai ferst aal: Horic, au» der Baranva. Die Schweiz: Neufchatel- Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich \ Thaler. Verantwortlicher Redakteur: fl. Näbe. Breiig »c« BiBfcaaHing t» Leipzig. — De»« »m B. f ttgf i- * ta Leipzig. ..A «

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