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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 26 (1861) · p. Seite 102

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
26 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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102 Rettung thun < Gebunden an Händen und Füßen und zwar so fest, daß eS anr nicht möglich war, mich meiner Banden zu entledigen, in einer dunklen Hütte, die durch eine meilenweit« Wüste von allen bewohnten Gegenden getrennt war. . . @6 mußte Allenutzlos fein. Dennoch unterließ ich eS nickt, von Zeit zu Zeit einen lauten H'ülstruf mit aller Kraft auSzustoßen; ich horchte immer eine Zeirlang, obÄchrilte näheren, und wenn ich mich von dem gänzlichen Schweigen üderzeugt hatte, rief ich mir aller Kraft in die Nacht hin »u». Ich mochtk wodl eine Stunde gelegen haben, der Sturm harre sich allmahlig gelegt und auch die Kanonenschläge waren verstummt. Dagegen schien cS mir, als ob da« Töben d,S Meeres rmmer stacker uaö. stacker würde und »aber und näher dränge. Ich hatte eben meinen Hülferuf mehrmals wiederholt und wandte meine Gedanken tkeilS meinen Lieben in der Heimatk, die von meiner Nolh^nichls wußten, rheils zu Gott empor, von dem allein ich noch Hülfe erwarten tonnte, alS die Hütlenrhür aufgerissen warb, und ein Mann eintrat. den ich im Dunkel nicht erkennen tonnte. „Wer ruft hier um Hülfe«" sprach eine liefe Baßstimme, und zugleich verrieth mir das Klirren v^on Waffen, daß ich eS mit einem Bewaffneten zu rbun hatte. „Ick bin ein verirrter Reisender." antwortete ich „der hierher seine Zuflucht genommen und den man gebunden auf den Boden der Hütte geworfen. Die Leute haben vor einer Stunde ihre Wohnung verlassen, nachdem sie das Feuer auSgeloschl. Ader e» muß noch Glulh genug auf dem Herde sein, um ein Stück Kien anzuzünden. Thun Sie eS, und befreien Sie mich aus meiner schrecklichen Lage." Bald darauf drannte eine kleine Fackel, und ich erkannte alsbald einen preußischen Genvvarmen, der mir nun die Stricke um meine Arme und Beine zerschnitt, und welchen ich schnell Alles erzählte, was mir begegnet war. „Nun," sagte er, ,,e» war doch ein Glück für Sie, daß Ihr Pferd davonlief, denn eine Viertelstunde von hier begegnete ich ihm, da ich doch keinen Gedanken harre, gerade diesen Punkt der Küste aufzumchen; ich sing e« auf und dielt eS nun für meine Pflickt, den aufzufuchen, welchen da» Pferd adgeworfen und verlassen hatte. So kam ich hierher und hört« Ihren Ruf. Ihr Pferd habe ich nicht weit von hier an einen Stem angebunden." Um bi«' 'völlige Identität festzustellen, mußte ich ihm noch Alle« sagen, wa» an und auf dem Pferde sich befände. AlS darüber kein.Zweifel mehr char, fuhr er fort: „Jetzt aber lassen Sie uns eilen. Daß die schlechten Menschen «in frevelhafte» Werk Vorhaben, laßt sich denken, Ich glaube nicht im Stande zu sein, «- zu verhindern, denn die Bande ist zu zahlreich für mich und Sie, wenn Sie mir auch deistedm; aber ich kann wenigsten» die Sache constatiren, und die Strafe soll nicht ausdleiben, durch welch« diese Böfewichter zugleich unschädlich gemacht werden." Sowie wir die Hütte verlassen hatte», dewerkten wir ein große» Feuer, das auf der Höhe einet Klippe angezündet worden und jetzt, wo der Sturm sich gelegt hatte, hoch in den Himmel hinauflodette. „Die Brut!" knirschte mein Begleiter, „Hg sind sie wieder au» auf Seeräuderei und Kaperei! . . . Aber diesmal sollen sie mir nicht entwischen . . . Sie haben eia Feuer anzezündet auf der gefährlichsten Klippe der Küste, und die dem Binnenlande am verborgeustrn ist, um da» Sckiff darauf lo»steuern und dort scheitern zu machen, damit sie da» Wrack ausplündern können. Wie viel M.nfchenfeelen dabei zu Grunde gehen, und wie viel kostbares Gut verloren gehl, da» kümmert sie wenig, wenn sie nur eine gute Beure ausfangen können..Ich folgte dem wackern Diener der Ordnung und Gerechtigkeit. Er fuhrt« mich zuerst zu unsren Pferden, die einen Büchsenschuß von der Hütte unter einen Felsendache geschützt und angebunden standen; hier nahm ich meine guten Pistolen au» den Halftern und untersuchte Pulver und Schloß. Der Morgen begann bereits zu grauen, als wir auf Umwegen uns zu den, Feuer auf der Klippe schlicken, woselost wir aber Niemanden fanden. Wir machten un» über das Feuer her, zerrten die Scheite auseinander, warfen sie yon der Höhe in das Wasser und kamen nach einer Viertelstunde damit zu Stande, es gänzlich zu löschen, so daß nicht einmal meftr ein von Weitem bemerklickec Rauch ausstieg. „Wahrscheinlich," sagte der ehrliche Gensdarme, „ist das Unglück schon geschehen, und wäre eS hell genug, würben wir da» oem Verderben geweihte Schiff schon innerhalb der Klippen bemerken; indessen wir haben gelhan, was wir vermochten, und nun wollen wir sehen, wohin die Böfewichter sich zurückgezogen, und wie es um die Sache siebt." Wir machten uns abermals auf den Weg; es ging die Kreuz und Quer durch Felsen und Hügel, bis wir nach einer Stunde des vorsichtigsten Gange» eben an den Rand der Küste treten wollten, als wir uns durch einen Wasserstrom weiterzudringen adgehalken sahen. Mein Begleiter schien sehr verwundert. „ Da« »st ja wa» ganz Besonderes," rief er wie verdutzt auS, „die See muß eine außerordentliche Höhe erreicht haben, denn so lange ich denken kann, und ich bin aus dieser Gegend gebürtig, ist das Wasser noch nicht bi» hierher gedrungen. Weg mir aller Vorsicht, ich muß wissen, woran wir sind." Und er begann in der entgegengesetzten Richtung eine steile Andöhe zu erklettern. Die Erwartung und Anspannung verlieh auch mir frischt Kräfte, daß ich ihm eilendS zu folgen vermochte. Welch' einen Anblick hatten wir, als wir den Gipfel erreicht hauen! Der Tag war vollständig, angebrochen, und da» Meer und der ganze Verlauf der Küste lagen voraus. Da» Meer befand sich in einem Aufruhr, wie eS selbst einem Erfahrenen selten vorgekommen sein mag, mich, den Unkundigen aber mit einem furchtbaren Entsetzen ergriff. Da» konnte der Sturm allein ^nichl bewirkt haben, und der GenSdacme rief wiederholt au»: „Die Springflulh! die Springfluth! Gott erbarme sich ihrer!" . . . Von Nördwest rollten die Wogen wie Wasserderge daher, rhürmten und stürzten sich übereinander, rissen sich mitsammen in den Abgrund, der tief, rief sich öffnete, als ob er in die Unterwelt führte, wälzten sich dann wieder za unermeßlichen Hohen empor, und schleuderten sich wie im Sprunge der Küste zu, an der da» Wasser immer hoher aufstieg, immer tiefer eindrang, und in der turzesten Zeit zu Eilanden machte, wa» eben noch zum Lande gehörte, Sl» ob e» immerdar Meer gewesen, oder plötzlich von der Tiefe verschlungen worben sei . . . Al» wir da» riesige Bild genauer in'» Auge zu fassen vermochten, /ahen wir da» Schiff ohne Masten und Segel zwischen hohen Klippen festsitzen. Mein Begleiter holt« ein kleine» Fernrohr au» der Tasche, klappte es auf, und richtete e» nach dem Schiffe. Rach einigen Augenblicken

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