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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 26 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
26 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Lelehrung und Anlerhattung aufjudischem sielUele. HeraoSgegeben von [Mo. 26. 1861.] Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg, i - »cn tid« d«ti<6rift rdArtnt ««brnttich eine Mutmnfr. Preis de« Safer* ftanftt i Tfelr. WentljäferiA 7 V. Ngr. Alle Buchfeasdlunge», Poftänner und Aeimagsesperilioara aefeme» tttfitOunacn an.' [8. Jahrg. 2. Quartal.] Ein Abenteuer. (««feint). Bei dem Knarren der Thür sprangen die wilden Männer auf und griffen instinktmäßig nach ihren Aerten, die sie aber bei meinem Anblick bald wieder fallen ließen. Der Eine derselben schrill auf mich loS, ergriff meinen Arm und schrie mich an: „Was willst Du hier, Jude? Wir haben keinen Bernstein zu verkaufen; denn da wir ihn doch nur zum Besten des Juden Meier in D. adliefern muffen, schleudern wir die Slücke, die wir finden, lieber in die Wogen des Meeres zurück, und wollen die Bettelpfennige nicht, die man als Finderlohn hinwirfl." „Entschuldigt," hob ich zaghaft an, „daß ich Euch större. Aber ich habe mich verirrt, da ich von St. nach K. wollte; das Unwetter überfiel mich, mein Pferd ist mir entrannt, und der Sturm und der Platzregen nöthigten mich, bei Euch Zuflucht, zu nehmen." Indem ich sprach, kehrte mir die Entschlossenheit zurück. Ich sah ein, daß ich etwas thun muffe, um die' Habgier dieser Leute zu befriedigen. Ich fuhr daher fort: „Ihr müßt mir, liebe Leute, einen trocknen Winkel für diese Nacht gestatten, und mich morgen früh auf den rechten Weg bringen. AlS gerechte Belohnung hierfür gebe ich Euch Alles, was ich bei mir habe, gebe eS Euch als freiwilliges Geschenk und will gern dem von Euch, der mich bis K. begleiten will, noch einige Thaler Botenlohn, worüber wir uns schon einigen werden, in K. auSzahlen." Bei diesen Worten griff ich in die Lasche und holte meine Börse, die nur eine kleine Summe Gelbes enthielt, und meine silbern« Taschenuhr — goldene wurden damal» nur von sehr reichen Leuten getragen — heraus und legte Beides in die Hand de» einen Mannes. Meine Offenheit überraschte die Leute augenscheinlich und da jeder Mensch, wenn er nicht mehr durch ein Verbrechen erlangen kann, als ohne dasselbe, ein solche» sicher unterläßt, so hieß man mich willkommen, rollt« einen Holzklotz nicht weit vom Feuerherd, daß ich mich darauf setze und meine ganz durchnäffken Kleider trocknen könnten. Sie boten mir auch von der Grütze an, die in dem Keffel brodelte; aber ich dankte gern, nachdem ich einen Blick auf den Inhalt de« Kessel», und auf die Köchin gethan. Da» Gespräch war unter den Bewohnern der Hütte seit meinem Eintritt verstummt. Nach einer Weile zogen diese sich in den entgegengesetzten Winkel zurück, wo sie dann und wann untereinander flüsterten. Sie schienen aufmerksam auf den Fortgang de- Unwetter» zu horchen. E» war eine unangenehme Sirualioa für mich. Oer Sturm raste um die Hütte, wie ich^venigsten» ihn noch nie gehört, und in seinen Pausen übernahm «» die gegen di« nahen Klippen tobende Brandung, die Seele mir Schrecken zu/allen, besonder» dessen, der-di« Furchtbarkeit de» aufgeregten Meere» noch niemals erfahren hatte. Plötzlich erschien e» mir, al» ob mitten durch Sturm und Brandung und deren entsetzliche» Getöse Kanonenschläge erdröhnten, die erst schwach und selten, dann immer stärker und häufiger vom Meere "her vernommen wurden. Bei dem ersten Schlage fuhren die Hüttendewohner, Männer und Frauen, wie getroffen auf, und ich konnte d,e Blitz« ihrer Augen sehr», Mit denen sie sich zuwinkte«. Eine. Weile horchten, sie weiter, di» e» selbst mir zweifellos ward, daß die Schüsse von einem in-Gefahr befindlichen Schiffe herrühren müßten. Während ich immer gespannter lauscht,, batten die Männer und Frauen in ihrem Kauderwelsch von Plattdeutsch miteinander lebhaft di»r»urirt, holten dann au» einem Winkel Fackeln und Seile und Stangen, und p'ie Männer ergriffen ihre Arne. Ich bildere mir ein, baß sie zur Rettung d,S Schiffe» oder dessen Mannschaft hinauSeilrn wollten, und war im Begriff, mich trotz meiner'Erschöpfung ihnen zum Begleiter - anzubieten, als ich plötzlich von hinten mit einem Strick mich zusammengesthnürt fühlte und auf den Boden niedergeworfen ward. „Dank e« uns, Jude," schrie der eine Mann mir zu, „daß wir Dich nicht umbringen, bleibe aber ruhig hier liegen, di» wir wieder zurückkehren; dann wollen wir sehen, wa» mir Dir anzüfangen ist." Hierauf löschten -sie da» Feuer de» Herde» au» und verließen, , den brennenden Kienfchrit mir sich nehmend, die Hütte. Bald hörte ich auch aus den übrigen zwei oder drei Hütten Leute hervorkommen, Und unter wüstem Lärmen eilten si, der Küste zu, ich vernahm bald nicht» weiter, al» Sturm und MeereSdraufm und dazwischen einzelne Kanonenschläge. Da lag ich gebunden auf dem feuchten Boden der Hütte. Ich sah leicht ein, daß die Leute zu irgend einem böfin Werke, da» mit dem Dunkel der Nacht verhüllt bleiben sollte, auSgegangen waren. Auch 'daß die« mir dem in Gefahr schwebenden Swift« in Verbindung stände, konnte ich mir denken. War die» aber ein Schmugglerschiff, bä< sie retten wollten? oder ein andere», dessen Unglück sie zu benutzet» gedachten, um zu plündern und Beute zu erhaschen? Was würde mein Schicksal sein, wenn fie^prrückkehren? Würde e» ihnen gelingen, einen Fang zu thun, würde« sie mich al» einen Zeugen ihrpr Thar leben lassen? Schwerlich. Wa» konnte Ich aber zu meüwr

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