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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 25 (1861) · p. Seite 99

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
25 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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99 entschloß, seinen Dienst zu verlassen. Zit diegeschehen und der Prinz wieder zurückgekommen war, ließ er ihn auf eine anständige Art kleiden. „Lder da» ist noch nicht genug," fügte er hinzu, „Ihre Pferde sind in meinem Stalle, vor meiner Thür haben Sie ihr, Kutsche gesehen und hier sind Ihre Domestiken" — die» waren vier schön gekleidete Jünglinge. „In meiner Nachbarschaft", fuhr der Jude weiter fort, „ist ein reicher Partikulier, der eine schöne, tugendhafte Tochter Kat. aber oie Schwachheit de, sitzt, daß er sie nur an einen Mann verheiralhen will, den ein Ordensband schmückt. Sie sind Prinz, hier sind tau'end Ducaren, gehen Sie zum König und bitten Sie ihn um einen Orden: aber kommen Sie bald zurück, denn ich bin alt und werde bald zu meinen Vätern eingehen. Der brave Israelit suchte die Heicarh indessen einzulenken, und kaum erschien brr junge Prinz, der damals in einem Alter von 20 Jahren war, so erhielt er da- Mädchen und mir ihr 100,000 Fl. Morgengade nebst 'dem Versprechen , noch so viel zu erhalten. so bald ihm bas erste Kind geboren würde. Ec zeugte zwei Sohne, von denen einer in der Jugenddlürhe starb, der andere aber eine zahlreiche Nachkommenschaft chinrerließ. die gleich »delmüthig dir Nachkömmlinge des braven Juden mit Wohltbaren überhäufte, der ihrer Familie ihren echten Glanz wieder verschafft hatte. — Da» Blatt, welchediese Geschichte erzählt, nennt zwar den Stamm des Prinzen — ,« war der Fürst Woconincki — mit weit größerem Recht aber hätte der Name des Israeliten der Nachwelt aufdehalren zu werden verdient. Eine Warnung. des Dichter» bezügliche Stelle, welche zu charakteristisch ist, als >baß wir sieben Lesern diese- Blattes vorenthalten sollten. De,! Brief ist bahrt vom 5. Oktober 1854, also ungefähr ein und ein halbes Jahr vor dem Tode Heine'» geschrieben. „Ich gebe meine Werke auf französisch bei Michel Lev- Fröre» heraus, die man mir als Verleger empfahl. - Ich hatte die Wahl zwischen ihnen und meinem andern Verleger, der ein ehemaliger Bonnetier, d. h. baumwollener Nachrmützenfadrikanr war. und ich gab erstem de» Vorzugs vielleicht eben weil sie vom Stamme Lev-. Ich glaube,, daß Herr darum nicht minder ein ehrlicher Mann und m.in Vertrauen verdient, und wenigstens ich, sollte ich mich auch zu meinem größten Schaden irren, ich darf vom alten Vorurrdeil gegen die Juden mich nicht leiten lassen. Ich glaube, wenn man sie Geld verdienen läßt, -so werden sie wenigstens dankbar sein, und uns weniger üdervortheilen als ihre christlichen Eollegen. Eine große Civilisarioa des Herzens blieb durch e^i neu nunterdrocheneTraüirion von zweiJahrrausenden. Ich glaube, sie konnten deshalb auch so schnell theilnrhmen an der europäischen Cultur, weil sie ebe'i, i ».Betreff de- G^fn h l» nichts zu erlernen halten und nur da- W'issen sich anzueignen doauchk«n. Doch dawisse» Sie allebesser wie ich, u»d es mag Ihnen nur alr Wink dienen zum Verständnis dessen, was ich in meinen „Geständnissen" gesagt hadp." Bon welcher Bedeutung müssen diese Worte in dem Munde eine» Mannes fein, der fein« Glaubensgenossen so oft verspottet u»d ihnefi jede Tugend har rauben wollen. Er h'at in den letzten Jahren seines Lebens Manches wieder gut gemacht; er ist alÄ Jude gedpren und seiner Gesinnung und Denkweise nach a^s Jude gestorben. Die „Köln. Zeit." schreibt: Trier, 4. Juni. Ein jüdischer Lehrer und Eanror aus der Umgegend von Trier war beauftragt, für einen Synagoqendau CvUrctmgetder in der Rheinprovinz zu sammeln. Derselbe schickte anfänglich regelmäßig den Ertrag der Collecte «in, spater aber, als er bas Eollecticen unbefugter Weise in» Ausland fortsetzte, erfolgten keine Geldsendungen mehr, was um so verdächtiger war, als eine aus dem Auslände brieflich eingegangene Mittheilung anzeigte -r daß der Eollecteur sich einem leichtfertigen Lebenswandel hingede. Letzterer wurde nun am 31. Mai vor den Oder-Rabbiner und das israelitische Eonsistorium in Trier deschieden, um sich alldort zu verantworten. Al» er einer Veruntreuung des Gelder überführt zu sein glaubte, rief er au«: „Wenn Ihr nicht verzeiht, so bin ich verloren!" und versuchte alsdann drei Mal mit einem Messer sich die P^sadern zu durchschneiden. Der Selbstmord mißlang, und herdeigerufene ärztliche Hülfe har nachtheilige Folgen der Schnittwunde beseitigt. » Heinrich Heine. Ja einem von Hoffmann von FaUerledrn jüngst veröffentlichten Briefe Heinrich Heine'» von Joseph Lehmann, dem Redarreur des „Magazins für die Literarutz des Auslandes, findet sich eine auf die früheren Glaubensgenossen Berichte und U.rtheile der Griechen' und Römer über die Judon. j cftortfcftiutg.) So begannen sie, des Weges unkundig, die Irrfahrt, und schon von Wassermangel bedrängt, lagen sie dem Tode nahe auf den Feldern, als eine Herde wildee Esel au» der Weide nach einem sichren Walde eilte. Diesen folgend, muchmaßte Moses ay« dem kräurerreichen Bode» reiche Wasserader» und. öffnet^ sie. Hterburch erfrischt, gewannen 'sie, nach ununterbrochenem sechstägigen Wundem, am siebenten Tage, nach Vertreibung der Bewohner. Ländereien, in welchen sie eine Stadt und einen Tempel weiheten." (Cap. 4.) „ Moses setzte neue, den übrige» Sterblichen verschiedene Gebräuche eia — des Schweineenthalten sie sich — dm ehemaligen langen Mangel an Brot feiern sie durch häufiges Fasten, und zum Andenken des gjraudtm Getreides wird bas jüdische Brot ohne Sauerteig gegessen. Man sagt, am siebenten Tage pflegen sie der Rühe, t**U dieser bas Ende ihrer Leidm brachte — auch da« sieden« Jahr widmen sie der Ruhe. — (Cap. V.) Ihr« übrigm Einrichruugea haben einen düsteren Charakter — sie sind hartnäckig in ihrem Glauben, und zum Mitleid«» gegm

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