Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 25 (1861) · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
25 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4908862-5999360-6026427--1918-4910379
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

98 Denn immer gräßlicher erhob sich die Wurh des Sturme«, J mich bi« auf da« Mark durchkälter und ermattet. Zch immer furchtbarer wurde bas Rollen und Toben de« Meeres gegen die Ufer, die e« zu verschlingen drohte, lch! konnte mich aus dem Pferde nicht mehr erhalten, da der ' entfesselte Wind sich auf mich stürzte, ich mußte adsteigen > »nd da« Pferd am Zügel leiten, stand aber zugleich in; Gefahr, mich zu verirren, da der Pfad unter meinen Füßen > verschwand, und das erhöhte Brausen der Wogen nur den j Maßstad nahm, ob ich mich der Küste nähere, oder von! ihr entferne. Harren ich und mein treuer Roß einige Schritte gethan, so mußten wir stille halten, um Akdem j zu schöpfen und von dem Sturme nicht mir forrgerissen ■ zu werben. Es war eine schreckliche Lag«, wo ich nicht« weiter zu thun vermochte, al« mich dem Schutze 'der gött- . lichrn Vorsehung zu überlassen. Zn diesen Stunden erfuhr j ich, wa« in dem Herzen eine« geangstigren Menschen vor; sich geht. Mern einziger Trost., meine einzige Stärkung | bestand darin, daß ich, der ich sonst gar nicht so streng: religiös rpar, immer wiederholt da« Schema Zisroeil sprach,; und da« Sündendekcnnrniß, und Aschrei und wer weiß! noch was! Dagegen weiß ich noch heule nicht, wie wir vorwärts kamen, und welche Richtung wir ein^efchlagen. Zch war berefts auf den Tod ermattet, und glaubte mich l! schon weit vonder Küste entfernt, da da« Rollen des [- MeereS weiter von nur klang, als ich um einen Hügel kam, und hier wie mir einem plötzlichen Schlage der Sturm abermal« über Mich hecstürzle, und die Wellen und ihr rasendes Loden wie zu meinen Füßen schienen. Ich mußte mich unvermerkt einer Meeresbucht genähert haben. Der Zügel war mir au« der Hand geriff.n, und vergeben« tappte ich nach meinem Pferde herum, da« dem Sturme nachgebend, von dannen gekommen. Verzweiflung füllte mein Hrrz, und ich glaubte mich gänzlich verloren, als plötzlich ein schwacher Lichtstrahl durch die Finsterniß mein irres Auge traf. ..Heiliger Gott! ein Licht!"... jubelte eS in meiner Seele und elastisch schwang sich mein Geist zur Hoffnung auf Rettung auf. Vorsichtig entfernte ich ' mich einige Schritte weiter von dem Ende -der Bucht landeinwärts, dann ging ich vor, der Lichtstrahl ward starker, ich' ging ihm nach, so schwer die« auch die Unebenheit de« Boden« machte, nach einiger Zeit erkannte ich die dunkeln Umrisse einiger Hüllen und in Kurzem stand ich an der Hinrerwand einer solchen, wo ein Loch den Schein einer Kienfackel hindurchließ, zugleich aber auch mir-einen Einblick in da« Znnere der Hütte gestatreke. Dieser war nicht sehr tröstlich. Die ganze Hütte schien nur einen Raum zu enthalten, der wüst und ärmlich über alle Beschreibung war, und außer ein paar Strohschütten in der Ecke und einem Herde, auf welchem über einem Feuer ein Kessel stand, darin irgend eine Flüssigkeit brodelte, -nicht« enthielt fühlte, noch eine Stunde unter diesen Einflüssen, und ich mußte erliegen. Zch war zwar ganz wehrlo«, denn da« treulose Geschick hatte mich mit meinem Pferde auch von meiner Waffe getrennt; aber dasselbe harre auch mein,Gepäck von dannen geführt, und außer einer silbernen Uhr und einigen Groschen kleiner Münzen Harle ich nicht« bei mir, was die Gier meiner Wirthe erregen konnte. Noch einen Blick -warf ich auf die in der Hürre versammelten Menschen, die, während die Männer au« kurzen Pfeifen rauchten und die Weiber am Herde deschäfligt waren, doch ein sehr lebhafte« Gespräch zu führen schienen, ödschon ich vor dem Brausen ves Winde« keine Worte vernahm, denn ihre Blicke funkelten und ihre Hände qesticulirten — noch einen Blick in die dunkle. Nacht,, welche dir 2$cutc der grausesten Elemente war, und ich ging um dze Hülle herum, nach deren Eingang spähend, fand auch auf der dritten Seile eine Art Eingang, von einer Breeerrhür bedeckt, schlug mit der Faust gegen dieselbe und da ich fand, daß sie gar nichr verschlossen fei, trat ich ohne Weiteres ein. l«ämk foißt.i Schön! unv echt israelitisch! Die „Köln Zeit." erzählt: Bekanntlich siel ein Theil des letzten großen Loosis nach Neuß, und zwar zu Gunsten eines israelilischen Händlers. Zn seiner großen Freude ließ derselbe gleich mehrere Maller Roggen und Weizen zu Dror verbacken und an die Armen verrheilcn. Außerdem machte er einen Strich durch Forderungen von über 800 Thlr., welche ihm kleine Leute an Specereiwaaren verschuldeten. In -einem alkern Buche „Zu d en bi b l i 0 th e k. Leipzig, 1787." 2re« Stuck S. 7t. finden wir folgende Erzählung, und zwar als Thalsache' verbürgt. Eine polnische fürstliche Familie war durch verschiedene Zufälle zu Anfang dieses Zahrhunderl'S so tief hecabgesunken, daß der letzte Prinz aus derselben sich -entschloß, seinen Stand zu vertäugnen und bei einem Edelmanne, der sich von den Vorfahren des Prinzen bereichert hakte, in Dienst zu treten. Einst hielt er mit den Pferden feines Herrn vor einer jüdischen Schenke. Der Wicrh, ein redlicher Israelit, der edler dachte al« der christliche Edelmann, erkannte ihn und behandelte ihn als Prinzen mit äußerster Höflichkeit, und so sehr ihn auch der Prinz versicherte, daß er keinen Titel annehmen könne, dessen Würde er nichr zu behaupten im Stande wäre, so blieb al« einige hölzerne Geräthe gröbster Art. In diesem Raume i der Wirth doch gebückt vor ihm stehen und bat ihn dringend, mit befanden sich zwei Männer inschmutzigen und zerrissenen ihm in seine Stube zu gehen. „Gnädiger Herr," fing Leinenkleidern, von wilder Haltung und zwei Weiber, von^er hier an, „Zhr Großvater und Ihr Barer haben mich denen die eine einer scheußlichen alten Hexe auf ein Haar i mit Wohlrhaten überhäuft; eS ist billig, daß ich mich glich, die andere, wenn auch etwa« jünger, doch nichts j Kegen Ihren letzten Abkömmling dankbar beweise. Gott von den Vorzügen ihre» Geschlecht« verrielh, sondern in | hat mich gesegnet und ich freue mich, Gelegenheit gefunden ihren knochigen Zügen die Lerdenschaften emgegraden trug«. zu haben, diesen Segen mit Andern tbeilen zu können, welche da» Elmb in starken Charakteren am heftigsten anfachr. \ 3<J) nwb* nur dann ruhig sterben. wenn ich die Welk Zch kann sagen, daß die Gesellschaft mir durchaus nichr \ mft^em Bewußtsein verlasse, etwa« zur Wiederherstellung gefiel, aber e« blieb mir kein« Waht übrig. Sturm und dechMren Glanzes Zhrer Familie beigetragen zu haben." Platzregen wechselten immerfort mit einander ab, und hatten Hierauf drang er so lange >n dm Prinzen, bis er sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.