Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 25 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4908862-5999360-6026427--1917-4910378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Jüdisches Volksblatt licfeOrunfl uni) llnlcrljafluiu] anl j ii kl l schein ^cOicte. - Herausgegeben von [9io. 25. 18(51.] Siadbiaer Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Äon ricicr gciii«t-ri'i ericktim »o<bcni!ild dn« Nummcr. Prcis ke« Jabr- Aangs 1 ijafTia 7 '/J Mr. ÄUr vu»dau:>unj,en, Poskämrer und Zciiungr^krcdilioncit ncdmc» vtstelrungc» an. [8. Jahrg. 2. Quartal.] Ein Abenteuer. 'JJS.'tw man von El. längs dtt Küste derOstse. einige Meilen eine vernachlässigte Lanosiraße verfolgt, die in vielfachen Windungen dem Rande des Meeres, bas schaumend auf die weilen Sandflä'chcn am Fuße der Dünen die Salzflurh wälzr, sich bald nähert, bald von ihm sich entfernt, so gelangt man in einen ganz verödeten Landstrich. Die unermeßliche Sandfläche wird nur hier und da durch einen Fleck dürftigen Grases oder durch armseliges Dornengesirüpp unterbrochen; von einer B»vc'lkerung ist keine Spur; ois endlich der Bosen hüglig zu werden beginnt, und sich in weiten Zwischeura'um.n hinter den Erhöhungen dennoch ein kleiner fruchtbarerer Platz sinder, den ein Quell bewässert und außer einigen Fichten und Tannen einem paar Schafen einen Weideplatz deceicec har. Die Küste macht hier einen Dug nach Norden, und beginnt die Dünen mit einigen starren Krisen zu unterbrechen, welche wiederum dem rollenden Gewässer einen lieferen Einschnitt in das Land gewährt haben. Folgt man diesir Biegung, >o gelangt man nach einigen Stunden endlich einmal wieder zu einer S telle, auf der man von Weitem den Anbau menschlicher Thärigkeir zu erblicken glaubt. ' Näher gekommen sieht man jedoch nur die Trümmerresie zweier oder dreier elender Hütten, die ihrem Verfall überlaffen sind und vielleicht in kurzer Zeit von den Stürmen ^csloden, vom Sande bedeckt, gansiich verschwunden sein werden. Stehe hier, Wanderer, einen Augenblick still und schaue um dich. Welch' eine Wüstenei! Fürwahr, hier haben Meer und Land ihre Rollen gewechselt. Nur das Meer scheint Leben zu besitzen, während das Land von der Hand des Todes mit einem schweren Leichentuch bedeckt ist. Nur wie die Wogen beS Meeres in' immer wieder sich.erneuenden Kreisen zur Küste ziehen, ihre Schaumlinien auf das sandige Ufer werfen, oder an den Klippen wirbelnd in die Höhe schlagen und mir ihrem Rauschen selbst das ferne Ohr treffen, fühlen wir, daß Leben in der Natur ist. während ein erschreckendes Schweigen über die ganze Fläche der Erde gebreitet ist, kein Baum rauscht, kein Tkier brüllt, kein Fuß sich regt, und nur dann und wann hoch über uns eine Möwe kreischend durch die Luft zieU Dennoch ist diese Gegend nicht ganz so unbesucht, wie sie scheint. Meilenweit von einander liegen kleine armseßkge Fischerdörfer versteckt, wenn man Dörfer nennen darf, wo drei oder vier, höchstens sechs bis acht Hütten sich zusammen» gefunden haben. Aber die Bewohner dieser Hütten durchstreifen von Zeit zu Zeit die ganze Küste, um BernH^»stücke zu suchen und zu sammeln, die sie dann theilS gegen eine 1 Entschädigung abzulsLfrr" baden, theilS aber auch heimlich! verkaufen. Jnoeß hat in den letzten Zeilen dieser Handel sehr nachgelassen,', da der Bernstcin lange nicht mehr den großen Absatz im Orient, sinder, wie früher und in Europa ziemlich aus der Mode gekommen, weshalb dieses sonderbare Geschenk des Meeres enlwerlher ward-» An diese Gegend nun knüpft meine Erinnerung aus früheren Zeiten ein Abenteuer, haS mich' noch immer mit Schauern erfüllt. Ich hatte diese Landschaft nie besucht, da mich weder Neugierde noch ^Geschäft dahin .führte, hingegen Land und Leute in solchem Verrüfe standen, baß man lieber einen weilen Umweg durch da« Binnenland' machte, um nicht mit ihnen in Berührung zu kommen. Indeß nöthigte mich ein Geschäft, welches sehr große Eile hatte, um Herbstzeir kineS Tage« so schnell wie möglich von St. nach K. zu gelangen und ta[ keckem Iugenbmuthe — ich zählte damals kaum 20 Jahre — beschloß kch den Ritt durch das Küstenland frisch zu. wagen, und hoffte, auf mein gute« Pferd vertrauend, noch vor Anbruch der Nacht, in Kzu sein. 'Es war zwei Uhr Nachmittags, als ick von St. aufbrach, 'und da ich gute Speise und guten Trank zu mir genommen, auch eine geladene Pistole im -Sattel- Halfter harre, war ich guten Sinne«, trällerte ein Lieds vor mir hin, und trieb nur von Zeit 3?IF mein Pferd zu etwas rascherem TraS ae.. Wa? nkir das Her; auch etwas dang, /».zog mich doch die Neuheit der Gegend an^ und ich gelangte rasch vorwärts, di« ich den Saum dieser wüsteren Gegend erreicht hatte. Aber wie von einem Banne betroffen, änderte e« sich hier alsbald-, Allmahlig hakte der Wind sich erhoben, schwoll in längeren und kürzeren Pausen bald höher, an, und eine Stunde später war er plötzlich zu einem starken Nordost umqefprungen, der über das Meer gewaltig einherftihr, rjiit Sturmesmacht die Wellen aufwühlle und gegen da« Ufer schleuderte, um dann über das schutzlose Land hin zu rasen. Zugleich thürmte der Sturm die dunkelsten Wetterwolken am Himmel auf, daß es finster wie die >Nacht wurde, und wenn er ja eine Viertelstunde sich beruhigt hatte, schüttete das Gewölk einev Regenflulh aus feinem Schoße. Beim Beginne dieses UnwefterS hatte ich mein Pferd zur äußersten Schnelligkeit angefeüert, aber ich harre dessen gar nicht bedurft-, denn fein Instinkt lehrte es die kommenden Gefahren. Bald kamen wir nur noch mühsam vorwärts, der Regen hatte mich bis auf die Haut durchnäßt uns die Dunkelheit ließ kaum> einige Schritte weit den Weg erkennt«, der sich schon des Tages -wenig von dem übrigen.Terrai» abzeichnete. Aber die Schrecken harren ihre Höhe noch nicht erreicht.