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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 23 (1861) · p. Seite 79

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
23 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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91 „große Schimrne," hat« nur den Mund aufrhun sollen, — es hätte gewiß Alles „Ruhig, Ruhig!" geschcieo, und dieser hätte sein Ziel nicht verfehlt, und dich sicherlich geschossen! — Aber wir wissen, du würdest dir daraus so viel nicht gemacht haben — waging dich auch alles Andere an — mochte die Welt über dich reden, wa» sie wollte, wenn du nur in deinem freundlichen Stübchen di« Zeit mit deiner schönen, reizenden Malte gemürhlich verplaudern konntest. — Aber, befand sich Hirsch denn wirklich in so hoher Glückseligkeit? Wenn es wahr ist, daß kein Unglück so groß sei, daß es nicht auch ein Glück in sich schließe, es bestätigt es sich nicht seltener, daß kein Glück rein, ohne Zusatz von Hefe genossen ^werden kann. Wem ein Blick in Hirsch'- Innere gegönnt gewesen wäre, der hätte darin einen wüthenden Kampf zweier mächtiger Riesinnen gewahrt. — Der Funke, der vor der Bekanntschaft mit Malke noch in irgend einem Winkel seines Herzens geschlummert, war erwacht, hatte mächtig um sich gegriffen, bis er die höchste Gluth erreichte -- die Liede zu Malte also im Kampfe mir der Ehrfurcht gegen seinen rheuern dahingeschiedenen Barer. Erster, wäre beinahe triumphirend als Siegerin hervorgegangen; da trat aber wieder Letztere mit ihrem Donnergeschütz: „Kibudaw! Kibudaw!" (Ehrfurcht gegen den Baker!) hervor. Der Kampf blieb unentschieden, und der arme Hirsch hatte viel zu leiden. Hierzu gesellte sich noch — wie doch selten ein Unglück allein kommt — ein zweites. Hirsch wurde von einer bedenklichen Krankheit heimgesucht; ob. in Folge jener inner» Aufregung, lassen wir auf sich beruhen. — Ach, die gute Malke, wer sie nur gesehen hatte mir ihrem kummervollen, engelreinen Antlitz, von dem die schöne Rothe gewichen war! Ach, wie sie da mit unendlicher Aufopferung den armen Kranken hegte und pflegte, wie sie den Schlaf von ihren Augenlidern scheuchend, Nächte in seines Lager- Nähe durchwachte, und auf jeden Athemzug lauschte. Und wenn Hirsch zuweilen in seinen wirren Träumen: „Malke, meine Malke!" aufschrie, unk sie ihn nach seinem plötzlich erfolgten Erwachen nach dem Wunsche fragte, — da blickte er sie so zärtlich starr an, und sagte dann nach einem Seufzer aus der Tiefe seiner Brust mit leiser Stimme: „Dein Händchen, gute Malke!" — Utid Malke reichte ihm schüchtem ihr schneeweißes Händchen hin und er drückte es lange mit unendlicher Zärtlichkeit; — ihm entfiel auch nicht, wie auS Malkes schönen Augen glänzende Perlen sich hervorstahlen und herabglitten. — — Doch, wozu erst länger bei seiner Krankheit weilen! — Nächst Gott hatte er der zärtlichen, aufopfemden Pflege der guten Malke und seiner starken Natur die allmälige Wiederherstellung zu verdanken. — Während feiner Krankhest war der feste Entschluß in ihm gereift: „Malke oder Keine!!" Kaum war er wieder auf den Beinen, so war fein erster Gang;um Rabbi. Bei diesem hieß es — wir »heilen dies nur unter der Bedingung strengster Discrerion von Seiten degeneigten Lesers mit — hat der „Schulchan aruch Rädchen" (Coder, religiöses Gesetzbuch, dessen Inhalt er nach Belleben zu deuten »erstehen sollte); daher konnte Hirsch in seiner Angelegenheit an keinen Anderen sich mit größerer Zuversicht auf einen günstigen Erfolg wenden, als an ihn. Hirsch theiltt ihm mir, welches Gelöbniß ihm sein verstorbener Vater auf dem Sterbebette abgenommen Hab«, und äußerte hierbei den Wunsch, ihn dessen bei obwaltender Möglichkeit zu entbinden. — Auf die Di-cretwn des geneigten Leser« vertrauend, fügen wir noch hinzu, daß unser Hirsch sein Anliegen, von dessen Erfüllung oder Nichterfüllung sein Glück oder Unglück adhing, mir einem-«- hallsvollen Papierchen,- dessen unverkennbarer Werth in die Augen fiel, würzte, indem er dasselbe als ein kheures Zeichen seiner Huld in den aufgeschlagenen, daliegeaden Folianrm hineinpraktikirre. — ' Der aufmerksame Rabbi zog seine Stirn in gelehrte Falten, brachte dabei mir beiden Händen sein Kappel (schwarzes Sammtkäppchen) in gehörige oder ungehörige Position, unck sprach mir feierlichem Ernste: „E, e, 's ist 'ne schwere Sach' das — ganz schwer ja — aber — na — wir wollen seh'n was 's ist zu thua dabei!" — . Darauf hieß er Hirsch auf einem dastehenden Schemel Platz nehmen; — 'er selbst sucht in dicken Folianten umher, citirt, sich am Barte hin und her zausend, in singendest» Tpne eine Stelle nach der andern-—er wird einigeMal unwillig — fährt. weiter forr — da holpert er wahrscheinlich tan einem ungeheuer» Stein; denn er zerrt glwizt an feinem Batte, als wollte er ihn sammt der, Wurzel vertilge« — endlich wird er ruhiger; er geht eine lange Strecke singend die Ehausse — er bemüht sich, seine innere .Freud« über das glückliche Ergedniß feiner Forschungen, das ec Hirsch" stufenweise beizudringeu beabsichtigt, zu verbergen. Er will ihn so zu sagen erst in enge Schrauben setzen, und diese allmählig lockern. — Hirsch befand sich während dieser Scenen in der peinlichsten Lage. Hätte der überaus gefällige Rabbi seine Experiment« gar zu lange verfolgt, eS hätte sehr leicht dekaum genesenen Hirsch's sich ein Rückfall bemächtigen können; aber es währte— Dank dem vortrefflichen Gelehrten — „trotz der ganz schweren Sach'" nicht allzu lange. — Der Rabbi Hub mit salbungsvoller Stimme an: „Mizwo lekajeim diwrei hameß!" (Es istein gottgefällig Werk, zu erfüllen da- Vermächtnis! eines Verstorbenen), bearbeitete diesen Ausspruch mit Aufwand aller ihm zu Gebote stehende« Beredtsamkeir und entfaltete hierbei eine so staunmswerthe Gelahnheil, wovon Hirsch kein Sterbenswörtchen capirt '( haben wollte. Sein anfangs stockernstes Antlitz wurde , allmählig freundlicher».— steigerte sich zu einem fröhlichen ' Lächeln — endlich »erkundete er dem armen Gefolterten das beseligende Wort der Erlösung, worauf Hirsch nach der üblichen Ceremonie seines Gelübdes für immer entdrmdm wurde. — | teawtz i Hebräisch-archäologische Handjeichmiugeu. > 1. Die Levi ren. “ '"*7' ' («cht»ß.) Die Feinde der Juden schoben jetzt uaüderstagliche Hindernisse zwischen die Fortsetzung des Baues, so daß sie ihn erst im zweiten Jahre des dritten persischen Königs DarluS (520) fortsetzen, und im 6ten Jahre (515) vollenden konnten, gerade 1000 Jahre nach der Grundlegung des ersten Tempel-durch. Salomon. Die Einweihung ward feierlich begangen,, die Ordnungen der Priester und Leviten, so weit es ging, hergestellt, und einen Monat spä»

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