Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 8 (1861)
- Issue
- 22 (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
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86 von jenem elenden „Ramme" auf »nerhörte Weise^-Hinteegangcn worden sei. — Oer Landrc allsogleich genauen Bericht. Er ließ klagten zu gleicher Zeit zu sich ,nt steten. — Oer Wicth Halle — wie jener erste Rabbi auf ichtig vorausgesetzt die Einladung Angenommen. — Oie Vorgeladenen fanden sich $dc bestimmten Zeit ein; sie traten in- Zimmer. - Oer h »he Rabbi stand vom Scheitel dis zur Fußsohle in einen Talis (Geberm ntel) gehüllt,' den Rücken den Eintretendm zugewendet. Ohne bbiner erhielt hiervon den Klager und -Be- Hirfch nochmals seines wollte -sich zu keinem > ogleich umschlang. — Käppchen) aufgesetzt! seine Stellung zu verändern, ließ er Klage Vorbringen; — der Wirrh Empfang bekennen. — Nun gebot»ihnen der R^dbi mit! Ehrfurcht einfloßender Stimme, sich siugs ihrer Obercöcke zu entledigen, und sie mit einem Tafis zu vertauschen, den ihnen der bereitstehende Oiener all „Jetzt die Hüt' herab und die Kappel hieß es weiter. Es geschah auch die«. — „Nun" — so erging der Befehl an Cheskele, seinen Diener — führ' Jeden in eine besondere Stub', leg' ihnen ein Ästlim (Pfalmduchvor; eS soll- Jeder das erste Kapitel sagen und wieder sagen so lang', bis er wird gerufen!" — Ob der Wirth andächtig gewesen, ist nicht bekannt worden; Hirsch aber bat — wenn wir seiner Versicherung vertrauen — seine Aufgabe mit tiefster Inbrunst.deS Herzens erfüllt.— Nach Verlauf - einer Stunde wurden sie wiederum vor den hohen Richter deordett, der noch in seiner vorigen Stellung beharrte. „Ihr" - so redet er mit-Schärfe den Beklagten an — „Euch frag' ich noch einmal, ob Euch Jener hat den Gelddeutel übergeben, und ob Ihr ihm denselben zucückbekaltea * Wie verkalk sich die Sach') Sagt die Wahrheit! Ja oder nein) Das will ich wissen!" — Der Angeredele läugnere irgend einen Eistpfang mit der unverschämtesten Frechheit. — „Ei, Ibr Mann" — vernahm jetzt- Hirsch — „ ich kann Euch da nicht helfen; er Kat bas Geld nicht — aber aber. waS habt Ihr gelhan, Ihr habt ihm einmal die Ebr' geschändet — da» ist Schofeich dam Blutvergießen) und eine große Aweire (Sünde», wüßr Ihr's, eine große Aweire! (Des Rothen Herz pocht» bei diesem Ausspruch nun plus ultra vor Freude.) Sag't, bleib't Ihr nun noch dabei, daß Ihr ihm habt baS Geld gegeben)."-„Ja und ja, und. hundert Mal ja und taufend Mal ja, und soll mich auf der Stell — — — „Halt »in!" ertönt'S von Seiten des Rabbis. Dieser faltet die Hände und sendet einige unverständliche Wort»'nach oben, darauf läßt er seinen Diener des Beklagten Hut empor heben. — Da, Wunder über Wunder!-Hirsch'S Geldbeutel kam zum Vorschein. —- Der schändlich« Betrüger sah sich nun überführt; das fZeugniß seiner schlechten Thal lag offen vor Augen; — Sc taumelte vor Bestürzung. — „Hört" — so begann von Neuem der göttlich« Mann — „Ihr soll't von mir nicht weggeh'n und meinen, ich fei ein Baal-Neß (Wundecthäter)!" Hierbei rheilte er ihnen mit, es hätte sich Alles auf natürlichem Wege zugetragen; denn nachdem Beide das Zimmer verlaffen hätten, hätte er dessen Rock und Hut an dessen Frau gesendet mir der Nachricht, ihr Mann, der von einem Sched (Dämon, böser Geist) besessen wäre, werfe in der schrecklichen Raserei Alles von sich, und könne eher keine Ruh« finden, als bis der Geldbeutel herausgegeben würde. Jene Kleidungsstücke sollten nur zue Bekräftigung der Wahrheit bienen, denen auch die Frau voll Angst, ohne Argwohn vertraute, und in aller Hast den Geldbeutel einhäadigte. — Den Sünder stellte der Rabbi wegen der unredlichen Handlungsweise und des verstockten Sinneernstlich zur Rede, empfahl ihm aufrichtige Reue und Besserung, und legte ihm eine Buße auf. — Hirsch erhielt ohne Weiteres fein Eigenthum. — Jetzt erst befreite sich der Rabbi des GedetmancelS, jetzt erst wandte er sein Antlitz -sein Haupthaar und Bart stachen nicht im Entferntesten von dem des Betrügers ab. — Also wieder ein Rother! — Hirsch stand verduzt da. — Der Rabbi setzte ihm mit Nachdruck und auf die überzeugendste Weise die Sündlichkrit seines Vorurtheils auseinander. „Seht Ihc^ — so schloß er — ,,had' ich doch selber roch Haar, und dad' Euch doch zum Verlornen wieder verholfen — hättet Ihr mir wohl daS dei Eurem Dorurtheil zugetraul?!" — Der Rabbi schwamm schon im Selbstgefühl, zwei Fliegen mir einem Schlage getroffen zu haben. — Bei Hirsch hatte sich da- Vorurtheil im kaufe des Tages zu tief eingefcessen, als daß er es so plötzlich hätte abwerfen können; im Gegenrheil hatte ihn die Handlungsweise d,S Rabbis, statt ihn zu heilen, darin noch mehr bestärkt. Ganz naiv sagte er daher: „Daß ihrmir zu meinemGeld verholfen, dafür dank ich von Herzen; daß Ihr's aderburcheine solche kisthabt hervorgedracht, dabeweist mir erst recht,.baß Ihr ein noch größerer Mamser (verschmitzter Mensch) seid, wie Jener, sonst hattet Ihr ihm doch nicht können übern Kopf kommen!" — Guter Rabbi, einen schönen Lohn, erntetest Du für Deine edle Thar! Aber was — wir müssen die Verkehrtheit und Verstocktheit der Menschen nur bemitleiden, wenn wir sie einmal davon nicht abdringen können. Entweder sie gehen damit unter, oder gelangen mit der Zeit selber auf'die rechte Bahn. — Beitel — ec verzeih'- uns — gehörte zu den Ersteren, zu welchen Du, dessen gehorsamer Söhn Hirsch) — kLLiuß soi«r, Hebräisch-archäologische Handzcichnungen. 1. Die Leviten. aus No. 19.) Es war demnächst so eingerichtet, daß die keviren nicht sämmtli^) in Jerusalem zu wohnen brauchten, sondern sie wohnten ferner auch in ihren Städten, und begaben sich nur, wenn die Reibe ihre Ordnung traf, nach Jerusalem. Diese Ablösung geschah wöchentlich*). Denn wenn, wie wir eben gesehen, 22 Mann am Tempel täglich Wache hielten, .so bedurfte es wöchentlich 154 Mann, so daß bei 4000 Thorwärtern in 24 Ordnungen ein jeder Levit in einem Jahre zweimal feine Woche hatte. Ganz eben so, sahen wir, fand es bei den Sängern statt. Wenn nun die 24,000 dienenden Leviten, wie es sich voraussetzen läßt, ebenfalls in 24 Ordnungen vertheilt warm, so waren derselben stets 1000 im Tempel gegenwärtig. — Was endlich die vierte Abtheilung betrifft, so war diese von allm Dienstverrichlungen befreit, da sie als Richter und Vor» 1) 1 Ehr»-. Stop. 9, B. 25.