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Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 22 (1861) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
22 (1861)
Date
1861-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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«Jüdisches Verehrung uni) Unterhattung auf jiiöifdjpm Aeki^te. Herausgegeben von ' Rabbiner Vr. Ludwig PhiliPPsou in Magdeburg. pd>. 22. 1861.1 Bon dirier Ztitschritr erscheint wöchentlich eine Rümmer. Preis des Jahrgang» 1 Tdtr. Bienetzübrig 7 Ngr. Alle Buchbantlnngeu, Po-Lmrer und ZeitnagServedinone» nehmen Bestellungen an. [8. Jahrg. 2. Quartal] Das Vorurtheil. (Eine Geschickt.' wie sie im Leben vorkam.) Pon Moritz Grün selb in Ratibor. iAortsetzung.i Hierauf kam Da* vom Wirth heißersehnre Mesuinmen- Benschen. Wie ec da, Entzücken auf dem Angesicht, den gefüllten Becker erhob, und mit lauter Stimme anhud: „Rabbaussai (meine Herrn), wir wollen benschen" (Tischgebet verrichten;; wer hätte da so unbarmherzig sein wollen;' sein Entzücken nicht zu theilen? — Dann wurden Geschichten und allerhand Anekdoten erzählt, wobei man von der großen Schüssel immer eine Hand voll gesottener Erbsen enmahm, die man fast unbewußt mit angeborener Geschicklichkeit einzeln nach dem Munde zielte. — So vergnügt hatte Hirsch den Abend schon lange nicht verlebt; er fühlte sich unter den lieben Leuten so heimisch, als verweilte ec von frühester Jugend in ihrer Mitte. — Und wie angenehm verlebte er den folgenden Tag, den Sabbath! So wie man. ihn nur unter echt jüdischen Herzen, die den Sabbalh über Alles hoch und heilig halten und zu seiner Verherrlichung kein Opfer scheuen, von allem Leid und Harm befreit, genießen kann. Hirsch fühlte sich zu seinem gütigen, freundlichen Wirth, dessen heiterer Humor nie versiegte, hingezogen. Er hätte ewig in diesem Hause zu bleiben gewünscht, zum mindesten dock, daß dies ein jahrlanger Sabbath wäre. — Bei solchen Bewandtnissen stieg in ihm die unselige Vermuthung auf, sein Vater, der die Welt so durch und durch gekannt haben wollte, und doch das Sprichwort: „Kein Mensch ist ohne Fehl' — 's kann der größte Kenner sich einmal taue sein (irren)" so oft bei der Hand hatte, könnte sich wohl auch im Jrrthum befunden, und vielleicht von Einigen, dem Aeußern und Innern nach ähnlichen Personen, auf eine ganze Menschensorte geschloffen haben. — Nun, wir wollen sehen, und wie weit sich diese seine Dermuthung bestätigte. Der Sonntag war vor der Thür. — Hirsch gedacht« mit Schwermuth der Trennung von den Leuten, die ihm während der kurzen Zeit so theuec geworden; aber er mußte einmal weiter. — E. schickt sich zur Abreise an; er will feine Zeche bezahlen, und da er vor Gadbathbeginn dem Wirth seinen inhaltsschweren Geldbeutel zur Aufbewahrung überreicht hatte, verlangt er nun diesen zurück. Der Wirth stellt sich über ein derartiges Ansinnen erstaunt, stägt, ob er denn mit ihm zu scherzen beliebe? Hirsch seinerseits giebt sich ebenfalls dem Glauben hin, haß Jener mit ihm seinen Scherz zu treiben beabsichtige. — Doch jeder Spaß hat sein Ende! — Hirsch wird dringender — der Wirth fetzt ihm Hohnlachen entgegen — Hirsch tobt, rast, schreit was er nur kann — der Wirth verbietet sich allen Ernstes ein solch Äebahren, dessen nur ein Irrsinniger fähig, und räth ihm, von seiner unbilligen Forderung adzustehen, widrigen Falls er sich bemüßigt fühlen würde, ihn als Ehrenschändec zu belangen. Hirsch befand sich jetzt in einer verzweiflungsvohen, bedauernswürdigen ° Situation. Es leuchtete ihm ein, daß ec sogegen die Ränke des arglistigen Betrügers Nichts auszurichten vermöchte. „O" — stieß er in seiner Verzweiflung aus — „o, wie stark had' ich mich wieder vergangen, daß ich der Ermahnung meines VarerS olar Nascholaum (Miede über ihn!) vergessen — waS er gesagt ist ThoraS Moschehmes (wahr wie die Gesetze M.oseS) — ach, wie hart bin ich dafür gestraft worden! — O, du Ramme, du verruchter Ramme, mit deinen verstelltrn, verschmitzten schönen Reden!" — Durch solche und ähnliche Aufwallung machte er feinem bedrängten Herzen Luft. — Ruhe ist bei jedem Unternehmen erforderlich. Er hatte sich demnach allmählig wieder gesammelt und überlegte, waS in diesem kritischen Moments zu thun sei? In der Nähe des Ortes wohnte^ der Rabbi. Diesen suchte Hirsch auf und brachte seine Klage vor.. Der Rabbi ließ ihn ungehindert auSreben, schüttelte bedenklich sein Haupt, und sagte: ,La, lieber Guter, da kann lch Euch leider nicht helfen; Jhr^ habt für's Erste keine Zeugen; zudem ist jener Mann der größteNogid (der reichste Mann); es wäre umsonst, wenn ich ihn rufen lass — ich kenn' ihn — ich weiß, er kommt nicht, er kommt sicher nicht." — Hirsch'- Rettungsanker war verloren; er stand rathlos da; ftin Herz war ihm entfallen. — Da fuhr plötzlich, wie von einem hellen Gedanken erleuchtet, der Rabbi fort: „Halt — kann nock gut werden; heut wird bei uns der Landrvf (Landrabbiner) erwartet; — geht zu ihm! —- er harschen manche Sach' entdeckt, wo kein Mensch hat durchdringen können. Wenn ihn der wird zu sich berufen, wird Euer Wirth sich schon einfinden. — Der hohe Gast erschien wirklich. — Hirsch hatte Nichts zu thun, als ihm seine Aufwartung zu machen. In seiner Ungeduld wäre er bald in des hohen Mannes Zimmer hineingestürmt; da-1 ging aber so leicht nicht; sein Anliegen konnte er nicht direct an den Mann bringen; er mußte eerst dem Begleitet refpecs. Diener des Landrofmitthetlen. und verfehlte hierbei nicht die Bemerkung, wie er den letzten väterlichen Willen außer Acht gelassen habe, und daMk

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