Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1861-01-01 · 20 (1861) · p. Seite 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
8 (1861)
Issue
20 (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999360-6026421--1894-4910360
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

sei es auch nur die Befriedigung der persönlichen Eitelkeit aus ihrer Stellung zu ziehen suchen, sondern nach dem Spruche der Weisen: O'pO'y vrrv ot D'po’syn bs' V'T-'L LL' onoy „wer mir der Angelegenheit der Gemeinde sich defaßt, lhue es stetaus Liebe zur Religion l" Dies sind denn die Männer, welche die heilige Schrift mit den Ehrennamen mm \N*“>p „ Die Berufenen der Gemeinde mm '«-C3 „Fürsten der Gmeinde" benennt. Schauet Euch um, und wählet solche — beHn auch in unserer Mitte fehlen solche nicht Meine Freunde! der Prophet rutt uns auf (Joes 2, 16.); 3-p vinp „Heiliget die Gemeinde!" Oie Gemeinde wird aber geheiligt wie durch Gottesdienst und wahre Frömmigkeit, so durch Frieden;u Gerechtigkeit, durch Liebe und Eifer, durch wahrhaftes Leben in ihr. In einer, solchen Gemeinde rufen wir dann mir dem Psalmistcn freudig aus (22, 23..: r.--p 7V'a „In der Gemeinde Milte will ich Dich loben!" - Börne. Louis Baruch, so hieß Börne, bevor er sich zu dem von ihm schwer bereuten Uedertrilt verführen ließ, aus Frankfurt am Main, kam sicdenzehnjährig als, Pensionair des Professors MarkuS Her; nach Berlin. Er sollte sich unter den Äugen dieses berühmten ArztcS und Freundes MendelSsohn's und Lant's frühzeitig für das ärztliche Studium vorberciten. Im November 1802 trat er in dies Derhällniß ein. Er fand in Henriette Herz, der jungen Gattin seines alten Professors eine schöne, gebildete, liebenswürdige Hauswirthkn und gewann bald Neigung zu ihr. .Sobald sie es merkte, entließ sie ihn und Börne begab sich zur Fortsetzung seiner Studien nach Halle und spater nach Heidelberg. Seine jüngst veröffentlichten „Briefe an Henriette Herz" aus den Jahren 1803 diS 1807 liefern ein deutliches Bild des jungen ManneS, und merkwürdig ist cS zu sehen, wie in diesen frühesten Aeußeruagen eines Jünglings von siebzehn oder achtzehn Jahren der spatere Börne schon ganz fertig isti der Witz, der Humor, überhaupt die ganze Eiyenthümlichkeit des spätem Schriftstellers ist deutlich zu erkennen. Schon in der Jugend bespöttelt er die Manieren seiner Glaubensgenossen, eine Unart, die damals zum guten Tone gehörte. So heißt es in einem Briefe vom 22 Januar 1804. „Gott behüte und Gott bewahre!! Wie haben sich denn die Juden ausgmommen mir ihren Säbeln und Gold und Silber und Scharlach und Purpur, als sie zu Pferde'die Prinzessin einholtm? Gott behüte und Gott bewahre!! Ist eS denn gut adgelaufen? ist. kein Pferd ducchgelaufen oder scheu geworden? Gott behüte und Gott bewahre!! Jktnand der auS Berlin kam, erzählte hier, sie harten viecheha Tage vorher im Park von zwei Gensdarmes reiten gelernt. In den Osterferien 180.°» reiste er nach Hause, um. sich nach einer drittehalbjährigen Abwesenheit seinen Eltern, Tanten und Onkeln zu präsentieren. „Ich freue mich recht sehr darauf,", schreibt er schon einige Monate vorher, „denn ich kann mir schon .lebhaft., den Spectakel denken, der in den ersten drei Tagen mir mir sein wird. Dal wird denn jeder mich begucken und begaffen und mich Herr Dockor nennen. Ja meine eigne Großmutter wird kaum die Courage haben, mich wie -sonst zu duzen, da sie aber auch nicht Sie zu mir sagen mag, so hilft sie sichj so heraus und spricht z. B. Schon lange hier? recht gesund? Werden bald-prakticiren? Uederhaupt werde sch in der Judengasse viel Ehre genießen. Ader gewiß nur in den ersten zwei Tagen. Wchn mast mich wtrb kennen lernen,! da heißr'S ich sei stolz u. s. w. Indessen wbtüe ich mir «viele Mühe geben, geg'en die Judenmädchen, und gegm meine schönen Cousinen so galant als möglich zu sein. Nun 1 stehe ich zum Beispiel bei Mamsell Gumpertz unter ihrer . Hausthüc und der Heizencroderkr-Aaron Bamberg steht > auch da. Der fragt mich nun: Herr Baruch, ist Müde» I moisclle Gumpertz nicht zehnmal schöner geworden seid-Älrer Abwesenheit? Ich aber.erwiedrre sehr fein: Ich bitte um Vergebung: Mamsell war so schön, daß sie gar nicht hat schöner werden können. Äder lächelnd und -sehr nwquant spricht darauf Mamsell Gumpertz zu mir: Ei, Herr Docror, kann man.in Halle auch spotten lernen? Ich sage dann wieder mit einer Verbeugung: Ich bitte Ihnen. Und so gehl's fort" Ec verbrachte die Ferien in seinem alten Frankfurt so lebensfroh wie noch nie zuvor. „Die Leute amvsirten mich erstaunlich", heißt es in dem ersten Briefe nach feiner Rückkehr an Henriette Herz, „weil sie sogar excentrisch waren. Ich spreche immer von Juden, denn mit Christen geben wir nicht um. Was das für MrKfchen sind, welch ein Leben das ist, welch «in. Handeln. Die alten Juden, von Abraham bis zum weisen Salomo, sind mir immer vorgrkommen, als hätten sie die allgemeine Weltgeschichte travestiren wollen. Das war nun schlimm. Aber di« jetzigen, mHn Gott, die thun das nicht einmal, höchstens parodlren sie jene Travestie. Drei Dinge sind, die sie zu schätzen wissen, ersten-: Geld, zweitens: Geld, und drittens: Geld. ES ist die Blükhe des Witze-, daß sie den Ham» let'schen Monolog übersetzen: Geld oder nicht Geld, das ist die Frage"*). '— Während seines Aufenthalts in Halle studirke er mir mehrern Juden zusammen: ,.Eist aber merkwürdig." wie er sich ausdrückt, „wie ängstlich eS diese Menschen zu verbergen suchen, daß unser Ahnherr gehinkt hat. Man sicht nie zwei Juden miteinander gehen, oder auch nur sprechen"*). Seit jener Zeit ist so Manches anders geworden, die Juden schämen sich ihres hinkenden Ahnherrns nicht mehr und nennen sich mit Stolz Juden; khat sich doch Börne selbst später nicht wenig darauf zu gut, ein Jude zu sein.- sie., K. 1) Man sieht, dag die Ju(en ein ziemliches Quantum Rischus -tiejcrn können. Die Redaction. 2) ,Oft hat man gerade über bas Gegentheil geklagt. Nun, mache Man es wie man woltt. — der Jude wird geradelt und beklatscht! D i e R e d <x c t i o n.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.